WM der Paraleichtathleten

Der Countdown zur WM läuft

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Aus dem herbstlichen Herderstadion in Unna in die warmen Emirate. Dennis Schmitz holt sich in Schardscha den letzten Feinschliff für die WM.

Bönen – Es sind aufregende Wochen für Denis Schmitz. Erst war der Rennrollstuhlfahrer des RGS Bönen in Tokio, dann in Lanzarote und am Freitag sitzt er bereits im Flieger in Richtung Arabische Emirate. In Dubai steigt die Weltmeisterschaft der Paraleichtathleten – und Schmitz hat sich für sein 100-m-Rennen viel vorgenommen.

Ein Jahr lang kämpfte der 27-Jährige um die Nominierung beziehungsweise versuchte er, die WM-Norm zu erfüllen. Die Zeit lag bei 19,14 Sekunden, eine hohe Hürde. Schmitz fuhr mit seinen Eltern Rüdiger und Andrea, die sich auch um das Training kümmern, durch Deutschland, nach Dubai und mehrmals in die Schweiz. Doch mehr als eine 19,44 sprang nicht heraus.

"Ich hätte fast alles zusammengeschrien"

„Wir haben das ganze Jahr darauf hingearbeitet und alles Mögliche unternommen, um das hinzukriegen, sind aber immer knapp vorbeigerauscht“, sagt Rüdiger Schmitz. Doch weil auch andere die Norm nicht erreichten, entschied sich der Deutsche Behindertensportverband (DBS) Ende September dem Bönener nachträglich das Ticket zu geben, weil ihm nur wenig zur Norm fehlte.

Die Nachricht erreichte Denis Schmitz beim Einkaufen. „Ich hätte fast alles zusammengeschrien“, erinnert er sich an den Moment: „Ich freue mich riesig, dass ich in diesem Jahr noch weiterfahren kann.“ Mutter Andrea hielt ihn im Laden zunächst zurück. Der großen Freude ließen beide erst im Auto freien Lauf. „Das Schöne ist, dass Denis sich das jetzt selbst verdient hat. Das war wichtig für uns“, sagt der Trainer. Bei den Paralympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro erhielt der Bönener eine Einladung, die WM in London 2017 verpasste er wegen der nicht erreichten Norm.

Eine Trainingswoche unter optimalen Bedingungen in Schardscha

Kaum zuhause, begannen die Planungen für die Weltmeisterschaft. Heute werden Vater und Sohn ins Emirat Schardscha fliegen, um sich dort zu akklimatisieren und die guten Trainingsbedingungen zu nutzen. „Die sind dort komplett ausgerüstet“, erklärt Rüdiger Schmitz, der als offizieller Betreuer auf Kosten des DBS mitreist. Jede Stadt habe da eine Anlage, die auf die Bedürfnisse der Behinderten zugeschnitten sei. Am 2. November geht es weiter ins Mannschaftshotel nach Dubai, wo ab dem 7. November die WM beginnt. Am 10. November folgt dann Schmitz’ großer Auftritt über 100 m – andere Rennen sind in seiner Schadensklasse T33 nicht ausgeschrieben.

In Stadion von Dubai schon einige Mal gefahren

„Die Atmosphäre kennt er schon“, hofft Rüdiger Schmitz, dass sein Schützling nicht zu nervös sein wird. Schon einige Male startete der Rennrollstuhlfahrer bei Wettkämpfen in dem kleinen Stadion, das über eine Tribüne verfügt, vor der die Sprints gestartet werden. 2000 Zuschauer wären für den Trainer eine schöne Kulisse. In Brasilien waren 30 000 Menschen vor Ort. Doch: „Rio könnte noch getoppt werden durch ein schönes Rennen und ein besseres Ergebnis“, sagt der Trainer. Damals wurde der RGS-Sportler in 21,22 Sekunden Sechster, kam dabei einmal aus dem Rhythmus.

Denis Schmitz hat große Euphorie im Reisegepäck: „Ich würde gerne unter die ersten Drei fahren“, spekuliert der 27-Jährige mit einer Medaille. Die Weltrangliste, die 13 Aktive umfasst, weist ihn als Sechsten aus. „Drei, die dort vor ihm stehen, kommen auch nach Dubai“, sagt Rüdiger Schmitz. Zwei Konkurrenten fahren in eigenen Dimensionen, sind nicht vom RGS-Athleten zu überholen. Die genaue Starterliste steht allerdings noch nicht fest.

Ein neuer "Superstuhl"

Was Denis Schmitz so optimistisch macht, ist sein neuer Rennrollstuhl. „Der Superstuhl kann mich weiterbringen. Der fährt so genial geradeaus. Da kann ich die Spur halten“, erklärt er. Das 7500 Euro teure Sportgerät ist frisch bei Familie Schmitz eingetroffen. Das DBS-Trainingslager Anfang Oktober auf Lanzarote sowie die kurze Stipvisite nach Tokio, wo die Bedingungen für Behinderte im Vorfeld der Paralympics 2020 getestet wurden, absolvierte der Bönener noch mit dem alten Stuhl. „Der zog immer nach innen“, erklärt Coach Schmitz. Nach über vier Jahren im Gebrauch inklusive zahlreicher Flüge und langer Fahrten war das Teil schlichtweg auf. Zudem ist das Einsteigen nun deutlich leichter. Deshalb wird Denis Schmitz auch ohne viele Trainingseinheiten in Dubai mit dem neuen Stuhl starten. „Ich hatte den Eindruck, dass er schneller ist. Er muss nicht mehr kämpfen, um in der Bahn zu bleiben“, sagt Rüdiger Schmitz.

Die 1500 m sind eigentlich die Lieblingsstrecke

Gerne würde der RGS-Sportler bei der WM auch über andere Strecken an den Start gehen. Am liebsten über 1500 m, wo er den deutschen und den Europarekordin seiner Schadensklasse hält. Doch die T33er dürfen in Dubai nur das 100-m-Rennen bestreiten. Rüdiger Schmitz glaub, dass die Mittelstrecke seinem Sohn besser liegen würde: „Auf den Sprint müssen wir ihn ein bisschen trimmen“, sagt er. Doch am 10. November zählt das Alles nicht, dann wird der Bönener alles raushauen, mit dem Ziel für eine Überraschung zu sorgen und eine Medaille zu gewinnen.

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