Corona-Krise

KSB-Geschäftsführer ist sicher: "Der Sport wird sich erholen"

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Matthias Hartmann ist davon überzeugt, dass die gut geführten Vereine die Corona-Krise auch überleben werden.

Auch für den Kreissportbund Unna hat sich durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus einiges verändert. Geschäftsführer Matthias Hartmann gibt einen Einblick in die derzeitige Arbeit.

Kreis Unna – Matthias Hartmann bedauert, dass auch der KSB viele Veranstaltungen absagen muss und erklärt, dass bei einer Verlegung die Schwierigkeit manchmal im Detail steckt. Hartmann sagt, dass bei den Fördermaßnahmen Fallstricke zu beachten sind, glaubt aber, dass der Amateursport und seine Vereine die Krise gut überstehen werden.

Wie wird beim Kreissportbund Unna im Haus Opherdicke zurzeit gearbeitet?

Wir sind maximal vier Leute, zwei arbeiten im Erdgeschoss, zwei im Untergeschoss. So kann man sich beim Mittagessen in den Sitzungssaal setzen und hält dort genügend Abstand. Der Rest macht Überstundenfrei oder Homeoffice. Deshalb sind wir derzeit etwas eingeschränkt telefonisch und per Mail erreichbar. Normalerweise sind elf Leute im Einsatz, davon fehlten allerdings schon vor dem Beginn der Corona-Krise drei, weil sie längere Zeit krank beziehungsweise im Erziehungsurlaub sind.

Der KSB hat den Publikumsverkehr auf seiner Geschäftsstelle eingestellt. Was ist sonst noch durch die von der Bundes- und Landesregierung vorgenommenen Einschränkungen betroffen?

Der Lehrgangsbereich ruht, bis Ende Mai fällt alles aus. Die Skilehrreise vor Ostern mussten wir absagen. Das tut weh. Dort wird richtig Unterricht gegeben und wir hatten mehr Anmeldungen als verfügbare Plätze. Die Teilnehmer erhalten ihre Anzahlung aber zurück. Bevor es mit den Reisesperren losgegangen ist, waren wir allerdings noch in Livigno in Italien. Auch die Radrundreisen sind betroffen. Wir haben sie vor drei Jahren ins Leben gerufen, um das mal zu testen. Jetzt waren sie zum ersten Mal ausgebucht. Die Reise ab dem 8. Mai nach Kreta haben wir schon abgesagt. Ende Mai sollte es nach Belgien gehen. Wir werden Anfang Mai darüber entscheiden, da die Anreise per Bus geplant ist, wird das wohl auch nicht funktionieren.

Und darüber hinaus?

Die Sportgala am 5. Juni müssen wir vermutlich ebenfalls absagen, dabei hätten wir das erste Mal einen kleinen Gewinn gemacht. Ich sehe nicht, wie wir Anfang Juni mit rund 300 Gästen feiern sollen. Auch unsere Mitgliederversammlung am 7. Mai wird nicht stattfinden. Rein digital können wir sie nicht abhalten, so weit sind wir noch nicht. Die Versammlung soll im Herbst oder Winter nachgeholt werden. In der übernächsten Woche werden wir allerdings eine Vorstandssitzung durchführen, weil wir ein paar Dinge besprechen müssen. Immer nur elektronisch ist schwierig. Dazu haben wir einen großen Saal gemietet, damit wir nicht ins Sitzungszimmer müssen.

Was passiert mit den abgesagten Lehrgängen und Qualifizierungsmaßnahmen?

Wir versuchen so viel wie möglich in die letzten vier Monate des Jahres zu verlegen. Das erweist sich jedoch als schwierig, weil unsere Referenten NRW-weit unterwegs sind. Die anderen sagen derzeit ja auch alles ab und suchen neue Termine. Ein Referent für das Kurz-und-Gut-Seminar hat zum Beispiel nur noch einen Termin im November frei. Wo wir allerdings schon weit mit sind, ist die Planung für nächstes Jahr. Da sind wir so früh wie noch nie dran. Das ist ein kleiner Vorteil.

Coronavirus im Kreis Unna: Hartmann spricht über die Folgen

Welche Folgen haben die Absagen beispielsweise für Übungsleiter, wenn Sie ihre Lizenzen nicht verlängern können?

Alle Lizenzen, die 2020 auslaufen würden, sind auf jeden Fall bis zum Ende 2021 verlängert worden. Wir nehmen so ein wenig den Druck raus. Man kann nicht alles in den letzten drei Monaten durchziehen, das würde zu viel werden. Und dann wollen die Leute vielleicht auch mal in den Urlaub fahren. Wir haben bisher immer gesagt, dass Übungsleiter für das Seminar nicht nur am Computer alles machen können, denn sie haben mit Menschen zu tun. Aber vielleicht kommen wir bald dahin, dass wir Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen digital machen müssen. Andere Kreise sind da schon weiter, die haben es jetzt natürlich gut.

Wie sieht Ihre Arbeit derzeit aus?

Ich habe richtig was zu tun. Dafür ist es ruhiger, da kann man besser konzentriert arbeiten. Wo die Vereine jetzt richtig Gas geben, ist das Thema „Moderne Sportstätten“. Da haben die Verantwortlichen jetzt Zeit. Sie sind zwar durch die Ämter behindert, aber das nimmt jetzt Fahrt auf. Viele Vereine rufen jetzt auch wegen der beschlossenen Fördermaßnahmen an und haben Fragen. Für die Antragsformulare muss man sich allerdings Zeit nehmen. Wenn ich als Verein Rücklagen habe, darf ich die zum Beispiel nicht beantragen. Da ist man ganz schnell im Bereich von Subventionsbetrug. Außerdem hat unsere Finanzbuchhaltung gekündigt, die Arbeit mache ich jetzt mit. Der Aufwand hält sich jedoch in Grenzen. Ich habe das aber jahrelang nicht gemacht und da muss man sich wieder reinarbeiten.

