Handball

Corona-Pandemie stellt Handball-Jugend in Westfalen vor große Probleme

Um den Start in der Oberliga kämpft die A-Jugend des RSV Altenbögge in einer Ausscheidungsrunde.
+
Um den Start in der Oberliga kämpft die A-Jugend des RSV Altenbögge in einer Ausscheidungsrunde.

Der Spielbetrieb im Handball der Saison 2019/20 endete bei den Junioren und Senioren im März. Normal stehen dann beim Nachwuchs ab Ostern die Sommerrunde und die Qualifikationen für überkreisliche Ligen an. Die Pandemie ließ das nicht zu.

Bönen - Trotz Corona plant der Handballverband Westfalen eine verkürzte Saison 2020/21 ab 1. November mit entsprechender Qualifikation, die am 20. und 27. September stattfinden wird. Ende August sollen sich die Teams auf Kreisebene dafür empfehlen. Markus Liesegang sprach über das Thema mit dem Vizepräsidenten Jugend des Handballverbandes Westfalen und Vorsitzenden des Jugendausschusses, dem Bielefelder Patrick Puls (45, HSG EGB Bielefeld).

Wieviele Jugendmannschaften gibt es eigentlich im Handballverband Westfalen?

Die zum Stichtag 1. Oktober 2020 zusammengetragenen Daten liegen mir noch nicht vor. Die Entwicklung von 2000 bis 2019 zeigt jedoch, dass wir nach einem Hoch im Jahr 2009 mit über 2800 Mannschaften jährlich Mannschaften verloren haben und in 2019 mit rund 1900 Mannschaften am Tiefpunkt angekommen sind. Daraus resultierte ja auch eine neue Spielklassenstruktur der Jugend, mit Verkleinerung der Staffeln, weil in einigen Altersklassen 25 bis 30 Prozent über Kreis gespielt haben. Die Kreise müssen auch noch eine ordentliche Saison auf der Kreisebene spielen können. Wir haben auch die Aufstiegsrunde 2019 analysiert und festgestellt, dass am Ende fast alle Mannschaften aufgestiegen sind. Bei der A-Jugend zum Beispiel hatten 48 Mannschaften teilgenommen, sieben haben zurückgezogen, 35 sind dann aufgestiegen, also sechs rausgeflogen. Das ist ein enorm hoher Aufwand. Deswegen die Verkleinerung auf je zehn Mannschaften für die beiden Verbandsligen und die Oberliga. Bei den B-Junioren wurde eine Verbandsliga ganz gestrichen, bei der weiblichen B-Jugend eine Vorrunden-Staffel. Diese Reform setzen wir nun aber aus. Wenn wir nach den Herbstferien mit der Saison starten, sind zum Beispiel in der männlichen A-Jugend pro Liga zwölf Teams am Start. Das ist dem Umstand geschuldet, dass wir nur eine Hinrunde plus Playoffs spielen werden, das geht in der Zeit bis zu den Osterferien auch mit dieser Anzahl. So kommen die Mannschaften auf mehr Spiele.

Warum dieser 1. November, eine Woche nach den Herbstferien?

Ich denke, die Mannschaften, ob in den Leistungsklassen A- und B-Jugend oder insbesondere auch die Jüngeren, brauchen ihre Zeit nach der langen Pause, wenn wir denn nach den Sommerferien wieder in die Hallen kommen. E-Jugendliche zum Beispiel kommen in die D-Jugend, haben neue Trainer, neue Mitspieler und neue Regeln und konnten bisher noch nicht trainieren.

Sie sagten gerade, dass Sie davon ausgehen, dass die Hallen nach den Sommerferien wieder aufmachen. Hier bei uns ist die Situation, dass einige Städte die Hallen öffnen, andere nicht. Ergibt sich da nicht eine Verzerrung in Bezug auf unterschiedlich lange Vorbereitung?

Zumindest hoffen wir auf eine Rückkehr zum echten Trainingsbetrieb. Aktuell sind die Unterschiede ein großes Problem. Wir haben landesweit einen Flickenteppich bei den kommunalen Regelungen. Theoretisch sind seit dem 11. Mai die Hallen auf, über das wann und wie entscheiden aber die Kommunen. Manche Vereine fühlen sich jetzt auch unter Druck gesetzt, wenn sie sich umgucken und sehen, bei anderen passiert schon wieder etwas. Andere wollen und dürfen noch nicht. Der Deutsche Handballbund appelliert inzwischen an die Kommunen, die Hallen in den Sommerferien zu öffnen, weil den Vereinen die Zeiten fehlen. Die waren am Anfang zwar vorsichtig, aber inzwischen sind wir ein paar Wochen weiter, die Grundschulen öffnen auch wieder. Da kann man nur sagen: Liebe Vereine, macht euch auch an der Basis stark und sucht die Gespräche mit den Kommunen. Wieder langsam in Tritt zu kommen, dauert. Aber wir müssen den Anfang machen, wenn wir nach den Sommerferien unter sicherlich immer noch notwendigen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen wieder richtig trainieren und spielen wollen. Die Verbände, Stadtsportbünde und der Landessportbund helfen, beraten. Eine Haftung bei Infektionen gibt es für Ehrenamtler nicht, wenn sie nicht grob fahrlässig handeln. Sie müssen nur auf die mit der Kommune vereinbarten Coronaregeln hinwirken, wie wir alle im Übrigen auch im Alltag.

