„Anke Sport“ ist seit 15 Jahren nicht nur in Lenningsen ein Begriff

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Anke Rademacher zeigt den Bönener Kindern den Sport außerhalb des Fußballs.

Bönen - Etwas skeptisch blickt sich Tim Steinacker um im Gymnastikraum der Humboldt-Sporthalle. „In dieser Halle kann man keinen Völkerball spielen“, sagt er. „Die Halle ist zu niedrig.“ Der Meinung des Elfjährigen sind einige aus der Gruppe der „Anke Sportler“. Sie wechselten zum neuen Jahr aus der Halle der Ermelingschule in die Bönener Mitte. In Lenningsen sind schließlich seit Oktober Flüchtlinge untergebracht.

Dass der Umzug erst jetzt stattfand, liegt an einer langwierigen Achillessehnenverletzung von Anke Rademacher. „Es ist schon ein Behelf“, sagt die Übungsleiterin des TV Germania Flierich-Lenningsen. „Wir werden uns umstellen müssen – wie lange wir hier sind, weiß augenblicklich keiner“, ergänzt sie. Ihre Turn- und Spielgruppe, allgemein bekannt als „Anke Sport“, bereitet Kinder auf Ballspiele wie Hand-, Basket- und Volleyball vor. Spiele, die in den weiterführenden Schulen auf dem Lehrplan stehen. „Geräteturnen machen wir aber auch. Alles locker, denn die Kinder sollen sich selbst erproben, Interessen erkennen und sich nach dem Schulwechsel einen Verein suchen.“

Gymnastik und Turnen sind nicht so das Ding von Tim Steinacker. „Äh, nee!“, kommt es zögerlich. Er hat die Grundschule verlassen, ist auf dem Marie-Curie-Gymnasium und bei Anke Sport weiterhin dabei, wie einige andere Ältere auch. Das Altersspektrum reicht von sechs bis 14 Jahre. „Es macht Spaß“, begründet er. Tim Steinacker hat für sich übrigens Judo als Sport entdeckt. Zweimal wöchentlich trainiert er in Kamen-Heeren.

„Mädchen interessieren sich nicht so sehr für Fußball“, erzählt Anke Rademacher von der Geburtsstunde des alternativen Angebots im Fußballverein TVG Flierich-Lenningsen. Die Geschichte hat aber auch einen durchaus persönlichen Aspekt. Anke Rademacher, die vom Volleyball kommt, ist bereits seit 35 Jahren Übungsleiterin. Vor 15 Jahren suchten ihr Sohn Felix und seine Sandkastenfreundinnen Julia und Anna Sudhaus ein sportliches Angebot. „Mach doch mal“, hieß es. Sabine Sudhaus machte anfangs auch mit. „Und die Unterstützung der Mütter ist auc weiterhin gegeben“, erklärt Anke Rademacher. Sie ist zwar einzige Übungsleiterin, aber da einige Kinder von auswärts kommen, sind Mütter immer dabei und geben Hilfestellung. Die Lenningserin zieht die Schmerzgrenze bei 30 Kindern.

Obwohl Anke Rademacher die Bande gut im Griff hat. Zu Beginn der ersten Stunde nach ihrer Verletzung sind drei Neuzugänge dabei. Sie erklärt mit Hilfe der „alten“ Kinder die Regeln. Ihre Ansage ist Gesetz – Punkt. Und dann geht´s auch schon zum ersten Spiel. Das heißt Feuer, Wasser, Sturm. Wenn´s brennt retten sich die Kinder auf eine Insel, bei Überschwemmung geht´s die Kletterwand hinauf, bei Sturm muss man sich klein machen, also legen. Alle Kinder verstehen auf Anhieb und haben offensichlich ihren Spaß.

Die Übungsstunden „Anke Sport“ sind mittwochs von 17 bis 18 Uhr in der Gymnastikhalle der Humboldt-Realschule

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