Uwe Manz erfüllt sich Olympia-Traum zum zweiten Mal

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Mit guten Leistungen bei der Weltmeisterschaft in Las Vegas sicherte sich Uwe Manz sein Olympia-Ticket.

Bönen - Die Olympischen Spiele übertreffen alles in der Sportwelt. Das sagt Uwe Manz, und der muss es wissen. Denn der Bönener war schon in London als Aktiver mit dabei. Und wenn vom 5. bis 21. August das Feuer über Rio de Janeiro weht, ist er wieder als Kampfrichter auf der Ringermatte dabei. Damit erfüllt sich für ihn ein Traum – bereits zu zweiten Mal.

Manz gehört in Brasilien zur rund 50 Unparteiische umfassenden Delegation des Welt-Ringerverbandes (FILA). „Ich hatte nach Olympia 2012 dass Glück, dabeibleiben zu dürfen“, sagt der 51-Jährige. Im vergangenen Jahr wurde der Kreis der Auserwählten dann schrittweise reduziert. Besonders die Europa Games in Baku und die WM in Las Vegas, bei denen der Bönener natürlich vor Ort war, galten als Gradmesser. Manz überzeugte das Auswahlgremium und darf nun nach Rio de Janeiro. „Für mich ist das eine Bestätigung. Es ist immer ein langer Weg, man muss immer dabeibleiben“, sagt der Hauptkommissar bei der Polizei in Kamen. Ihn begleitet in diesem Jahr der Neusser Michael Faller, für den es die ersten Olympischen Spiele sind. Beide arbeiten oft und gerne zusammen.

Ein kleines bisschen müssen beide noch zittern, denn wer bei den Wettkämpfen vorher einen Riesenbock schießt, gefährdet seine Olympia-Teilnahme. „Wenn du so etwas wie im Fußball zwei unberechtigte Elfmeter gibst, dann könntest du hinten rüberfallen. Aber da gibt es andere Wackelkandidaten. Ich sehe uns da sicher“, sagt Manz, der sich schon riesig auf das Abenteuer freut. „Olympia, das war immer mein Traum. Das ist das Highlight. Das gibt es nur alle vier Jahre. Du kannst das mit nichts ausgleichen“, so der Bönener der seit 35 Jahren Kampfrichter ist. Seit 1992 leitet er Kämpfe auf hohem Niveau, seit 2004 auf internationaler Stufe.

„Der Hype war überall spürbar“

Die Olympischen Spiele seien mit nichts zu vergleichen. „Der Hype, der gemacht wird, der war so spürbar in London, an jeder Ecke und Kante. Man hat sich immer in einer anderen Welt gefühlt. Total irre. Alle haben gute Laune“, erinnert sich Manz mit strahlenden Augen zurück. Jetzt freut er sich auf das Ganze mit dem Hintergrund einer anderen Kultur. Außerdem war der 51-Jährige noch nie in Brasilien. Für Rio hat er sich vorgenommen, die Jesus-Statue anzuschauen („Da will ich mal drauf.“) und an die Copacabana zu gehen. Karten hat er sich fürs Synchronschwimmen und fürs Golf schon bestellt. „In der Hoffnung, dass ich dann schon da bin“, denn noch steht kein Zeitplan fest, noch nicht einmal der Anreisetag.

In London hatte er jeden Vormittag frei, fuhr unter anderem nach Wimbledon raus und sah sich das Hockey-Spiel zwischen den Frauen von Südkorea und Japan an. „Es gibt sicherlich bessere Sachen“, sagt der Bönener, aber den Flair an einem Wettkampfort als Zuschauer wahrzunehmen, sei es Wert gewesen.

Als Nachteil empfindet es Manz, dass er nicht zur Nationalmannschaft gehört, sondern zur technischen Delegation. So wird der Schiedsrichter nicht bei der Eröffnungsfeier mit einlaufen und auch nicht den offiziellen Anzug des deutschen Teams tragen. „Früher war das anders. Aber man möchte eine Trennung haben.“

Dass er überhaupt an einem solchen Ereignis teilnehmen kann, verdankt Manz auch seiner Dienststelle. „Die Polizei unterstützt das. Ich bekomme Sonderurlaub für größere Veranstaltungen. Sonst wäre das nicht möglich.“ Zudem gilt sein Dank den Kollegen, die für ihn einspringen.

Weltreisender ohne etwas zu investieren

Wie aufwendig die Arbeit als internationaler Kampfrichter ist, verrät ein Blick in den Terminplan des Familienvaters für das Jahr 2015: fünf Tage Teheran, vier Tage Österreich, zehn Tage Baku, sechs Tage Sotschi, sechs Tage Krasnojarsk, zehn Tage Las Vegas und sechs Tage Schiras – und da fehlen noch die Bundesliga-Kämpfe sowie verschiedene deutsche und Landesmeisterschaften. Für 2016 sieht es ähnlich aus. Seinen Geburtstag im April feiert er im kroatischen Porec. „Ich hoffe, meine Frau kann mitkommen.“

Auf der Ringermatte erobert der Bönener so den Erdball. „Meine Freunde sagen, du bist ein Weltreisender geworden, ohne dafür etwas zu investieren, nur Zeit.“ Da Ringen zudem in aus deutscher Sicht eher exotischen Ländern populär ist, kommt er auch in entlegene Ecken. Wer reist schon nach Algerien, Usbekistan oder den Iran? „Ich würde da nie Urlaub machen, Aber ich versuche mir immer Zeit zu nehmen, damit ich ein bisschen was mitnehmen und durch die Stadt tigern kann.“ So kommt es zu irreal anmutenden Situationen, wie zum Beispiel dass Manz als Gast eines Israelis am Barbecue der deutschen Botschaft in Taschkent teilnahm.

Was er von seinen Reisen mitnimmt? „Du merkst schon die unterschiedlichen Kulturen“, sagt Manz, am meisten beeindruckt hat ihn aber die Herzlichkeit: „Die Freundlichkeit in den Ländern, da müsste sich Deutschland manchmal eine Scheibe von abschneiden.“ Als Polizist öffnen ihm sich außerdem noch andere Türen.

Dabei vergisst der Bönener seine Wurzeln bei der TuS Bönen nicht, pfeift auch bei Bezirks- oder Jugend-Landesmeisterschaften in Bönen und der Umgebung. „Die freuen sich einen Ast ab, wenn du trotz deines schmalen Zeitfensters kommst. Das ist für mich eine Anerkennung der Vereine. die in der Region unseren Sport hochhalten“, sagt Manz, der auch Kassierer der TuS ist.

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