Annika und Stina Kissing starten bei den deutschen U 16-Meisterschaften

Hoffen auf ein gutes Abschneiden bei der DM: Stina und Annika Kissing (vorne links) sowie das Kamener Trainerteam um Bärbel Westermann, Thomas Wilking und Holger July. -  Foto: Baur

BÖNEN - Um 16 Uhr wird es am Samstag ernst. Dann steht Stina Kissing am Start für die 800 Meter bei den deutschen U 16-Meisterschaften. Nur 50 Minuten später ist ihre Zwillingsschwester Annika über 300 Meter an der Reihe. Und während bei Stina die DM-Teilnahme von langer Hand geplant war, ist Annika etwas überraschend beim Saisonhöhepunkt dabei.

„Es war Zufall, dass ich mich qualifiziert habe“, sagt Annika Kissing selbst. Denn neben den 300 Metern musste sie für die Teilnahme an der DM in der jüngst möglichen Altersklasse noch in einer anderen Disziplin eine sogenannte B-Norm erfüllen. Annika Kissing schaffte es gleich im ersten Anlauf über die 800 Meter, obwohl die ihr eigentlich zu lang sind.

Stina Kissing hingegen fühlt sich über diese lange Distanz pudelwohl. „Man muss nicht nur auf die eigene Bahn achten“, gefällt ihr das Taktieren mit der Konkurrenz. Eine ihre Stärken kommt dabei erst am Schluss zum Tragen. „Sie ist sprintstärker als ihre Kontrahentinnen“, erklärt Trainer Holger July.

Nach ihren beiden Westfalenmeistertitel im Vorjahr stand für Stina Kissing die Frage im Raum, wie es mit ihrem Talent weitergeht. Im Oktober 2014 wurde dann der Trainingsplan ausgearbeitet, um einen der beiden Startplätze pro Verband und Disziplin für die DM zu erringen. „Wir haben mit Stina vor eineinhalb Jahren angefangen, auf die DM hinzuarbeiten“, sagt Thomas Wilking, der das Duo gemeinsam mit July und Bärbel Westermann beim VfL Kamen betreut.

Das Programm sieht für Stina Kissing viermal die Woche Kraft-, Sprint- und Ausdauereinheiten vor. Dazu läuft sie am Wochenende rund sieben Kilometer mit Tempoverschärfungen rund um Nordbögge. Ihre Leichtathletik-Laufbahn begannen die beiden Bönenerinnen übrigens bei den Lauffreunden, ehe sie vor fünf Jahren wegen ihrer älteren Schwester Marie ins Jahnstadion wechselten.

Bei Annika Kissing sieht die Trainingswoche moderater aus. Nur zweimal in der Woche arbeitet sie mit Westermann. Ihre Prioritäten liegen schließlich ein wenig anders als bei ihrer Schwester. Sie ist auch erfolgreiche Vierkämpferin, trat in dieser Kombination aus Laufen, Schwimmen sowie Dressur- und Springreiten schon erfolgreich bei Westfalenmeisterschaften an – und dafür muss sie ebenfalls regelmäßig trainieren.

Stina Kissing geht mit der zweitbesten Meldezeit von 2:15,93 Minuten in die Vorläufe. Nur Alina Schönherr vom LSV Schmölln war in 2:12,93 schneller. Dementsprechend hoch ist das Ziel: „Ich will aufs Treppchen“ sagt die Bönenerin, die sich vorstellen kann, später beruflich etwas mit Sport zu machen. Eine leichte Erkältung hemmte jedoch die letzten Trainingstage. „Wir gehen davon aus, dass alles wieder gut ist“, gibt Wilking Entwarnung. Annika Kissing möchte gerne in den Endlauf der besten Acht einziehen. Sie ist als 17.-Schnellste von 21 Starterinnen gelistet. Sollte alles wie erhofft klappen, würde Annika am Sonntag um 13 Uhr wieder auf die Bahn gehen – dann eine halbe Stunde vor ihrer Schwester.

Von einem normalen Sportfest in der Umgebung unterscheidet sich die DM übrigens gewaltig. „Das ist eine ganz andere Atmosphäre“, sagt Wilking. Wie bei internationalen Wettkämpfen gibt es einen sogenannten Callroom, in denen sich die Athleten nach dem Aufwärmen aufhalten. Helfer tragen die Klamotten in den Innenraum des Net-Cologne-Stadions in Köln-Müngersdorf, dahinter marschieren die Sportler im Gänsemarsch ein. Außerdem wird die Tribüne des kleinen Schmuckkästchens, das 2006 für die Sporthochschule gebaut wurde ziemlich voll sein. „Ich bin schon sehr aufgeregt, alles ist viel anspruchsvoller“, sagt Annika Kissing: „Aber wir freuen uns auf die Atmosphäre.“

Damit sich die Nachwuchstalente aus NRW auf die Verhältnisse einstellen konnten, wurden vor drei Wochen extra in der Duisburger Sportschule Wedau bei einem Kurztrainingslager die Abläufe geübt. Doch das Kamener Trainerteam ist sich sicher, dass die Kissing-Schwestern, die bald die zehnte Klasse des Marie-Curie-Gymnasiums besuchen, sich nicht von der Kulisse beeindrucken lassen. Im Gegenteil: „Sie haben die Wettkampfeinstellung, zum richtigen Zeitpunkt konzentriert zu sein“, sagt Westermann.

Wie schon angedeutet ist das Reiten das zweite große Hobby der beiden Teenager. Drei Pferde stehen auf dem Hof der Oma in Nordbögge. „Reiten macht viel Spaß, weil man etwas mit einem Tier zusammen macht“, sagt Annika Kissing. Und um Little Big Men, Abendwind und Felina kümmern sich beide beinahe täglich und nehmen auch an Wettkämpfen teil. So saßen beide noch am letzten Juli-Wochenende beim Turnier ihres Heimatvereins RuF Nordbögge-Lerche wieder im Sattel. Aber jetzt zählt erst einmal die DM.

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