Endlich zurück auf dem Padel-Court

Julia Wienecke geht wieder ihrem Lieblingshobby nach

Julia Wienecke trainiert wieder auf dem Court der Heerener Padel-Arena.
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Julia Wienecke trainiert wieder auf dem Court der Heerener Padel-Arena.

Die jüngsten Lockerungen für Sport im Freien haben auch auf den Padelcourts wieder für Bewegung gesorgt.

Bönen/Heeren – Seit Oktober sei sie zuhause gewesen, sagt Julia Wienecke. Die junge Frau aus Kamen-Heeren freut sich, endlich wieder zum Schläger greifen zu dürfen. An diesem sonnigen Dienstag steht sie gemeinsam mit Mutter Anke und Renate Zappe auf einem Court der Heerener Padel-Arena.

Die Anlage ist seit dem vergangenen Jahr ein Lieblingsort für die junge Frau mit Down-Syndrom. Sonst trainiert sie zusammen mit anderen Gehandicapten der Initiative Down-Syndrom. Das ist im Augenblick wegen der Corona-Schutzbestimmungen noch nicht möglich. Auf dem Court stehen dürfen nämlich nur zwei Personen, wenn sie nicht aus einem Haushalt stammen. Die Bönenerin Renate Zappe ist diejenige, die zum „Saisonstart“ die Sparringspartnerin gibt. Ungewöhnlich ist zudem die Art zu spielen. Normalerweise spielt man Padel im Doppel. Das Einzel verlangt mehr Disziplin der Sportler. Der vorhandene Raum ist für einen zu groß, schließlich ist bei dieser Mischung aus Squash und Tennis die Wand ein unberechenbarer Faktor. „Du musst cross spielen“, mahnt Anke Wienecke ihre Tochter, „sonst kommt Renate nicht an den Ball.“ Das Ballgefühl bringt die 25-Jährige mit. „Die Augen-Hand-Koordination ist super“, erklärt die Mutter. Auch das Regelverständnis sei vorhanden. „Hier sind aber auch so viele Leute, die es ihr erklären.“

Julia sei voll anerkannt von den Padelsportlern. Das zeigte sich auch an ihrem Geburtstag am 1. Februar. „Sie war unheimlich traurig, dass sie ihren 25. wegen des Lockdowns nicht groß feiern konnte“, erzählt Anke Wienecke. Die Mutter startete einen Aufruf in der Padelgruppe. „Und es kam eine Flut an Grüßen zum Geburtstag, richtig persönliche auch.“ Julia empfand diesen Ehrentag als schönsten in ihrem Leben.

Ein richtiges Spiel ist wegen der personellen Einschränkungen schwer möglich, deswegen trainieren Renate Zappe und Julia Wienecke in dieser Stunde meist Überkopfbälle und Returns. „Den Schläger hat sie zu Weihnachten bekommen. Das ist ihr ganzer Stolz“, sagt Anke Wienecke.

Die junge Frau spielte vom neunten bis zu ihrem zwölften Lebensjahr Tennis beim Heerener TC, wo auch die Padel-Arena beheimatet ist. „Dann war die Akzeptanz bei den Jugendlichen nicht mehr gegeben“, blickt die Mutter, ebenfalls als Tennisspielerin aktiv, zurück. Physisch konnte Julia Wienecke damals nicht mehr mithalten: Sie hat neben dem Handycap einen Herzfehler. „Aber sie hat das beim Padel gut im Blick. Wenn sie merkt, es geht nicht mehr, macht sie eine Pause“, erklärt die Mutter.

Jetzt ist davon nichts zu spüren. Es macht offensichtlich Spaß, Renate Zappe mit der beidhändigen Rückhand in die Ecke zu drängen. „Ich denke, zumindest Muskelkater droht nach diesem ersten Mal“, beurteilt Anke Wienecke den sportlichen Ehrgeiz der Tochter. Die junge Frau kommentiert derweil jede Aktion. Sie lebt auf: Schließlich ist es lange her mit sozialen Kontakten. Seit dem Beginn des Lockdowns ist Julia Wienecke zuhause. Aus Vorsicht um ihre Gesundheit arbeitet sie momentan auch nicht in der Werkstatt Unna. Das Tanzen mit der Initiative Down-Syndrom in Bergkamen, ihr zweites sportliches Hobby, fällt immer noch aus. Das Zuhausebleiben endet für die 25-Jährige jetzt mit der Öffnung der Padelanlage.

Renate Zappe verspricht, zweimal in der Woche mit ihr zu trainieren. „Wäre doch schade, bei diesem Wetter zuhause zu bleiben“, meint die Bönenerin. „Das ist ganz toll, da ich in Münster arbeite und Julia sonst lange alleine wäre“, freut sich Anke Wienecke.

Das Ziel ihrer täglichen Spaziergänge wird für Julia Wienecke nun wieder häufiger die Anlage des Padelclubs werden. Schließlich schaut Julia Wienecke den anderen Sportlern gerne zu und gut ab. Und sie kann sicher sein, dass sie dort auf Freunde trifft.

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