Sport in Coronazeiten

Das halten Bönener Fuß- und Handballer vom Kontaktsportverbot im Kreis Unna

Kontaktsportarten wie Fußball sind im Kreis Unna momentan untersagt.
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Kontaktsportarten wie Fußball sind im Kreis Unna momentan untersagt.

Bönen – Die Verwaltung des Kreises Unna hat am Freitag den Trainings- und Spielbetrieb für Kontaktsportarten untersagt, nachdem der Inzidenzwert im Kreisgebiet auf über 50 angestiegen war. Die Allgemeinverfügung, die Landrat Michael Makiolla gezeichnet hat, trat am Sonntag in Kraft und gilt bis zum 25. Oktober. Der WA hat nachgefragt, was betroffene Sportler und Funktionäre davon halten.

Die in Sportvereinen durchgeführten positiven Testungen hätten gezeigt, dass Kontaktsportarten, wie zum Beispiel Fußball oder Handball, ein hohes Risikopotenzial aufweisen, heißt es in der Allgemeinverfügung des Kreises Unna dazu, warum der Trainings- und Spielbetrieb untersagt wurde. WA-Redakteur Boris Baur hat Sportler und Funktionäre der Handball- und Fußballklubs aus der Gemeinde nach ihrer persönlichen Meinung zu der Entscheidung gefragt. Hier die Aussagen der nicht repräsentativen Umfrage:

Sebastian Schlieper (Spieler und 2. Vorsitzender TVG Flierich-Lenningsen): Es freut uns jetzt nicht, dass wir nicht mehr Fußball spielen können, aber wir können mit der Entscheidung zu 100 Prozent leben. Ich fand es auch gut, dass der Fußballverband sich dem dann angeschlossen und alle Spiele abgesagt hat. Bei uns tragen das alle mit. Es gab eh schon intern Diskussionen, kann man es bringen, Fußball zu spielen, wenn der Kreis zum Risikogebiet erklärt wird. Wir hatten aber gesagt, wir warten ab, was der Kreis und der Verband machen. Die Basketballer setzen auch mit dem Training aus, allen anderen Gruppen stellen wir es frei.

Sebastian Schlieper, TVG Flierich-Lenningsen

Robin Wittenborn (Torwart VfK Nordbögge): Gerade wenn man es vermeiden kann, dass sich das Virus verbreitet, muss man das tun. Die Entscheidung ist schon nachvollziehbar. Und wenn es hilft, dass die Zahlen wieder runtergehen, hat man alles richtig gemacht. Mit der Hochzeitsgeschichte in Hamm war klar, dass irgendetwas kommt. Auch im Kreis gehen die Zahlen ja hoch. Ich stehe voll hinter der Entscheidung des Fußballkreises, auch wenn es jetzt ein ungünstiger Zeitpunkt gerade nach dem Saisonstart ist. Aber mein Gott, dann haben halt andere Dinge Vorrang.

Robin Wittenborn, VfK Nordbögge

Hüseyin Kücük (Sportlicher Leiter und Standby-Spieler IG Bönen): Hamm war komplett Risikogebiet, und es durfte gespielt werden, und jetzt im Kreis Unna nicht. Das ist total unterschiedlich, und das verstehe ich nicht. Von der Entscheidung bin ich total überrascht. Man darf mit 25 Leuten in einem Raum eine Party feiern und draußen nicht Fußballspielen. Das macht keinen Sinn. Ich glaube, die wissen selbst nicht, was Sinn macht und was nicht. Dass die Gesundheit vorgeht, ist aber klar. Ich glaube jedoch, dass Sportler und die Vereine vielleicht vorsichtiger als andere sind. Da halten sich alle hundertprozentig an die Regeln.

Hüseyin Kücük

Dennis Geckert (Spieler RSV Altenbögge): Ich persönlich finde, es ist die einzig richtige Entscheidung, weil die Gesundheitsämter sonst überfordert sind. Wenn beim Handball ein Spieler infiziert ist, dann müssen die ganze Mannschaft, die Gegner und die Schiedsrichter in Quarantäne. Und beim Fußball sind es noch mehr. Da kommen die Gesundheitsämter irgendwann nicht mehr hinterher.

Dennis Geckert, RSV Altenbögge

Niclas Arenz (Spieler und Sportlicher Leiter SpVg Bönen): Ich finde es absolut richtig. Der Verband hätte vielleicht schon vorher sagen sollen, wir spielen nur eine Hinrunde. Das Kartenhaus bricht jetzt peu à peu zusammen. Unna ist jetzt der erste Kreis, andere Kreise werden nachziehen. Wann sollen die ganzen Spiele nachgeholt werden? Wir arbeiten alle und haben Leute mit Nachtschicht. Aber bei mir rückt derzeit alles in den Hintergrund. Man fängt an, sich grundsätzlich Gedanken zu machen. Das ist mein Hobby, aber ich habe keinen Bock, davon so in meinem Privatleben eingeschränkt zu werden.
Eine Quarantäne ist beim ersten Mal noch in Ordnung, da sagt kein Arbeitgeber was, aber beim zweiten Mal sieht das anders aus. Da werden einige dann sagen, ich komme nicht mehr zum Fußball, und dann können Mannschaften vielleicht nicht mehr antreten. Bei mir ist ehrlich gesagt, alles total nebensächlich geworden, die Spiele und die Ergebnisse. Man macht das ja, weil es Spaß machen soll, aber es macht zurzeit keinen Spaß.

Niclas Arenz, SpVg Bönen

Karsten Schilling (1. Vorsitzender RSV Altenbögge): Das etwas passiert war klar, aber uns hat kein Mensch gefragt. Wir hatten einen Coronafall, aber das war Zufall, dass es ein Handballer war. Es kam von außerhalb, und es hat sich keiner angesteckt. Die Infektion ist weder im Zusammenhang mit dem Handball entstanden, noch wurde sie durch den Handball weiterverbreitet. Das ist ein Indiz, dass wir uns an die Regeln gehalten haben und unser Sicherheitskonzept funktioniert hat. Das ist in die Entscheidungsfindung überhaupt nicht eingeflossen.

Karsten Schilling. 1. Vorsitzender RSV Altenbögge

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