Ein bisschen wie Tanzen –

Win-Chun-Lehrer Thomas Herzig korrigiert die Handstellung von Chiara Althoff und Kira Hengst. Bei Hapkido Bönen trainieren Kinder ab neun Jahren. - Fotos (2): Liesegang

BÖNEN -  „Es ist ein bisschen so wie Tanzen lernen“, erklärt Thomas Herzig die immer wiederkehrende Abfolge von Bewegungen. „Arme anwinkeln, Fäuste ballen, Handflächenstoß!“, gibt er Kommandos. Die Übungen des Wing Chun wirken ein wenig wie militärischer Drill. Herzig lernte die Technik des asiatischen Kampfsports tatsächlich auch während seiner Bundeswehrzeit in Schleswig-Holstein kennen. Seine ruhige sonore Stimme hat trotzdem nichts mit der eines „Spießes“ gemein. Der Trainer von Hapkido Bönen bezeichnet „die effektivste Selbstverteidigungsform des Kung Fu“ auch als Kampfkunst.

Die, die ihm am Montagabend im Kraftraum der Bönener MCG-Halle folgen, sind Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 14 Jahren. Erwachsene fehlen in der letzten Trainingseinheit vor den Sommerferien. „Ich bin kein Prügelknabe, ich will mich gut verteidigen können“, erklärt Justin Lohsträter (12). „Ich habe Angst draußen – vor fremden Männern“, sagt die neunjährige Kira Hengst: „Aber es ist schon besser geworden.“

Wing Chun ist ein „weiches System“ der Selbstverteidigung. „Diese Nahkampftechnik ermöglicht es, dem meist größeren und körperlich überlegenen Gegner die Energie zu nehmen“, erklärt Herzig. Den menschlichen Körper könne man in vier Quadranten aufteilen, die so genannten „Four Gates“. Diese Struktur gelte es aufzubrechen.

Das Training ist wie ein Baukastensystem aufgebaut. Der erste der drei Blöcke beschäftigt sich mit Hand- und Fußstellungen. Immer wieder – „diese Basis muss automatisiert werden“, so Herzig. Das Ziel: Die eigenen „Four gates“ zu schließen. Danach gilt es, diese statischen Formen in Bewegung umzusetzen. Ganz wichtig ist es, zum einen auszuweichen, den Gegner ins Leere laufen zu lassen: „Wing Chun ist ein weiches System“, beschreibt der Lehrer. Zum anderen wird der Körperkontakt bewusst gesucht. Der Verteidiger verteilt gezielte schnelle Stöße und Tritte, kehrt die Energie der Angriffsschläge ins Gegenteil.

Timo Rink (14) und Tom Potthink (13) demonstrieren derweil den dritten Block der Übungseinheiten. An einer Holzpuppe als Gegner werden die erlernten Verteidigungsformen abgearbeitet. Potthink traktiert die „Arme“ und „Beine“ des Dummys zunächst in Zeitlupe, dann immer schneller. Rink, der von Beginn an, seit zweieinhalb Jahren dabei ist und den dritten Schülergrad bestanden hat, beobachtet und korrigiert. „Ich wurde in der Schule gemobbt“, erklärt er seine Trainingsmotivation. „Diese Sportart gibt Selbstbewusstsein. Seitdem meine Mitschüler wissen, dass ich Wing Chun kann, haben sie tatsächlich Respekt vor mir.“

Ohne, dass er es zeigen müsste. Dieses Understatement steht ebenfalls für die Kampfkunst-Disziplin. Es gibt keinerlei Wettkämpfe. Wing Chun ist reine Selbstverteidigung. - ml

www.hapkido-boenen.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare