Der Elfmeter - auch für Bönener Schützen und Torhüter ein ungleiches Duell

Schon seit der Jugendzeit schießt Berat Özgüc die Elfmeter für die SpVg Bönen. Seine Quote ist dabei sehr gut.
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Schon seit der Jugendzeit schießt Berat Özgüc die Elfmeter für die SpVg Bönen. Seine Quote ist dabei sehr gut.

Elfmeter sind klassische Zweikämpfe im Mannschaftssport Fußball. Ganz offensichtlich sind Strafstöße aber ein ungleicher Kampf. Das sehen auch Keeper und Schützen der Bönener Vereine so.

Bönen – Elfmeter sind klassische Zweikämpfe im Mannschaftssport Fußball. Ganz offensichtlich sind Strafstöße aber ein ungleicher Kampf, muss der Torwart doch knapp 18 Quadratmeter Zielgebiet abdecken. Zudem muss er, bevor der Schütze den Ball berührt, auf der Torlinie verharren. Dem Schützen hingegen sind Finten erlaubt. Klassisches Beispiel: Bayerns Robert Lewandowski, der vor dem Schuss abstoppt, um den Torwart zu provozieren, die Sprungrichtung zu offenbaren. Noch unfairer, aber genauso regelkonform verhält sich Barcelonas Lionel Messi, der den Ball vom Punkt quer passt – Luis Suarez verwandelt. Wie gehen die Torwarte und Schützen der Bönener Vereine mit Strafstößen um?

Marcel Klemmer hat ein paar Worte für den Schützen

Marcel Klemmer (Torwart des Landesligisten IG Bönen): Darauf vorbereiten kann man sich nicht. Es gibt ja nicht jeden Sonntag einen Strafstoß. Zum Spaß beenden wir manchmal unser Training mit einem Elfmeterschießen. Ich denke, jeder Torwart hat so ein paar Spielereien drauf. Ich versuche, dem Schützen den Ball persönlich zu übergeben, begleitet von ein paar netten Worten. Was ich sage, verrate ich nicht, nachher stecken die sich einen Wattepfropfen ins Ohr. Ich habe beim Sprung eine Favoritenecke. Beim Schützen achte ich darauf, wie er den Ball im Spiel schießt. Ein Stürmer knallt den Ball meist aufs Tor. Ich sehe die Chancen eigentlich bei 50:50. Ich würde auch selbstbewusst sagen, dass ich ein Elfmeterkiller bin.

Arif Et guckt den Torwart aus

Arif Et (Elfmeterschütze der IG Bönen): Ich war in meinen Vereinen stets Schütze Nummer eins, hab immer schon die Elfmeter geschossen. Ich guck den Torwart aus. An seiner Haltung und vor allem Beinstellung kann man oft erkennen, in welche Ecke er fliegt. Ich wähle die andere, versuche möglichst platziert zu schießen. Ich ziehe beim Anlauf durch, dieses Abstocken zeigt Unsicherheit, zumindest in unseren Spielklassen. Da kommt dann oft was Halbgares raus. Es ist schwierig zu sagen, ob die Tricks unfair sind. Der Torwart ist in einer schlechteren Position, andererseits nutzt der Mensch immer seine Vorteile.

Patrick Heller hat eine favorisierte Ecke

Patrick Heller (Torwart SpVg Bönen, Kreisliga A): Der Typ für nette Worte an den Schützen bin ich nicht. Manchmal mache ich einen Schritt in die Ecke, in die ich nicht springen werde, um den Schützen zu täuschen. Ansonsten habe ich eine favorisierte Ecke. Ich muss mir ja eine aussuchen, um überhaupt eine Chance zu haben. Es ist für einen Torwart irre schwer, vor allem da er sich ja überhaupt nicht mehr bewegen darf. Im Pokalspiel gegen Kamen hat mich der Schiri tatsächlich ermahnt wegen einer minimalen Bewegung. Er hat gesagt, dass er hätte wiederholen lassen, wenn der Ball nicht ins Tor gegangen wäre. Für untere Ligen ist diese Regel schon hart, wo sich die Bundesliga doch kaum daran hält. Noch vor zwei Jahren hätten meine Mitspieler gesagt, der hält ja keinen. Seitdem kann ich sagen, ich halte jeden zweiten, aber es waren ja nicht so viele.

