Ein hohes Maß an Mitgliedertreue:

Bönener Sportvereine nicht in akuter Finanznot

Finanzielle Einbußen durch den Lockdown sind in Bönen zum Beispiel auch im Tennisverein verhältnismäßig gering.
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Finanzielle Einbußen durch den Lockdown sind in Bönen zum Beispiel auch im Tennisverein verhältnismäßig gering.

In akuter finanzieller Not sei kein Verein in Bönen, sagt Dirk Presch, der Vorsitzende des Gemeindesportverbandes. „Die Mitglieder halten den Vereinen in Bönen die Treue“, unterstreicht er.

Bönen – Die trotz der Coronakrise und Lockdownphasen gute Situation in den Bönener Sportvereinen liegt wohl auch daran, dass niemand hauptamtliche Mitarbeiter füttern muss. Kein Sport heißt, vereinfacht gesagt, keine Ausgaben zum Beispiel für Übungsleiter. Die TuS Bönen verzeichnet in der Kasse ein dickes Plus trotz der um 120 gesunkenen Mitgliederzahl – dem Ehrenamt sei Dank.

„Auch diese Zahl muss man relativieren“, erklärt Marvin Manz dazu. „Die Zahl der Austritte ist nicht signifikant höher als in anderen Jahren“, so der TuS-Vorsitzende, „aber wir haben keine Eintritte, es fanden und finden ja keine Veranstaltungen statt.“ Das Problem der Außendarstellung, zum Beispiel durch den Wegfall des Sportelsonntags, haben viele Vereine. Es seien vor allem Kinder, deren Eltern den Mitgliedbeitrag sparen würden. Kinder sind in einer Probierphase, was Sportarten betrifft. „Ich denke, online sind sie auch nicht so gut zu erreichen“, deutet Manz auf die vielfältigen Möglichkeiten des virtuellen Trainings hin, die der Verein anbietet. Die ältere Generation ist hingegen ihr Leben lang in der TuS. „Für die ist der Verein eine Art Heimat.“ Er hoffe darauf, dass einige Ex-Mitglieder nach Öffnung den Weg in den Verein zurückfinden.

Kein Schwund auch bei der DLRG

„Nein. Schwund ist bisher nicht feststellbar“, sagt Kay Pieper, angesprochen auf das Mitgliederverhalten nach einem Jahr Pandemie. „Aber wer weiß, was in diesem Jahr passiert“, schränkt der Vorsitzende der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), Ortgruppe Bönen, ein. Die Ungewissheit rührt daher, dass der Beitrag jährlich erhoben wird, Rückzahlungen erlaubt die Satzung nicht. Um die 180 Mitglieder hat die DLRG-Ortsgruppe, also ist sie kein ganz so kleiner Verein. „Aber wir leben noch von der Zeit des Schwimmbads in Bönen“, weist Pieper auf die Altersstruktur hin. Nachwuchs zieht der Verein über das Anfängerschwimmen und die Ausbildung mit sich steigernden Leistungsstufen vom Bronzeabzeichen bis zum Rettungsschwimmer. Bei der Stange gehalten werden die jugendlichen Mitglieder durch Aktivitäten wie Kursangebote, Freizeiten und durch sommerliche Rettungseinsätze an den deutschen Küsten. „All das fällt im Augenblick natürlich weg“, erklärt Pieper. Das Vereinsleben liegt also brach. Ohne eigene Gewässer stehen die Bönener momentan zudem ohne Rettungseinsätze da. Ortsgruppen wie Hamm oder Bergkamen unterstützen auch im Lockdown die Feuerwehr – zum Beispiel am Kanal. Onlineangebote machen naturgemäß keinen Sinn, denn: „Trockenschwimmen ist schwer möglich.“ Für den Restart denkt der Vorstand an ein Grillfest für die Mitglieder. „Als Dankeschön für die Treue. Ein Verein lebt schließlich von der Gemeinschaft, auch das ist online schwer umzusetzen“, sagt Pieper. Dem Verein bleibt die Hoffnung, dass die Bäder rasch wieder öffnen. Im Sommer 2020 hatte die DLRG Bad und Sauna zu den Trainingszeiten für sich, der Abstand war gewährleistet, das Chlorwasser nicht gut verträglich für Viren. „Ich denke aber, dass wir auch in diesem Jahr wieder an die Öffnung der Sporthallen gekoppelt werden, obwohl die hygienischen Voraussetzungen doch unterschiedlich sind.“

