USA-Traum

Bönener Valentin Kurz nutzt Fußball als Karrieresprungbrett

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Der Bönener Valentin Kurz tritt für den TSV Havelse in der U19-Bundesliga an.

Der 18-jährige Bönener Valentin Kurz verfolgt momentan zwei Träume. Das Fußballtalent heuerte mit dem Ziel sich für ein Sportstipendium in den USA zu empfehlen beim U19-Bundesligisten Havelse an. Dort erkannte er, dass auch eine Profikarriere möglich wäre. 

Es ist 16 Uhr in Hannover. Zeit für einen Mittagsschlaf oder wie Valentin Kurz sagt, einen „Nap“. Der 18-Jährige zieht die Tür seines WG-Zimmers hinter sich zu und gönnt sich ein 20-minütiges Nickerchen, bevor er zum Fußballtraining muss.

Es sind diese 20 Minuten Ruhe, die Kurz an einem durchschnittlichen Wochentag bleiben. Der Bönener, der in diesem Jahr sein Abitur am Marie-Curie-Gymnasium gemacht hat, spielt seit Juli für den TSV Havelse in Hannover in der U19-Bundesliga Nord/Nordost. Zusätzlich macht er ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Privatschule. Viel Freizeit bleibt da kaum – doch für sein großes Ziel nimmt Kurz diese Mühen auf sich. Er will ein Fußballstipendium in den USA bekommen.  

Die Idee, später einmal mithilfe eines Fußballstipendiums in den USA zu studieren, reifte bei Kurz schon früh. „Ich habe damals in der U15 beim SC Münster 08 gespielt und erfahren, dass der Bruder meines damaligen Trainers das gemacht hat“, erinnert er sich. Der Plan blieb im Hinterkopf, wurde im Frühjahr dieses Jahres konkret. Der 18-Jährige stand kurz vor dem Abitur und spielte in der U19-Westfalenliga für den Hombrucher SV.

„Ich bin zu dem Schluss gekommen, wenn ich das Stipendium in den USA bekommen will, dann sollte ich noch mal auf höchstem Niveau spielen“, erzählt der Bönener. Nach problemlos bestandenem Abitur machte Kurz sich auf die Suche nach einem U19-Bundesligaklub. Preußen Münster aus der West-Staffel fragte unter anderem an. Die Wahl des Böneners fiel allerdings auf einen Verein außerhalb der westfälischen Heimat, den TSV Havelse. Der Stadtteilklub von Hannover war in die U19-Bundesliga Nord aufgestiegen.

Brüder-WG lockte nach Hannover 

„Ich hatte in Havelse direkt das Gefühl, dass der Trainer mich als Spielertyp gut fand. Das war bei Preußen nicht so der Fall, da hat der Trainer eher einen Abräumer-Sechser gesucht“, erklärt Kurz, der sich selbst als Spielgestalter im Zentrum sieht. Dass er dafür nach Hannover ziehen musste, war für ihn keine große Hürde – vor allem, da es kein Schritt in die völlige Fremde war. Sein älterer Bruder Tobias (21) lebt und studiert in der niedersächsischen Landeshauptstadt, gemeinsam gründeten beide eine WG.

„Es war ein wichtiger Punkt, dass Tobi schon in Hannover war. Ich war schon vorher ein paarmal zu Besuch und habe gemerkt, dass ich mit allen aus seinem Freundeskreis gut klarkomme. So konnte ich mich viel schneller einleben“, sagte der jüngere Kurz. Dass ihm Havelses Teammanager Matthias Limbach ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Dr. Buhmann-Schule vermittelte, beschleunigte die Entscheidung. Der Alltag ist stressig: Zwischen dem FSJ-Job – Unterstützung der Lehrer sowie Hausmeistertätigkeiten an der Privatschule mit Sport-Schwerpunkt im Stadtzentrum von Hannover – und dem Training bleiben ihm meist nur zwei Stunden, in denen auch noch der Haushalt geschmissen werden muss.

„Nach den ersten drei Wochen habe ich gemerkt: Du hast jetzt in 21 Tagen 17-mal Nudeln gegessen“, meint er lachend. Dass die helfenden Hände der Eltern fehlen, hat er schnell bemerkt: „Bei einigen Dingen sieht man erst, wenn man alleine wohnt: Krass, das wurde alles für mich gemacht.“ Dass er sich bisher dennoch wohlfühlt in Hannover, hängt auch damit zusammen, dass es in der neuen sportlichen Heimat läuft. In neun von zehn Pflichtspielen stand Kurz im offensiven Mittelfeld für Havelse auf dem Platz, nur gegen RB Leipzig (0:4) fehlte er krankheitsbedingt.

„Ich glaube, positiv ist für mich, dass ich bis jetzt ziemlich viel Spielzeit gesammelt habe, da kann ich auf keinen Fall meckern. Auch mit Mannschaft und Trainer komme ich super klar“, zieht er ein Zwischenfazit. Zwar steht der TSV mit nur drei Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz und kassierte zuletzt unter anderem gegen den VfL Wolfsburg (0:8) und Werder Bremen (1:6) Klatschen. Das war aber zu erwarten. „Klar hätte ich mir ein paar Punkte mehr erhofft. Wir galten aber von vornherein als Absteiger Nummer eins“, sagt der Fußballer.

USA-Pläne nehmen Formen an

Parallel zum Existenzkampf mit dem TSV Havelse wird die Zukunft in den Staaten immer konkreter. Kurz arbeitet mit der Agentur Vista Athletics zusammen, die Nachwuchskicker an amerikanische Colleges vermittelt. Neun Trainer haben ihn bereits kontaktiert, mit zweien hatte er schon ein Skype-Gespräch. „Ich hatte bei beiden ein gutes Gefühl“, berichtet der Bönener. Auf welches Studium seine Wahl fallen würde, ist noch unklar. „Medizin oder Psychologie sind meine Favoriten. Aber es würde mich auch interessieren, etwas Richtung Sport- oder Ernährungswissenschaften zu machen“, so Kurz.

Die Voraussetzungen sind gut: Dank des guten Abis sowie guter Ergebnisse in den Englischtests namens SAT und TOEFL darf er nicht nur auf ein Stipendium, sondern auch auf höheres akademisches Niveau hoffen. Der Weg in die USA wird konkreter, ein Verbleib in Havelse über die Saison hinaus ist dennoch nicht ausgeschlossen. Der TSV ist dafür bekannt, U19-Talenten den Übergang in die Herren-Regionalligamannschaft zu ermöglichen. Ein solches Angebot könnte Kurz ins Grübeln bringen: „Es wäre auf jeden Fall eine sehr schwierige Entscheidung. Es käme aber darauf an, was der Trainer mir für eine Perspektive bieten würde.“

Der wahrscheinlichste Fall wäre ein Kaderplatz als Aufbauspieler ohne kurzfristige Chance auf Einsätze – was ihn nicht reizen würde. Ist der Traum vom Fußballprofi noch ein Thema? „Ich glaube, dass es möglich ist. Fußballprofi heißt ja nicht gleich, dass du erste Liga spielen musst oder Millionen verdienst. Ich glaube, dass ich – wenn ich eine gute Entwicklung nehme – den Sprung in die dritte, vielleicht sogar zweite Liga schaffen kann“, hat Valentin Kurz diesen Traum noch nicht aufgegeben, weiß aber: „Es ist ein weiter und schwieriger Weg.“

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