Tom Beutner kehrt nach Leipzig zurück: „Niemals geht man so ganz.“

Karsten Schilling verabschiedete Tom Beutner vor dem letzten Spiel des Jahres gegen Overberge. - Fotos: Baur

Bönen - „Ich bin ja nicht so der emotionale Typ“, meinte Tom Beutner viele Minuten nach dem Ende des letzten Hinrundenspiels mit dem RSV Altenbögger gegen Overberge. Der Handballer hielt mitten in der Halle des Marie-Curie-Gymnasiums seine Frau an der Hand, trug seinen Sohn im Arm und war gerade von seinen Teamkollegen nach drei Jahren in Bönen verabschiedet worden. Und sein Gesicht widersprach der eben getätigten Aussage deutlich.

„Das war schon ein gelungener Abschied. So etwas habe ich vorher nicht erleben dürfen“, sagte der 26-Jährige dann am Montag mit einem Tag Abstand. Die Aktion seiner Mitspieler nach dem Spiel sowie das Geschenk vom Verein eine gute Stunde zuvor – jeweils begleitet von warmen Applaus der vielen Zuschauer – ging Beutner zu Herzen: „Der Sieg dazu war dann der krönende Abschluss.“ Er bricht Anfang des Jahres seine Zelte in Bönen und seinem Wohnort Hamm ab und kehrt in seine Heimatstadt Leipzig zurück.

Aus familiären Gründen zieht Beutner wieder nach Sachsen, wo er groß geworden ist. Doch die drei Jahre im Osten des Ruhrgebiet haben jedoch Spuren hinterlassen – und dass nicht nur, weil er hier seine Frau kennengelernt hat und hier vor einem halben Jahr sein Sohn Caspar geboren wurde.

2012 kam Beutner als Zollbeamter nach Hamm. Arbeitskollegin Stephanie Pelzel stellte umgehend den Kontakt zum RSV her, und im September des Jahres feierte der Neuling sein Debüt in der MCG-Halle. „Da kann ich mich noch gut dran erinnern. Ich wurde eingewechselt, da kannte mich ja keiner auf der Tribüne. Ich habe aber, glaube ich, ganz gut gespielt“, erzählt Beutner. Es war kein Schlechter, der da zu den damals noch in der Kreisliga spielenden Altenböggern gestoßen war.

Den Sport bekam der Leipziger in die Wiege gelegt. „Mein Papa hat seit jeher Handball gespielt. Da bin ich quasi mit dem Ball groß geworden.“ Vater Beutner lief unter anderem in der 2. DDR-Liga auf. Der kleine Tom trat in seine Fußstapfen, trainierte später in einer Jugend-Akademie vier- bis fünfmal die Woche. Bevor er nach Westfalen kam, spielte er beim SG LVB Leipzig in der Verbandsliga. „Es ist aber schwer zu vergleichen, weil sehr unterschiedlich gespielt wird“, sagt Beutner. Beim RSV sei die individuelle Stärke größer, bei seinem alten und bald auch neuen Team das Zusammenspiel. „Wir sind aber auch als Team schon länger zusammen.“

In Altenbögge wurde Beutner jedenfalls schnell zum Leistungsträger. In seiner Zeit in Bönen erlebte er drei Trainer, die er vor allem über ihre Unterschiede definiert. „Uwe Nitsch war fachlich einwandfrei. Da habe ich mich enorm weiterentwickelt. Thomas Richter war ganz anders mit seiner unbekümmerten Art. Mit ihm haben wir eine fast perfekte Saison gespielt, in der wir aufgestiegen sind“, so Beutner: „Und Mike Rothenpieler hat seine Idee vom Spiel und die vermittelt er ganz gut. Er wird, wenn alles gut weiterläuft, den RSV wieder in höhere Ligen führen.“

Die weiteren Saisonspiele will Beutner auch in Leipzig verfolgen. Und wenn der Landesliga-Aufstieg tatsächlich zum Greifen nah ist, wäre er nur zu gerne als Gast in Bönen dabei. Die Aufstiegsfeier im Turm vor eineinhalb Jahren hat der 26-Jährige noch gut in Erinnerung.

Für Beutner waren die Partien gegen Beckum – Sieg mit einem Tor Vorsprung in der Liga und die folgende Niederlage im Pokal – der „Wachrüttler“ zu rechten Zeit. „Seitdem haben wir ein paar gute Spiele gezeigt. Ich denke durchaus, dass, wenn die Konstanz da ist, viel möglich ist.“

Beutner, der in Februar seine neue Wohnung in Leipzig bezieht, hätte eventuell noch den Januar für den RSV spielen können, wäre dann aber für seinen neuen Verein lange gesperrt gewesen. Und dem will er schließlich helfen, die Klasse zu halten. Das ist ein ganz anderes Ziel als das mit dem RSV Altenbögge, aber ein nicht weniger lohnenswertes. Und außerhalb des Sports „werden wir uns schnell und gut einleben“, ist sich Beutner sicher. Genauso wie er es vor drei Jahren schon rund um die MCG-Halle getan hat.

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