Fußball

Markovski träumt von einem Profi-Vertrag

Dario Markovski trainiert daheim in einem improvisierten Fitnessstudio.
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Dario Markovski trainiert daheim in einem improvisierten Fitnessstudio.

Dario Markovski, Fußball-Talent aus Lenningsen, träumt wie so viele Kicker von einer Karriere als Profi. In der Bundesliga spielt er schon - für die Jugend des SC Preußen Münster. Zudem erhielt er bereits eine Einladung zur U19-Auswahl seines Heimatlandes Mazedonien.

Bönen – Outdoortraining, Laufen oder Klimmzüge auf dem Spielplatz am Alten Bahnhof Lenningsen. Oder aber das Training unter Einsatz des eigenen Körpergewichts im improvisierten Fitnessstudio auf dem heimischen Dachboden. Dem Lenningser Fußballer Dario Markovski geht es wie vielen Sportlern im Lockdown. Die Motivation durch Wettkämpfe oder Mannschaftstraining fehlt einfach. Besonders ärgerlich für den 19-jährigen A-Jugend-Bundesligaspieler von Preußen Münster. Er war im Aufwind. Mit mazedonischen Wurzeln ausgestattet, wurde er in die U19-Nationalmannschaft des Heimatlandes von Vater Aco berufen.

„Die hatten mich auf dem Schirm, ich glaube, die gucken auch im Internet“, erzählt er. Inzwischen hat er mehrere Lehrgänge und Testspiele mit der Nationalmannschaft Mazedoniens hinter sich. „Eigentlich sollten wir jetzt im Februar auch ein EM-Qualifikationsturnier in Tschechien spielen“, erzählter. Natürlich abgesagt. Auf die Gruppengegner Dänemark, Albanien und die Gastgeber muss er warten. Den mazedonischen Pass, Voraussetzung für den Einsatz in der Zukunft, wird Markovski an diesem Wochenende beantragen.

Stammplatz keineswegs sicher

In der Elf des Balkanstaates läuft er als Rechtsverteidiger auf. In Münster spielt er im Mittelfeld „auf allen Positionen.“ Eigentlich ist er Stammspieler in der westfälischen Metropole. Aber auch wenn sein Heimatverein die Bedeutung des Einsatzes von Markovski in der Nationalmannschaft auf seiner Webpräsenz als förderlich für die sportliche Entwicklung befürwortet. Stammspieler Markovski hatte seinen Platz keineswegs sicher. „Mein Trainer, der jetzt gewechselt ist, sagte, ich hätte zu viele Trainingseinheiten gefehlt.“ Viermal in drei Monaten stand der Lenningser seinem Heimtrainer für je 14 Tage nicht zur Verfügung. „Ich hab da auch viel aus der Mannschaft nicht mitbekommen.“ Das war zum Jahreswechsel 2019/20, kurz vor dem Lockdown. Das Talent kommt aus der Familie: Der Vater spielte in Mazedonien in der Profiliga, wollte in Deutschland daran anknüpfen. Ein Kreuzbandriss verhinderte es. Er spielte für „kleines Geld“ in der Oberliga bei RW Unna. „Und hat nebenbei auf einem Bauernhof gearbeitet“, erzählt der Sohn. Aco Markovski ist heute im Vorstand des SuS Lünern, dem ersten Ausbildungsklub von Dario. „Nur die Pampersliga hat er beim TVG Flierich-Lenningsen gespielt“, erzählt Mutter Tanja.

Schon in der E-Jugend wechselte der Rechtsfuß nach Westfalia Rhynern, spielte dort sieben Jahre. Nicht regelmäßig, da er Wachstumsprobleme an der Patellasehne überstehen musste. „Zwei bis drei Jahre konnte ich gar nicht spielen“, sagte Markovski. Nach einem Intermezzo in der BII vom TSC Eintracht Dortmund (Bezirksliga) wechselte er in die U17 der Preußen. Seitdem spielt er in der Bundesliga.

Offensive Ausrichtung liegt ihm

Markovski spricht nur einige Brocken mazedonisch. „Wir unterhalten uns auf Englisch“, erklärt er. Die Mannschaft sei zusammengewürfelt aus einem Großteil einheimischer Spieler und solchen aus ganz Europa. „Ich wurde gut aufgenommen“, erzählt der Lenningser, „fühle mich wohl.“ Die offensive Ausrichtung des Teams liegt ihm. „Die stellen sich nicht hinten rein und gucken, was der Gegner macht. Sie versuchen, Tore zu machen.“ Markovski sieht sein Engagement in Mazedonien als Plattform, sich zu zeigen. „Da gucken auch Vertreter größerer Vereine hin, bei solchen Qualifikationsturnieren.“

Gerne würde Markovski Fußball-Porfi werden. Er ist aber realistisch. „Ich denke da an eine Ü23-Mannschaft von der Regionalliga bis zur zweiten Liga“, sagt er. Münsters Erste in der Regionalliga sei aktuell eher keine Option. „Ich würde gerne. Da hat aber erst einer von uns mittrainiert.“ Der Lenningser steht bei einem Vermittler auf dem Zettel. „Es gab tatsächlich schon eine Anfrage aus der ersten finnischen Liga“, erzählt er. „Sie haben mir alle Rahmenbedingungen wie Unterkunft, Gehalt usw. schon mitgeschickt.“ Der Schritt ist ihm aktuell zu weit. „Abgesagt habe ich dort noch nicht. Ich warte ab, vielleicht kommen noch Angebote aus Deutschland. Bis zum Sommer ist ja noch Zeit.“

Schalke der Wunschverein

Gerne würde Markovski für die U23 von Schalke spielen. „Das wäre eine coole Sache“, sagt der Bayern München-Sympathisant. Ansonsten hätte sein Vermittler auch eine Rundumfrage an die Nachwuchsmannschaften Union Berlin, Werder Bremen oder Borussia Mönchengladbach geschickt.

Ein zweites Standbein hat sich Markovski aufgebaut: Nach dem Fachabi macht der 19-Jährige eine Ausbildung zum Versicherungsfachmann, jobbt nebenbei im Außendienst für einen Telefonanbieter. „Ich kann mir die Zeit frei einteilen, das hilft. So kann ich mir das Training auch gut einteilen. Ich trainiere morgens alleine und bin abends im Mannschaftstraining in Münster.“

Nächste Woche solle der Trainingsbetrieb in Münster wieder starten, erfuhr Markovski aus der Whatsapp-Gruppe. Eigentlich eine gute Nachricht. Aber so ganz kann er das noch nicht glauben. Oder besser: Er kann sich ordentliches Training schwer vorstellen, da das nur zu zweit oder mit fünf Meter Abstand zueinander gehen wird. In Mazedonien sei Training hingegen schon erlaubt, ergänzt Tanja Markovski. „Er muss weiter alleine trainieren.“ Manchmal dreht Dario Markowski die Runden mit seinem Nachbarn Eduard Probst. „Er war früher mit mir in Münster, spielt jetzt bei Westfalia Rhynern, muss sich also auch fit halten.“

Das letzte Juniorenjahr sei sportlich schon ein verlorenes gewesen. „Man ist fit und kann dann doch nicht spielen. Viele wissen nicht, wohin es jetzt geht.“

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