Wie ist das bei den Qualirunden, ist der Verband oder der ausrichtende Verein verantwortlich für die Einhaltung der Hygieneregeln?

Der Verein und die Sportler selber.

Wie sieht es mit Zuschauern aus? Das Verbot von Großveranstaltungen gilt ja noch bis zum 31. August.

Mal langsam. Wettkämpfe mit bis zu 100 Zuschauern sind ja erlaubt. Es gibt eine klare Unterscheidung zwischen dem, was Wettkampf ist und Spaßveranstaltungen, wie Sportfest mit Bier- oder Würstchenbude – Riesenturniere mit unkontrolliertem Zugang. Qualifikation ist zwar Turnier, aber Wettkampf. Das muss der Verordnungsgeber noch einmal deutlicher klarstellen.

Aber die Zahl von 100 Zuschauern ist ja nicht hoch gegriffen.

Zunächst einmal sind heute die Hallen für Wettkämpfe noch nicht freigeben. Wenn dies geschieht und auch für 100 Zuschauer, muss der Verein dafür sorgen, dass maximal 100 Zuschauer reinkommen. Und wenn der Landesgesetzgeber sagt, es muss auch im Breitensport zunächst einmal mit Geisterspielen gehen. Dann ist das so. Dann findet die Quali ohne Zuschauer statt.

Die Quali für die Bundesliga-A-Jugend war ja früher parallel zur Oberligaqualifikation. Sie beginnt jetzt davor, schon ab 16. August. Warum?

Der DHB hat den 28. August für die männliche, den 11. September für weibliche A-Jugend als Termin für die Meldung vorgegeben. Auslosen und Bestimmen geht nicht, also muss ich vorher spielen. Die, die sich dann in der vorgezogenen Bundesligaquali durchsetzen, haben es auch entsprechend verdient. Die, die ausscheiden, werden aber zurück in den Kreis gehen, nicht automatisch in die Oberliga einsortiert.

Gab oder gibt es einen Alternativplan?

Natürlich haben wir im Jugendausschuss verschiedene Szenarien durchgespielt, bei denen die Kreise beteiligt waren. Ich hatte die Funktion des Moderators, bereite etwas vor. Die Entscheidung fiel per Mehrheitsbeschluss – in diesem Fall einstimmig. Um unseren Leistungsstandard zu halten, haben wir entschieden, die Qualifikation zu spielen. Es bringt ja nichts, wenn zum Beispiel ihren Kreis betreffend, das HLZ Ahlen oder der ASV Hamm auf Mannschaften treffen, die immer nur auf Kreisebene spielen. Der Jugendausschuss hat gesagt: Uns ist dieser Leistungsanspruch wichtig. Wir haben dann entschieden, wir spielen die Qualifikation im Verband, aber in maximal zwei Runden. Wir haben einen Modus gefunden, der in unseren Augen gerecht ist. Jeder hat seine Chance, bekommt aber keine drei Chancen. Das ist unser Plan A. Wir werden die Situation aber nach den Sommerferien neu bewerten, ob die Hallen überhaupt für Wettkämpfe auf sind, ob Mannschaften trainieren konnten. Der Plan B wäre, keine Quali zu spielen. Alles nach hinten zu verschieben, also Quali und Saison, bringt nichts. Die Spielstruktur muss dann angepasst werden.

Wieviel Zeit hat die Planung in dieser besonderen Situation eigentlich in Anspruch genommen?

Die ganze Situation ist ja für alle belastend. Die Frage: Was machen wir jetzt? Die investierte Zeit ist das eine – die gedankliche Belastung eine andere. Wir schaffen mit unserem Plan A jetzt erst einmal eine Orientierung, wir warten jetzt nicht weiter. Es ist auch eine Positivbotschaft. Wir wollten nicht schwarz malen. Einen Erwachsenen trifft ein Saisonausfall nicht so sehr, auch wenn wir alle sagen, Handball ist unser Leben. Aber einem Jugendlichen kann man die Zeit nicht zurückgeben. Das Jahr ist verloren und es besteht die Gefahr, dass man sie verliert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare