Im Bezirksliga-Team des BV Bönen:

Bönener Billardfamilie Busch sticht aus dem Ligaalltag heraus

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Die Billardfamilie Busch: Ingo, Friedhelm, Jutta und Marco. Sie sind sicher: Das gemeinsame Hobby schweißt zusammen.

Drei Spiele, zwei Siege, ein Remis. Das ist die Bilanz der Bezirksliga-Mannschaft des Billardvereins Bönen. Das ist gut, aber nicht außergewöhnlich. Trotzdem hebt sich das Quintett heraus aus dem Ligaalltag. Vier Spieler der Bönener Reserve sind nämlich eine Familie-

Bönen – Jutta, Friedhelm und Ingo Busch sind Stammspieler und treten gemeinsam mit Thomas Gesk an. Marco Busch ist Ergänzungsspieler. Der ältere Sohn (47) von Friedhelm pausierte lange wegen der Arbeit auf Montage und Familie, steht erst seit einem Jahr wieder am Tisch. Familienoberhaupt Friedhelm gehörte 1981 zu den Gründern des Billardvereins. 

Kennen gelernt hat der heute 70-Jährige den Sport dort, wo jeder in der Zeit schon mal zum Queue gegriffen hat – in der Kneipe. „Heinz Wehrmacher hat in seiner Gaststätte am Nordbögger Bahnhof 1979 in seinem großen Saal einen Tisch hingestellt“, erzählt Friedhelm Busch. Nach mehr als einem Jahr beschlossen er, der Gastwirt, Kumpel Wolfgang Busch und Günter Heger, einen Verein zu gründen. Der BV fing in der Kreisliga des Karambole-Verbandes an. „Die haben die Pooler damals aufgenommen, sind dann später in der Deutschen Billardunion aufgegangen“, blickt Busch zurück.

 „Wir, also Wolfgang, Heinz, Michael Blank, Reginald Garnett, ein Schotte, und ich haben uns dann gleich in der ersten Saison für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert, sind dort natürlich unter ferner liefen gelandet. Damals gab es aber auch nicht so viele Ligen wie heute.“ Ehefrau Jutta kam 1983 dazu. „Ich war Rechtsaußen beim VfK Nordbögge, konnte dann mit kaputtem Knie nicht weiter spielen, da bin ich beim Billard gelandet“, erzählt die 55-Jährige. 

Ein Naturtalent. Fünf deutsche Meistertitel bei den Damen in Folge räumte sie im 8er-Ball ab. 1988 wurde sie Doppelmeisterin in ihrer Parade-Disziplin und im 14/1, das sie am liebsten spielt. Friedhelm brachte es zum Viertelfinale bei der DM, ist aber mehrfacher Landesmeister, 1991 gleich in drei Disziplinen. 

Die Busch-Söhne kamen dazu, als sie über den Tisch gucken konnten. Der Tisch aus der Kneipe Wehrmacher stand inzwischen im Keller der Familie. „Der Automatenaufsteller hat ihn nicht abgeholt, er stand im Hof. Nach einem halben Jahr hat Heinz gefragt, ob ich ihn nicht haben wollte“, erzählt Friedhelm Busch. Der Tisch war mit sechs Fuß ein kleiner, „normal sind heute neun Fuß“. Gerade passend für den Keller und das Training zuhause. Und das Kennenlernen durch den Nachwuchs, der 1985 die Jagd auf die schwarze Acht eröffnete. 

Ingo (46), der schon seit sieben Jahren mit den Eltern zusammenspielt, wurde einige Male Landesmeister, Marco beließ es bei einem Landesmeistertitel. „Wir nehmen das auch nicht so ernst, es ist ein schönes Hobby“, sagt Marco, der fast 30 Jahre pausierte. Ingo nahm auch eine Auszeit. „Das war meine Autozeit“, erzählt er. „Er hat damals sogar seine Ölwanne farbig lackiert“, beschreibt Vater Friedhelm den extremen Schrauber. „In gelb“, ergänzt Ingo. „Wenn er jemanden überfahren hätte – es wäre für den ein schöner Tod gewesen“, unkt das Familienoberhaupt. 

Der gemeinsame Sport schweißt die Familie zusammen. „Wir spielen hier Weihnachten auch die Geschenke am Tisch aus“, deutet Ingo auf den eigenen Tisch, heute in der Garage. „Ich spiele öfter alleine nach der Arbeit, oft zwei Stunden, auch nachts, um zu entspannen“, ergänzt er. „Nee. Nach 20 Minuten habe ich genug“, steht Friedhelm eher für das Gesellige im Sport. Der Verein zog 1968 an die Kamener Straße nach Bramey. Damals war das heutige Vereinsheim ein Affenstall. „Nebenan war die Kneipe von Apen Henrich, ein Ausflugsziel für Familien mit den Affen als Attraktion“, sagt Friedhelm Busch. Die Vereinsmitglieder bauten den Stall eigenhändig um. 

Ingo sei der „Wemser“, erklärt Jutta Busch den Spielstil des Stiefsohns, er nutzt eine harte Pomeranze. Sie selbst würde mit Gefühl stoßen. „Ich bin sehr gefühlvoll“, entgegnet ihr Mann. „Manchmal legen wir hier unsere Problembilder“, spricht Marco Busch vom sehr eingeschränkten Training. „Meiner ist zum Beispiel ein extrem schräg liegender Ball am Rande, lange Bälle spiele ich hingegen gerne.“ Für seinen Vater sind Stopp- und Zugbälle „der Horror“, während Jutta Busch behauptet, keine Schwäche zu haben. „Außer am letzten Wochenende in Soest – da klappte der Stoppball überhaupt nicht.“

 Ingo Busch setzt auf Bälle mit Schnitt: „Eigentlich kann ich nur Effetbälle“, meint er. Mentales Training vor dem Wettkampf? „Quatsch. Ich fahre die Kerle, da muss ich auf den Verkehr achten, das reicht mir“, schließt Jutta Busch. Zu viel fahren wollen die Buschs aber auch nicht. „Unser Ziel? Nicht absteigen, aber auch nicht aufsteigen.“ Eben wegen längerer Fahrten. Und weil es ja schließlich ein Hobby bleiben soll: „In der Landesliga müssten wir ja richtig trainieren.“

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