Eishockey

Die Eishalle ist sein Wohnzimmer

Als Trainer der Bergkamener Eishockey-Damen färbte sich Dirk Wefringhaus einst die Haare grün.
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Als Trainer der Bergkamener Eishockey-Damen färbte sich Dirk Wefringhaus einst die Haare grün.

Dirk Wefringhaus hat im Sport viel erlebt. Er spielte zunächst Fußball, kam erst mit 19 Jahren zum Eishockey. Doch der Kufensport wurde anschließend zu seiner großen Liebe.

Bönen – „Wefi – the german undertaker“, war eine Eintagsfliege, nur eine kurze Episode in 57 Jahre Leben von Dirk Wefringhaus. Nach Part eins war Schluss mit der Idee, Geschichten rund um den Friedhof humoristisch zu sehen. „Ich wollte mal etwas in Richtung Comedy machen“, erklärt der gebürtige Unnaer den kurzen Youtube-Clip. „Ich hab vor zwei Jahren Sven Pistor in Rietberg gesehen, das war der Auslöser.“ Der Radiomoderator des WDR bringt mit seiner Fußballschule sein Leben auf die Bühne, da dachte sich der Friedhofsgärtner Wefringhaus: Warum nicht ich?

Seine Passion war und ist allerdings das Eishockey. „Einmal Eisbär, immer Eisbär“, verabschiedete sich der langjährige Verteidiger und Trainer des Hammer Vereins vom ehemaligen Stadionsprecher Jörg „Hanni“ Haugwitz, der Mitte Januar verstarb. „Die Eishalle in Hamm ist immer noch mein Wohnzimmer“, sagt Wefringhaus.

Sportliche Hochs aber auch Tiefs erlebte er in Werries. Als Spieler von 1989 bis 1993 stieg er mit den Eisbären aus der Bezirksliga in die Regionalliga auf, machte dann nach einem Intermezzo beim KJEC Königsborn die Pleite der Eisbären unter dem Dach des ASV Hamm 1998 mit. Als Trainer ging er 2004 mit dem Nachfolgeverein Huskies finanziell bankrott, führte Lippe Hockey Hamm anschließend aus der Bezirksliga in die Regionalliga zurück. „Dann wurde ich gegangen“, erzählt er, inzwischen ohne Groll. Warum auch?

Mit dem Sambazug nach Peiting

Lieber erinnert er sich an große Momente, einen Ausflug 1993 mit dem Sambazug ins bayrische Peiting. „Mit 800 Leuten haben wir uns auf der Fahrt heiß gemacht. Das Rückspiel um die Regionalligameisterschaft fand dann vor 4000 Zuschauern in der Eissporthalle Unna statt.“ Meister wurde allerdings der Gast. „Einer meiner schwärzesten Momente als Spieler.“ Und für ihn als Unnaer ein schmerzhafter Rückblick auf die Stätte, wo er den Kufensport gelernt hat. „Es ist einfach nur schade, die Halle so verkommen zu lassen“, meint Wefringhaus zur geschlossenen Eishalle in Unna.

Ansonsten hat der Wahlsoester, er wohnt heute in Meiningsen, im Eishockey viel erreicht. Wefringhaus zückt das Smartphone, präsentiert sein Haupt in Grün statt des natürlichen Blond. „Die Mädels haben sich gesagt, Grün ist die Farbe der Hoffnung.“ Die Bärinnen Bergkamen griffen 2001 zur Haartönung. Wefringhaus spielte mit dem Bundesligisten um den dritten Platz in der Finalrunde zur Deutschen Meisterschaft. Die Farbe half – 2:1 hieß es für die Bärinnen gegen die Mannheimer Wild Cats. Mit rotem Haupthaar dabei: der Bönener Torwarttrainer des Bergkamener Bundesligisten, Arno Deutsch.

„Das war sicher auch einer meiner schönsten Momente im Zusammenhang mit dem Eishockey“, erzählt Wefringhaus. Damals sei er auch von Frauen-Bundestrainer Rainer Nittel gefragt worden, wie weit er denn mit seinem Trainerschein B sei. „Leider war ich noch nicht weit genug“, bedauert Wefringhaus, „er hatte vor, mich mit zun den Olympischen Spielen nach Lake Placid zu nehmen.“

Schöne Zeit bei Dogan Bönen

In Bönen lebte Wefringhaus bis 2011. Und in Bönen kehrte der Unnaer auch zu seiner ersten Leidenschaft zurück, dem Fußball. Zunächst spielte er vier Jahre in der Reserve des damaligen Landesligisten SpVg Bönen, dann drei Jahre bei Dogan Bönen (heute IG Bönen, die Red.). „Ich war einer der ersten Deutschen, der bei Dogan gespielt hat“, erzählt er. „Ich wollte mal wissen, wie es ist, Ausländer zu sein.“ Drei Jahre probierte er die Rolle. „Es war ne schöne Zeit“, erinnert er. Dann hängte der Stürmer die Schuhe an den Nagel.

„Bis ich 18 war, habe ich bei RW Unna gekickt“, sagt Wefringhaus. „Aber ich wollte nicht in die Fußstapfen meines Vaters treten.“ Der Einsatz schien dem Sohn zu hoch. Alfons Wefringhaus spielte mit RW Unna in der Landesliga Westfalen, in den 50er und 60er Jahren also drittklassig.

„Billy Flinn, damals Trainer des EHC Unna, hat mir geraten, ich solle einfach mal Eishockey probieren. Mit 19 Jahren konnte ich dann endlich Schlittschuh laufen, nach fünf Stunden Training am Tag. Ich hatte nie Talent, aber Ehrgeiz.“

Hattrick in 46 Sekunden

Vorbilder? „Nee. Da wirst du leicht zur Kopie. Ich habe immer versucht, eigene Persönlichkeiten zu fördern. Im Eishockey hat mich aber jemand geprägt. Rick Williams, ein Kanadier. Wir lagen damals 2:7 in Kassel hinten. Als ich den Kopf hängen ließ und gesagt hab: Das war´s!, hat der mich unglaublich zusammengefaltet. Das hab ich heute noch im Ohr. Er hat mich zum Kämpfer gemacht. Wir haben das Spiel tatsächlich noch gedreht. Im Eishockey geht eben alles sehr schnell.“ Dem Verteidiger Wefringhaus gelang daraufhin für den Königsborner EC gegen Bergisch-Gladbach in der Landesliga ein Hattrick in nur 46 Sekunden.

Auszuprobieren gehört in den Lebenslauf von Wefringhaus. Neugierig ist er immer noch, auch wenn er 2017 das Traineramt als 1b- und Nachwuchstrainer bei den Hammer Eisbären aufgab. Er entdeckte ein Hobby, das eher mit „Aftersport“ zu tun hat. Er kreiert unter dem Slogan „Wefis-Schnapsideen“ Mixgetränke. „Das läuft sehr gut.“ Und drei Tage beim Stadtfest in Unna seien anstrengend wie ein Eishockey-Wochenende. Auch in seinem neuen Metier hilft ihm sicherlich, dass er ein sehr kommunikativer Mensch ist. Einer, der viele Geschichten zu erzählen weiß.

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