Fußball

Es gibt wichtigere Dinge als Fußball

Flierichs Trainer Thorsten Müller rechnet nicht damit, dass er mit seiner Mannschaft zeitnah auf den Platz zurückkehrt.
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Flierichs Trainer Thorsten Müller rechnet nicht damit, dass er mit seiner Mannschaft zeitnah auf den Platz zurückkehrt.

Einem möglichen Restart im Amateurfußball sehen die Trainer und Verantwortlichen der Bönener Fußball-Klubs skeptisch entgegen. Auch eine nur 14-tägige Vorbereitungszeit wäre ihrer Meinung nach zu kurz.

Bönen – Nur verhalten antworten die für die Bönener Kreisliga-Mannschaften verantwortlichen Funktionäre auf Fragen nach einem möglichen Restart. Fußball ist zu Pandemiezeiten weit weg. Nachvollziehbar. „Ich werde in der Kreisliga natürlich keine Laufpläne für die Pause erstellen, gehe aber von der Eigenverantwortung der Spieler mit Blick auf ihre Fitness aus“, meinte Tayfun Basyigit, Trainer der SpVg Bönen, nach dem Aussetzen der Saison Ende Oktober. Wenn es wieder losgehen sollte, müsste die Situation gefestigt sein. Bis dahin würde er sich nicht mit Fußball beschäftigen wollen.

„Es gibt momentan Wichtigeres“, erklärt Niclas Arenz entsprechend. Außerdem sei die Situation ja nicht viel anders als bei Aussetzung der Hinrunde der Kreisliga A im Herbst, so der Sportliche Leiter der SpVg Bönen weiter. Corona sei bei einem Neustart ja nicht weg, die Fußballer stünden vor der Gefahr, in Quarantäne zu müssen, Ärger mit den Arbeitgebern inklusive. Angesprochen auf die kurze Vorbereitungszeit meint Arenz: „Ich muss ehrlich sagen, dass ich 14 Tage nach einer so langen Pause für nicht ganz so sinnvoll halte.“ Andererseits hat er auch Verständnis für den Verband, der dann noch die Chance sieht, wenigstens die Hinrunde zu Ende zu spielen. „Uns betrifft das nicht, aber die Mannschaften, die in diesem Jahr aufsteigen wollen, bekommen dann noch diese Chance.“ „Es ist schon so lange her“, beurteilt Hüseyin Kücük die „schwierige Situation“. Die Spieler der IG Bönen, die erst drei Spiele absolviert haben, wurden nach Aussetzung der Landesliga vom Trainerteam angehalten, sich mit einem Trainingsplan per Smartphone-App fit zu halten. „Da war dann irgendwann die Luft raus, als nicht abzusehen war, wie lange der Lockdown noch andauert“, sagt der Sportliche Leiter des Vereins. „Wir sagen den Jungs natürlich, dass sie weiter für sich selber an der Fitness arbeiten sollen. Wir haben ja regelmäßigen Whatsapp-Kontakt.“ Ein weiteres Problem: Nach einer langen Pause sei es aber in jedem Fall schwierig, in kurzer Zeit wieder in den Rhythmus zu finden. „Ich weiß das aus eigener Erfahrung“, erklärt Kücük. Das Problem sei nicht so sehr die Fitness, auch wenn 14 Tage Vorbereitung hinsichtlich der Verletzungsrisiken doch riskant seien. „Besser wären vier Wochen, auch wenn die Spieler Bock haben, möglichst bald wieder zu kicken.“

Der VfK-Vorsitzende warnt

An einen Neustart der Kreisliga B im März glaubt Thorsten Würz nicht. „Aber wer kann absehen, wann es wieder losgeht“, erklärt der Vorsitzende des VfK Nordbögge. „Die Infektionswerte steigen, da kann man den Amateursport doch nicht vorschicken.“ Ein Kaltstart mit 14 Tagen Vorbereitung sieht er kritisch: „Verletzungen sind dann doch programmiert“, meint Würz. Mit dem Kunstrasen könne sein Verein jedes Spiel austragen, auch in der Woche. Andere müssten weiter aussetzen bei nicht bespielbarem Untergrund. „Es wird dann wieder viele Nachholspiele geben.“ Ob dann auch nur die Hinrunde gewertet werden könnte, stellt Würz in Frage.

VfK-Obmann Olaf Römer rechnet ebenfalls nicht mit einem baldigen Start. „Wir machen nichts“, gibt er auch als Coach der Damenmannschaft zu Protokoll. „14 Tage Vorbereitung sind ein bisschen kurz“, erklärt Römer. Andererseits könnten die Akteure es nicht abwarten, wieder aufzulaufen. „Wir müssen sehen, was kommt und es hinnehmen. Wir sind doch sowieso die Kleinsten im Verband.“ Mehr als 50 Prozent sei aber wohl nicht zu schaffen. „Wir machen aktuell nichts“, sagt Thorsten Müller. Der Trainer des TVG Flierich-Lenningsen ist froh darüber, dass die Pause so lange dauert, nicht etwa unterbrochen wurde. Vielleicht auch, weil die Jahresendphase ein Spiel am Butterwinkel in der Regel unmöglich macht. „Und ein Laufen gehen wäre doch eingeschlafen ohne ein konkretes Ziel vor Augen.“

Angesichts des angedachten Neustarts im Amateurbereich im März werde sich das Trainerteam in den nächsten Tagen virtuell zusammen setzen, ein Konzept erstellen. „Ich denke, wir sollten die Leute motivieren, anfangen zu laufen und aus den zwei Wochen Vorbereitung vielleicht vier zu machen. Ich persönlich glaube aber nicht, dass wir Mitte Februar schon wieder auf den Platz können. So gesehen macht es wenig Sinn, früh anzufangen.“

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