Fußball

Die Bönener Fanclubs erleben ein Derby ohne Emotionen

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Sonst ist Helge Dollenkamp bei jedem Heimspiel dabei. Manchmal sogar mit der Flagge des Fanclubs.

Ein Derbysieg ist etwas ganz Besonderes. Das weiß jeder Fußballfan. Doch nach dem Revierduell am vergangenen Samstag können sich manche Dortmund-Fans nur bedingt über den 4:0-Erfolg ihrer Mannschaft freuen

Bönen - Helge Dollenkamp, Vorsitzender des BVB-Fanclubs Generation Spielkultur Bönen, hätte sich lieber ein Derby mit Fans gewünscht: „Ich habe die Stadion-Atmosphäre vermisst. Es war etwas komisch mit den verwaisten Rängen. Obwohl es natürlich besser ist, als gar kein Bundesligaspiel mehr zu sehen.“

Trotz des klaren Sieges wollte bei einigen Schwarz-Gelben keine richtige Freude aufkommen. Denn die Zuschauerränge blieben leer. Zu den Heimspielen von Borussia Dortmund kommen sonst über 80 000 Zuschauer. Auch zahlreiche Mitglieder des Fanklubs gehen regelmäßig ins Stadion. „Ich habe von einigen gehört, dass sie nicht wie sonst mit vielen Freunden das Spiel verfolgt haben, sondern stattdessen die Mannschaft im kleinen Familienkreis angefeuert haben“, erklärt der 30-jährige Dollenkamp.

Aus Dortmunder Sicht ist zumindest der erste Auftritt nach der Corona-Pause gelungen. Falls der Tabellenzweite an die gezeigte Leistung anknüpfen kann, ist der Meistertitel in nicht allzu weiter Ferne. Dollenkamp wüsste nicht, ob er sich drüber freuen könnte: „Eigentlich möchte ich nicht, dass der BVB Geistermeister wird. Normalerweise wird bei einem Erfolg mit fast 500 000 Leuten in Dortmund gejubelt. Die Feierlichkeiten würden wegfallen. Dann will man gar nicht Meister werden, wenn man so etwas nicht genießen kann.“ Der Vorsitzende ist sich aktuell nicht sicher, wer am Ende das Titelrennen für sich entscheidet, glaubt aber an keine großen Überraschungen: „Ich tippe auf einen der drei Favoriten: Bayern, Leipzig oder Dortmund.“

Die tristen Bilder gehören dazu

Zumindest bis zum Ende dieser Saison werden die Anhänger der Bundesligavereine wohl mit der stimmungslosen Version des Profifußballs umgehen müssen. Da gehören das triste Bild der leeren Tribünen, die schallenden Spielerschreie und das dumpfe Geräusch des Balles dazu.

Mit dieser neuen Bundesliga möchte sich Dollenkamp auf lange Sicht aber nicht anfreunden. Er freut sich auf den Tag, an dem es wieder Fußballpartien mit Zuschauern gibt. Den Spielen der „Geisterliga“ kann er nicht viel abgewinnen: „Wenn die Partien in Zukunft immer so aussehen, wäre das echt nicht schön. Es fehlen Stimmung und Emotionen.“

Deshalb ist die Vorfreude auf die kommende Saison sehr groß. Die stadionfreie Zeit nutzte der Vorstand, um den eigenen Bestand an Fan-Utensilien aufzustocken. „Damit unsere Mitglieder auch gut ausgestattet sind, wenn es in der kommenden Saison wieder regelmäßig ins Stadion geht, haben wir unter anderem neue Klub-Schals besorgt.“

Aus Schalker Sicht war das Derbywochenende eine Katastrophe. „Das war nicht zufriedenstellend. Das Team hat keinen Derbycharakter gezeigt“, kommentiert Klaus Olzewski das Spiel. Genau wie Dollenkamp besucht der Vorsitzende der Schalker Freunde Bönen regelmäßig die Heimspiele seines Lieblingsteams. Das erste Geisterderby der Geschichte verfolgte er im eigenen Wohnzimmer, gemeinsam mit seinem Sohn. Zur Pause hatten beide noch Hoffnung, dass ihr Team den Rückstand egalisiert. „Da erinnere ich mich gerne an die Aufholjagd aus der vorletzten Saison, bei der wir in Dortmund einen Vier-Tore-Rückstand ausgleichen konnten.“ Doch die Überraschung blieb dieses Mal aus. Vielleicht auch, weil die Fans fehlten.

Olzewski freut sich auf die kommenden Partien

An die stimmungslosen Stadien möchte sich auch der Schalke-Fan nicht gewöhnen. „Normalerweise kennt man das nur aus der zweiten oder dritten Liga, dass manche Plätze frei bleiben. In der Bundesliga ist so etwas sehr ungewohnt und auf Dauer nicht vorstellbar.“

Obwohl die momentane Situation mit dem Spielen vor leeren Rängen nicht so ansehnlich ist wie mit Fans, freut sich Olzewski auf die nächsten Partien: „Nach acht Wochen ist es schön, den Lieblingsklub wieder spielen zu sehen.“

Wegen der außergewöhnlichen Situation lobt der Vorsitzende besonders das bisherige Verhalten der Fans, die sich an die aktuellen Regelungen halten. So kam es zu keinen Menschenansammlungen vor den Stadien, wie zunächst befürchtet worden war. „Es ist wichtig, dass diese Aufläufe ausbleiben, damit die Saison reibungslos beendet werden kann. Schließlich wurde sie auch aus finanziellen Aspekten fortgesetzt, damit die Vereine überleben können.“

Von größeren Treffen untereinander habe er ebenfalls nichts mitbekommen. Arbeitskollegen und Fanclub-Mitglieder hätten zuhause im kleinen Kreis geguckt.

Auch wenn sein Verein in dieser Saison nicht mehr in den Titelkampf eingreift, ist er sich ziemlich sicher, wer das Rennen um die Meisterschale gewinnt: „ Obwohl der BVB die gestrige Partie dominiert hat, glaube ich, dass der FC Bayern München erneut Meister wird. Leipzig wirkt hingegen nicht so stark.“

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