„Mitglieder sehnen sich nach persönlichen Kontakten“

Schach konnte man hingegen schon vor PC-Zeiten gut auf dem Commodore oder Atari spielen. Zu einem Onlineangebot ist es also für den Schachverein Bönen kein weiter Weg. „Wir haben keinen Mitgliederschwund. Auch Rückforderungen von Beiträgen gab es nicht“, bestätigt der Geschäftsführer des Schachvereins Bönen, Manfred Begel, entsprechend. Im Gegenteil: Trotz zweier umzugsbedingter Abgänge stieg die Zahl durch drei neue Jugendliche auf 65. „Wir bieten über ein Forum auch Schachturniere an. Außerdem läuft der Trainingsbetrieb für die Jugendlichen mit Aufgabenstellungen und Taktik online.“ Glücklich wären aber auch die Denksportler über ein Ende des Lockdown. „Die Mitglieder sehnen sich nach persönlichen Kontakten. Vor dem Demobrett zu stehen, Lösungen zu diskutieren, dumme Sprüche machen – das ist schon etwas anderes“, bedauert Begel.

Aus der verpixelten Frühzeit der Computer ist auch Tennis bekannt. „Aber das ist heutzutage out“, meint Frank Stefank. Der TV RW Bönen befände sich momentan im Schlaf. „Vermehrte Austritte haben wir bisher nicht festgestellt“, sagt der Vorsitzende des knapp 300 Mitglieder starken Vereins. Durch fehlende Angebote wie Schnuppertennis konnte der Verein aber auch keine neuen Mitglieder gewinnen. Dafür ist die Führungsetage des Tennisvereins ein wenig in Sorge, ob noch Rückforderungen für gezahlte – aber nicht erlaubte – Hallenstunden auf die Rotweißen zukommen werden. Der Versuch, staatliche Hilfen für November und Dezember zu bekommen, schlug fehl.

Die Schulpferde sind versorgt

Das Zittern vor dem Abbuchungszeitpunkt 30. September ließ beim Reit- und Fahrverein schnell nach: „Die Zahl der Austritte war nicht auffällig“, sagt Lisa Kissing. Neue Mitglieder kamen aber auch nicht dazu. „Wir konnten ja keinen Ferienspaß machen. Die Eltern sind aber sehr kulant, dafür noch einmal ein Dankeschön. Die Schulpferde sind versorgt“, erklärt die Pressesprecherin des RuF Nordbögge-Lerche. Als kleines Dankeschön sei Jugendwartin Judith Birk spontan mit Schoko-Nikoläusen herumgefahren. „Wir halten zudem im Vorstand auch über Onlinesitzungen Kontakt, unsere Reitlehrer bieten theoretischen Unterricht per Videochat an.“ Natürlich sei die Kasse nicht ganz so voll wie in normalen Jahren. „Es fehlen die Einnahmen durch das Sommerturnier“, so Kissing. Die anstehende Reiterparty sei auch schon abgesagt, auf das große Turnier hoffe man noch.

Keine neuen Mitglieder – das Problem zieht sich bis in den Bönener Süden. „Gott sei Dank haben wir keinen Mitgliederschwund“, erklärt Sebastian Schlieper. Online-Aktivitäten habe der TV Germania Flierich-Lenningsen eingestellt. „Im ersten Lockdown haben wir noch versucht, die Mitglieder virtuell zu bespaßen, aber da war schnell die Luft raus“, sagt der stellvertretende Vorsitzende.

Billardverein hat „Einbußen ohne Ende“

„Einbußen ohne Ende“, vermeldet Ulrich Strätker, Geschäftsführer des Billardvereins Bönen. Kein Training, keine Meisterschaft, also kein Getränkeumsatz, rechnet er vor. „Aber im Großen und Ganzen ist alles gut“, so Strätker versöhnlich. Die Mitglieder würden versuchen, per Whatsapp ein wenig Vereinsleben aufrecht zu erhalten.

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