Motorsport

Bönener Kart-Talent Daven Harder hofft auf die perfekte Runde

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Der Bönener Kartfahrer Daven Harder ist von der Junior- in die Seniorklasse gewechselt.

2020 hätte ein weiterer Schritt den Berg herauf werden sollen für das Bönener Kart-Talent Daven Harder.

Bönen - Der 15-jährige Schüler der Humboldt-Realschule ist im dritten Jahr Rundstrecke erwachsen geworden, wechselte von der Junior- in die Senior-X30-Klasse. Sein neues Kart mit dem Chassis des französischen Herstellers Sodi hat 30 PS. Der Einstieg in die Seniorenklasse bedeutet aber für den Youngster, dass er gegen weit erfahrenere Piloten antritt.

Das erste Jahr im Rundstreckenfahren war für den Bönener ein Jahr, um Erfahrungen zu sammeln. Daven Harder fuhr gut, wurde Dritter im Westdeutschen ADAC Kart Cup (WAKC). „Sein bestes Rennen hat er in Oppenrod gezeigt, war vom ersten Training über das Warm-Up und in beiden Läufen durchgehend Zweiter“, erzählt Vater Valentin Harder nicht ohne Stolz. Er ist immer als Schrauber dabei, verantwortlich für das reibungslose Funktionieren der Technik. Mit dem schnellsten Trainingslauf in Liedolsheim holte sich Daven Harder die Poleposition und eine Erwähnung im Kart-Magazin.

„Daven hat es sogar schon in einen Katalog geschafft“, meint Mutter Olga Harder mit einem Schmunzeln. Eine Startszene der Saison 2019 nutzte ein Bochumer Zubehörhändler zur Illustration eines Helmangebots. Außerdem ziert der Schüler die neuen Rollups seines Heimatvereins AMC Hamm. „Die werben mit ihm Nachwuchs auf Veranstaltungen“, erklärt die Mutter. Im Automobil- und Motorsportclub begann Harder seine Karriere mit dem Kart-Slalom. Und dort ist er inzwischen neuer Clubmeister, erhielt den Wanderpokal für den erfolgreichsten Fahrer. „Das waren aber die Punkte aus 2019, für die Clubmeisterschaft zählen nur Rennen in Deutschland“, befürchtet Olga Harder den Verlust des Wanderpokals in diesem Jahr.

Daven Harder hat den Mittelpunkt seiner sportlichen Ambitionen nämlich ins benachbarte Ausland verlegt. Die Infrastruktur bei den Rennen in Belgien, Holland und Frankreich sei besser. Außerdem kann sich Harder mit internationalen Spitzenfahrern seiner Rennklasse. Die Zahl der Startplätze ist mit 92 mehr als doppelt so hoch wie hierzulande. „In Coronazeiten haben die aber auf 72 reduziert“, sagt Olga Harder. Im Frühjahr fuhr Daven Harder erstmals in X30 Senior. Er wurde im belgischen Marienbourg 42. von 72 Startern. Ein gutes Ergebnis, urteilte die Familie.

Vor allem nach der Coronapause sei es nicht einfach, einen Platz zu bekommen. „Am Wochenende hatten wir eigentlich ein Rennen im belgischen Genk eingeplant“, erzählt Olga Harder, „die Liste war sofort voll. Viele der Teamchefs reservieren für ihre Fahrer weit im voraus.“ Die Alternative ist Training in Hagen. „Dort wurde der Asphalt aber saniert, da kann man jetzt besser fahren.“

Übungseinheiten bestimmen dieses Jahr. Aufgrund der Pandemie wurden auch die Rennen abgesagt. „Im März waren wir schon beim Training in Marienbourg, um Mitternacht fiel dann die Entscheidung, dass das Rennen nicht mehr stattfindet – Lockdown“, erklärt Olga Harder. Danach hieß es für den Filius erst einmal am Körper zu arbeiteten. „Zuhause war ja alles zu, Fitnessstudios und Schwimmbäder“, sagt Daven Harder, „das war hart.“ Ab Mai öffneten die Rundstrecken zu seinem Glück wieder. „Andere Fahrer haben einen Personal Trainer, da haben wir auch schon drüber nachgedacht. Ist aber momentan nicht zu stemmen“, sagt Olga Harder.

Wie gesagt, einem Rennteam gehört der junge Bönener nicht an. Einladungen zu Testtagen kamen zwar mehrfach. Aber zum einen möchte Daven Harder weiter auf Sodi fahren. „Das Chassis ist steifer, fährt sich einfach besser in den Kurven.“ Zum anderen kann es sich die Familie wegen fehlender finanzieller Mittel ganz einfach nicht leisten, sich in einen Rennstall einzukaufen. „Corona bedeutete für meinen Mann Kurzarbeit“, erklärt Olga Harder. Testtage und die Aufnahme in ein Team bedeuten in der Regel, das vorgegebene Material des jeweiligen Rennstalls zu benutzen. Zahlen muss das der Sportler. Der Vorteil sei, dass durch den Namen des Rennstalls Sponsoren eher interessiert seien. Und dass die technische Betreuung durch die professionellen Mechaniker des Teams gewährleistet sei.

Der Rennalltag ist auch so teuer. Daven Harder machte eine Schuss in die Höhe, ist jetzt 1,84 m groß, brauchte also einen neuen Rennanzug und Sicherheitsausrüstung. Verschleiß gibt es auch im Training, hauptsächlich bei Reifen und Motoren. Das Knowhow bringt sich der gelernte Zimmermann Valentin Harder selbst bei: learning by doing. Mal war für den neuen Motor bei nasser Witterung eine spezielle Kerze nötig, dann wunderte sich der Mechaniker darüber, dass der Motor nicht auf 15000 Umdrehungen pro Minute kommt. Es lag an der elektronischen CDI-Zündbox. Ein Fehler, der ohne teure Diagnose-Computer nicht erkennbar ist, die Familie aber zur Verzweiflung brachte.

Trotz aller Schwierigkeiten hält die Familie an der rennfahrerischen Ausbildung ihres Sohnes fest. Am übernächsten Wochenende werden das Karttalent, Mechaniker Valentin und Teamchefin Olga Harder wieder Richtung Genk aufbrechen. Wie gehabt mit Campingzubehör und der Hoffnung auf die perfekte Runde.

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