Wie sieht derzeit die Zusammenarbeit mit der Landesregierung und dem Landessportbund aus?

Die Zusammenarbeit ist gut. Wir werden regelmäßig von der Landesregierung mit Mails versorgt. Das läuft zurzeit ganz gut, und es ist auch intensiver. Jeden Tag kommt mehr. Jede der verschiedenen Maßnahmen hat ihre eigenen Anforderungen, die zu beachten sind. Da kommen Mails mit PDF-Anhängen, die viele Seiten haben. Das muss ich mir alles genau durchlesen. Und manchmal kommt eine Informationsmail dreimal, da muss man gucken, ob ich das jetzt schon gelesen habe oder es neu ist. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Wie läuft auf der anderen Seite die Zusammenarbeit mit den zehn Stadt- und Gemeindesportverbände im Kreis Unna?

Wir haben im Kreis Unna ja die einsame Konstellation in NRW, dass wir nicht direkt mit den Vereinen in Kontakt stehen, sondern über die SSV und GSV. Das gibt es sonst nur in Recklinghausen. Das hat bislang gut funktioniert. Wenn ich eine Rundmail an die zehn Stadt- und Gemeindesportverbände schicke, habe ich innerhalb eines Tages die Rückmeldung, dass die Vereine informiert sind. Mit Bönen ist die Zusammenarbeit gut, da hat sich der GSV unter Dirk Presch ziemlich gut entwickelt. Insgesamt ist der Kontakt derzeit mit allen intensiver.

Von der Landesregierung und dem Landessportbund sind Fördermaßnahmen auf den Weg gebracht worden.

Als die Fördermittel der Landesregierung gerade durch waren, haben wir gesagt, dass das gut ist. Es war aber vor allem für Unternehmen gedacht, wir waren uns allerdings einig, dass wir gucken müssen, dass wir auch die Vereine mitnehmen. Da ist dann viel Bewegung reingekommen. Wir haben Fragen von Vereinen per Mail erhalten und haben das von Anfang an weitergegeben. Als die ausgeweiteten Maßnahmen herauskamen, habe ich mich sofort mit einem Anwaltsbüro hingesetzt und besprochen. Man muss als Verein, wenn man Übungsleiter bezahlt oder Hauptamtliche beschäftigt, gewaltig aufpassen, dass man da nicht in den Subventionsbetrug kommt. Ich muss gucken, ob ich auf Rücklagen zurückgreifen kann. Erst, wenn ich keine habe, kann ich Hilfe beantragen. Vereine, die gespart haben, könnten deshalb jetzt leer ausgehen.

Wie beurteilen Sie die Maßnahmen?

Bei dem nun aufgelegten Programm muss ich erstmal abwarten. Ich glaube, das wird viele Vereine nicht betreffen. Ein Handball-Verein wird wohl nicht profitieren, ich denke da eher zum Beispiel an einen Reitverein, der Schulpferde hat. Der Unterricht ruht, aber die Pferde fressen ja trotzdem weiter und müssen betreut werden. Die Maßnahme hilft schon, aber es wird wohl nicht so hoch, wie es derzeit kolportiert wird. Und kein Mensch weiß, wie es im nächsten Jahr gemacht wird, wenn die Steuererklärungen eingereicht werden müssen. Wie genau dann hingeguckt wird.

Es ist viel die Rede davon, dass Vereine Pleite gehen könnten, weil Mitglieder ihren Beitrag zurückverlangen, da sie keine Leistungen bekommen, oder die Kursgebühren wegfallen. Haben sich Vorstände bei Ihnen mit ihren Sorgen gemeldet?

Das hat schon früh angefangen, das waren die ersten Anrufe. Da wurde zum Beispiel gefragt, wie sie damit umgehen sollen, wenn Mitglieder ihre Beiträge zurückhaben wollen. Aber zuerst kamen Anrufe nicht von Vereinen, sondern von Mitgliedern, die wissen wollten, wie sie ihr Geld zurückbekommen. Das war nur zwei Tage, nachdem der Sportbetrieb ausgesetzt wurde. Ich habe den Leuten dann gesagt, ein Verein sei eine Solidargemeinschaft, in der man für wenig Geld viel bekommt.

Glauben Sie denn persönlich, dass viele Vereine aus Kostengründen wegen der Corona-Krise in der Existenz bedroht sind?

Ich bin selber in zwei Vereinen Mitglied. Derzeit besteht aufgrund der Situation wenig Kontakt, aber ich vermute es eigentlich nicht so sehr. Vereine mit Kurssystem haben zwar Einbußen, aber ich glaube nicht, dass es eine langfristige Sache ist. Die Leute wissen ja auch um die aktuelle Situation, dass die Vereine gezwungen sind, alles abzusagen. Ich denke nicht, dass es viele Vereine treffen wird. Ein gut geführter Verein wird das überleben. Es sei denn, die Vereine waren vorher schon nicht gesund. Es wird nicht so Auswirkungen wie auf die Wirtschaft haben. Der Sport wird sich erholen. Die Profis nehme ich mal raus, da habe ich nichts mit zu tun. Der Breitensport wird vielleicht sogar gestärkt daraus hervorgehen, weil die Leute jetzt erfahren, wie sie das wertgeschätzt haben, ohne dass sie es vorher gemerkt haben, was die Sportvereine ihnen bieten.

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