Schach

Der Sport der Könige - Nur das Ticken der Uhr ist zu hören

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Am Demobrett: Helen Potthink (links) und Victoria Kosiol

Die Coronavirus-Krise macht auch in der Pestalozzi-Schule nicht halt, weshalb die Lieblingsbeschäftigung mancher Schüler momentan auf Eis liegt. Eigentlich lernen sie in einer Arbeitsgemeinschaft das Schachspielen. 

Bönen – Hoch konzentriert sitzen sich Conor Kic und Sirko Uhde gegenüber, denn jeder sucht den besten Zug. Nur das Ticken der Schachuhr ist leise zu hören. Sonst ist alles still. „Gefunden“, denkt sich Sirko und zieht den Turm auf von B3 auf B7. „Schach“, sagt der 13-Jährige selbstsicher. Doch Colin stellt unbeeindruckt seinen Springer vor den Turm – Drohung abgewehrt.

Schach als Freizeitbeschäftigung – das zieht viele Jugendliche in die örtlichen Schachvereine. Aber auch in den Schulen hat der Denksport in Bönen einen neuen Stellenwert erhalten. Schüler treffen sich nach dem Unterricht in einer Arbeitsgemeinschaft, um gemeinsam Schach zu spielen. So auch in der Pestalozzi-Hauptschule. „Wir sind fast 25 Leute, wenn alle da sind“, sagt Lehrerin Beata Laux, welche die Schach-AG betreut.

Dabei könnten ihre Schützlinge, die den Sport der Könige für sich entdeckt haben, unterschiedlicher nicht sein. Denn sie haben verschiedene Förderschwerpunkte. Manche der Elf- bis 16-Jährigen in der Pestalozzischule haben zum Beispiel Schwierigkeiten sich im Unterricht zu konzentrieren. Doch mit der Schach-AG könnten sich die Leistungen der Schüler bald verbessern: „In einer Schachpartie dürfen sich die Kinder nicht ablenken lassen. Das kann helfen, ihre Fähigkeit zur Konzentration zu fördern“, sagt Laux.

Unterstützung vom SV Bönen

Da die Lehrerin keine Großmeisterin am Schachbrett ist, habe sie sich Unterstützung vom Profi geholt, wie sie erklärt. Holger Reinert, Jugendleiter des SV Bönen 49, unterstützt sie jeden Montag in der AG. Dann treten die Schüler immer gegeneinander an oder lösen gemeinsam Schachaufgaben. Zum Beispiel muss bei einer vorgegebenen Stellung auf dem Brett der beste Zug gefunden werden.

Bei den regelmäßigen Treffen müssen sich die Teilnehmer auch gegenseitig etwas beibringen: „Bei über 20 Teilnehmern ist es schwierig sich um alle gleichzeitig zu kümmern. Zum Glück haben wir nun auch einen Schüler dabei, der in einem Schachverein aktiv ist. Er zeigt den anderen ein paar Tricks und unterstützt uns etwas. Die Jugendlichen interagieren miteinander und lernen voneinander.“

Schon vor dem Projekt kamen einige Schüler mit dem Sport in Kontakt – durch Familienmitglieder oder durch die Zeit in der Grundschule. Letzteres trifft bei Fabienne Sirotken zu: „Ich habe schon früher bei kleineren Schachturnieren mitgespielt. Denn in der Grundschule hatten wir auch eine AG. Da traten wir immer gegeneinander an“, berichtet die 13-Jährige. Mit den Kreismeisterschaften im Schulschach im Februar sammelten die jungen Spieler nun auch Turniererfahrung. Auch wenn der sportliche Erfolg größtenteils ausblieb, war der erste Wettkampf eine schöne Sache.

Herausforderung unter Wettkampfbedingungen

„Für mich war es eine knifflige Herausforderung sich mit neuen Gegnern unter Wettkampfbedingungen zu messen. Ich hätte nicht erwartet, dass wir uns so gut schlagen“, meint der 16-jährige Jason Grütter. Er und seinen Kollegen traut er für die nächsten Jahre mehr zu. „Ich würde mir wünschen, dass wir bei den nächsten Kreismeisterschaften unter die Top drei kommen.“

Die Jugendlichen des SV Bönen sind hingegen den Turnieralltag schon gewohnt. Damit sie sich stetig verbessern, trainieren sie intensiv und regelmäßig. Gemeinsam mit Stephan Wegner, der auch in der ersten Mannschaft aktiv ist, analysieren sie die eigenen Schachpartien an einem „Demobrett“. „Wir haben uns Anfang 2019 für dieses Konzept entschieden, dass wir gespielte Partien gemeinsam besprechen. So lernen die Jugendlichen aus ihren Fehlern. Manchmal ergeben sich auch interessante Partie-Varianten, wenn man mit besseren Zügen weiterspielt“, sagt Wegner. Neben der Analyse stehe auch Taktiktraining auf dem Programm.

Was für Außenstehende eher wie Schachunterricht aussieht, nimmt Helen Potthink nicht so wahr. „Für mich ist es ein toller Ausgleich zum teilweise stressigen Schulalltag. Hier komme ich schnell auf andere Gedanken. Auch wenn ich mich natürlich immer verbessern möchte, steht für mich nur der Spaß im Vordergrund.“ Die 14-Jährige misst sich regelmäßig mit ihren Gegnern am Brett und meint: „Schach ist ein toller Ausgleich und der beste Denksport, den man machen kann.“

Hinweis

Dieser Bericht entstand schon vor den Schulschließungen der Landesregierung. Auch die Schach-AG der Pestalozzischule ruht derzeit, wird aber bestimmt nach der Pause wieder weitergeführt.

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