Zwei Bönener sind deutsche Billard-Meister

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So sehen Meister aus: Der Vorsitzende Peter Rüssel (Mitte) feiert mit der Schwerter Mannschaft (von links) Can Salim-Giasar, Joshua Filler, Ramazan Dincer und Karlo Dalmatin den Titelgewinn.

SCHWERTE - Der PBC Schwerte 87 ist zum ersten Mal Deutscher Meister im Billard geworden – und entscheidenden Anteil daran hatten zwei Bönener. Joshua Filler und Ramazan Dincer führten den Aufsteiger zum Sieg. Mit einer Punktlandung machten sie am abschließenden Doppelspieltag alles klar.

Für Dincer war es mittlerweile zwar schon die sechste Meisterschaft in Folge, doch diese stufte es als besondere ein. „Das war schon heftig. Das war ein geiles Gefühl“, beschreibt der Bönener das Finalwochenende. Der Spielplangestalter hatte es gut gemeint, denn am vorletzten Spieltag gastierte der Tabellenzweite BSV Dachau beim Spitzenreiter in Schwerte, und mit einem Sieg wären die Bayern am Aufsteiger vorbeigezogen. Als Dritter machte sich auch noch der Titelverteidiger und Dincers altes Team, der BV Oberhausen, Hoffnungen, weil er tags darauf Dachau zu Gast hatte. „Das wünscht man sich so für ein Finale“, meinte Dincer.

Und die Partie Schwerte gegen Dachau wurde dramatisch. 2:2 hieß es nach der ersten Runde, dann lag der PBC mit 2:4 hinten – der Titel drohte aus den Armen zu glätten. Der 17-Jährige Filler bezwang aber Doppel-Weltmeister Ralf Souquet im 8-Ball. Sein 18-jähriger Teamkollege Can Salim-Giasar behielt die Nerven und holte mit einem 125:114 im 14.1 den wichtigen Punkt zum Ausgleich. „Mit den letzten zehn Bällen haben wir das Spiel gedreht“, war Dincer begeistert. „Dachau ist die beste Mannschaft. Das Unentschieden war sehr unwahrscheinlich, weil sie mit die besten Spieler Europas haben“, sagte Filler: „Wir haben unser bestes Billard gespielt.“

Schwerte hatte es nun in der eigenen Hand. Ein Sieg war aber nötig, um Dachau nicht doch noch vorbeiziehen zu lassen. „Ich war ganz schön nervös“, beschrieb Filler seine kurze Nacht. 3:1 führte der Gastgeber zur Halbzeit gegen den BSV Playhouse Fürstenfeldbrück, dennoch wurde es noch spannend. Zwar hatte Filler, der mit einer 22:6-Bilanz auch die Einzelwertung der Bundesliga für sich entschied, im 8-Ball keine Probleme. Neben Salim-Giasar verlor Teamkollege Karlo Dalentin. Dincer wiederum hatte im 9-Ball Matchball gegen sich. Sein Gegner vergab die Chance, und der Bönener drehte die Partie noch – und der Jubel in Schwerte kannte keine Grenzen. „Das war eine Punktlandung“, berichtete Filler noch am nächsten Tag heiser von der Meisterfeier.

Dabei hatten die Schwerter in ihrer ersten Saison in der Eliteklasse eigentlich nur im vorderen Mittelfeld mitmischen wollen. In der Hinrunde kam der PBC auf 12 Punkte. Der Niederlage gegen Dachau standen noch drei unentschieden und drei Siege gegenüber. In der Rückserie gewannen die Schwerter alle Partien bis auf die gegen Dachau.

Filler hatte schon die Zweitliga-Meisterschaft mit dem PBC gefeiert. Dincer stieß aus Oberhausen neu zum Team, weil sein alter Verein einen Spieler verpflichtet hatte, der ihm den Stammplatz streitig machte. Wirklich zufrieden war er mit der aktuellen Spielzeit allerdings nicht. „Meine Saisonleistung war nicht überzeugend“, sagte Dincer selber. Zehn Siege bei 18 Niederlagen bedeuten eine Quote von nur 35,71 Prozent. „Dafür sind wir eine Mannschaft.“

Fillers Fazit fiel natürlich anders aus: „Erster zu werden, besser konnte es ja gar nicht laufen“, sagte der Bönener, der allerdings schon mit einem Platz unter den Top Five geliebäugelt hatte. „Das ist eine Rakete“, lobte Dincer. Für Filler geht es mit einem Turnier in Luxemburg am Wochenende weiter. „Einzelerfolge zählen im Billard schon mehr“, erklärt er. „Der Spaßfaktor mit der Mannschaft ist aber höher“, weiß er nicht erst seit der Meisterfeier.

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