Berat Özgüc verrät seine Tricks nicht

Berat Özgüc (Elfmeterschütze der SpVg): Ich war in der Jugend bei der SpVg schon Elfmeterschütze, in Mühlhausen dann nur ab und zu, kein fester. Tricks gibt es schon, die verrate ich aber nicht. Ich gucke auf den Ball, entscheide mich während des Anlaufs für eine Ecke. Ich variiere die Anlaufgeschwindigkeit und ob ich flach oder hoch schieße. Ich glaube, meine Quote ist gut – alle drin, bis auf einen beim Saisonstart gegen Wiescherhöfen. Tricks finde ich in Ordnung, auch wenn der Torwart dann noch weniger Chancen als normal schon hat, wenn er zeigt, in welche Ecke er sich bewegt.

Max Kleibohm hat schon Punkte gerettet

Max Kleibohm (Torwart VfK Nordbögge, Kreisliga B): Meine Quote weiß ich nicht, aber ein, zwei Punkte habe ich uns wohl schon gerettet. Ich achte darauf, was der starke Fuß des Schützen ist. Psychotricks? Meistens springe ich hoch, schlage gegen die Querlatte, um zu zeigen, dass ich da bin. Natürlich ist es für uns schwieriger, einen zu halten, wenn der Schütze abstoppt, aber die wollen eben das Tor machen. Ich finde, der Schiri sollte darauf achten.

Sven Koslowski trickst nicht

Sven Koslowski (Elfmeterschütze des VfK): Seit ich in Nordbögge bin, schieße ich die Elfmeter. Kein Ding. Wenn ich mir sicher bin, gehe ich zum Punkt. Ich weiß, dass ich zwei verschossen habe, sonst ist die Quote gut. Tricksen tue ich nicht. Ich leg den Ball hin, warte bis der Schiri pfeift. Die Ecke überlege ich spontan, meistens rechts unten. Zum Torwart nehme ich selten Blickkontakt auf, vielleicht würde mich das nervös machen. Manche zappeln herum. Ich finde es nicht unsportlich.

Alexander Schubert wählt vorab eine Ecke aus

Alexander Schubert (Torwart TVG Flierich-Lenningsen, Kreisliga B): Ich gehe die Sache intuitiv an, wähle im voraus eine Ecke aus, in die ich springe. Bei uns in der Liga schießt ja kaum jemand mittig. Ich habe festgestellt, dass die Spieler häufig in die Ecke gucken, in die sie dann nicht schießen. Ich weiß nicht, ob sie mich damit täuschen wollen, vielleicht machen sie es nicht bewusst. Dieses Abstoppen sollte unterbunden werden. Dann stehen die Chancen 50:50. Früher wurde mir nachgesagt, ein Elfmeterkiller zu sein. Bei acht von zehn Elfern habe ich auch die richtige Ecke, gehalten habe ich davon zwei, drei. Ich bewege mich auch eher spät.

Florian von Glahn achtet nicht auf den Torwart

Florian von Glahn (Elfmeterschütze TVG): Ich achte nicht auf den Torwart, damit der mich nicht beeinflusst. Ich suche mir vorher eine Ecke aus, gucke nur auf den Ball. Ich schieße eher platziert als hart, am liebsten flach. Es gibt ja den Spruch: Man kann nicht unter dem Tor verschießen. Viele Elfer waren es ja nicht, aber ich würde sagen, meine Quote ist bei 100 Prozent. Um eine Wiederholung bin ich bisher herumgekommen, da würde auch die Nervosität steigen. Extremes Verzögern finde ich unsportlich, der Torwart darf sich ja erst bewegen, wenn der Ball berührt worden ist. Ich finde, der Schütze sollte in einer flüssigen Bewegung bleiben.

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