HANDBALL

RSV Altenbögge feiert Landesliga-Meisterschaft im Internet

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Alles im Griff: Dustin Wollek.

Not macht erfinderisch: Weil sie sich aufgrund des Kontaktverbots in der Corona-Krise nicht treffen dürfen, feiern die Spieler des RSV Altenbögge ihre Landesliga-Meisterschaft per Livestream im Internet. 

Bönen – Aus geplanten anderthalb bis zwei Stunden wurden fast drei: In der Spitze verfolgten knapp 200 Zuschauer die „erste digitale Sofameisterfeier der Welt“ – ausgerichtet vom Handball-Landesliga-Meister RSV Altenbögge auf dem Online-Kanal Youtube. Und das nicht nur passiv. Denn zu jedem Beitrag, der aus dem Kellerstudio von Dustin Wollek in der Paul-Weniger-Straße gesendet wurde, gab es Kommentare, die direkt in das Programm eingeblendet wurden. „In der Spitze waren es 198 Zuschauer, also Streams“, sagt Wollek. „Das heißt, wenn eine Familie vor dem Fernseher sitzt, das drei- oder vierfache, die dann dabei waren.“

Vier Bildschirme hingen während der Sendung an Wolleks PC, zudem ein Laptop. Der Webmaster des RSV musste sowohl das Geschehen im Studio, als auch den Chat im Auge behalten sowie die Einspieler und Wortbeiträge starten. Im Studio mit gebührendem Abstand dabei: Dennis Geckert. Moderationserfahrung sammelte der Linksaußen des Landesligameisters in den vergangenen Wochen im Podcast „Engelchen und Teufelchen“, in den Coronawochen gemeinsam aufgenommen mit Teamkollege Bernd Lublow und jeweils einem Gast. Vereinsboss Karsten Schilling kündigte Lublow dann auch im ersten Einspieler der Show als Moderator an. Doch kurzfristig hatte Trainer Jens Schulte-Vögeling diese Rolle übernommen.

Kurze Vorlaufzeit von der Idee bis um Stream

Ein kleiner Fauxpas, der wegen der kurzen Vorlaufzeit von der Idee zum Stream nicht zu vermeiden war. In nur einer Woche bereiteten die Protagonisten die Feier vor. Drehbuch schreiben, Einspieler mit Gästen produzieren und nicht zuletzt Meisterdevotionalien vom Schal bis zur Tasse designen und bestellen. Passenderweise trug Geckerts Tischgenosse, der „Rote Teufel“, das Vereinsmaskottchen namens Ecki, einen Mundschutz mit RSV-Emblem.

Kurz vor der Livesendung schaltete Wollek einige Mitspieler dazu. „Technisch wären alle möglich gewesen, aber wenn dann alle durcheinander quaken...“, erklärte der Webmaster die Beschränkung auf Schulte-Vögeling, Max Röckenhaus, Dominik Weigel und den Vorsitzenden Karsten Schilling. Die fühlten sich wie zuhause. Kreisläufer Weigel verzehrte im zivilen Hemd noch einen Hot Dog, Röckenhaus saß dort mit nacktem Oberkörper. Dann verschwanden beide kurz, um doch noch standesgemäß im Trikot vor den Bildschirm zu kommen. Tino Stracke, Sportlicher Leiter des Vereins, sorgte derweil für ein wenig Partystimmung. Zusammen mit seinen Söhnen hatte er ein WhatsApp-Video mit Meistergesang aufgenommen. Dustin Wollek stellte es zurück, um es später einzuspielen.

Bis zu 200 Zuschauer

Der Regisseur startete nun die abgefilmte Hallenuhr für einen zehnminütigen Countdown bis zum offiziellen Sendebeginn um 20.15 Uhr. In der letzten Sprechprobe hinkte Schulte-Vögeling zeitlich hinterher. Kein Problem. Noch drei Minuten, da kann man Skype ja noch einmal starten. 48 Zuschauer zeigte Youtube derweil.

Wollek wirkte absolut cool, während Geckert auffällig oft seinen Platz verließ. „Auf einer Skala von eins bis zehn, wie nervös bist du?“, kam prompt die Frage des Regisseurs. „Elf!“, war die Antwort. Eine Minute noch. Zuschauer: 85. „Wir kratzen gleich die 100er-Marke“, so Wollek.

Dann geht es „on air“: Ein Intro als Einspieler, Anmoderation von Wollek, Übernahme durch Geckert und Schulte-Vögeling. Schon kurz nach dem Start steigt die Zuschauerzahl auf 170. Der Wert bleibt recht konstant, sinkt erst gegen Ende gegen 23 Uhr auf immerhin noch 130. Sofort nach den ersten Beiträgen, beginnt auch der Chat mit den Fans. Die sind offensichtlich weiter gestreut. Geckert und Wollek erklären, was die Zuschauer erwartet, nämlich Storys um die Mannschaft mit dem Versprechen, „dass Spargel (Schulte-Vögeling) ein Gerücht aufklärt“. Ferner gibt es die Aussicht auf ein Gewinnspiel und Livemusik von Chiara Kron. Erster Gast im realen Studio ist dann Thomas Wollek, Trainer der ebenfalls meisterlichen A-Jugend. Der hat zunächst Probleme auf Zwischenfragen über Skype zu reagieren, da im Keller nur die zu hören sind, die vor Ort reden. Kein Problem, Dustins Freundin Melina Hülsmann behält per Smartphone den Überblick, was in die Welt rausgeht. Thomas Wollek bekommt einen Kopfhörer aufs Ohr. „Damit ich auch ja keinen Namen vergesse“, erklärt er den Zettel, den er unsichtbar fürs Publikum vor sich liegen hat.

Obligatorische Bierdusche für den Trainer

Nach 21 Uhr verrät Schulte-Vögeling, dass er tatsächlich im Spätherbst daran gedacht hätte, wegen des immensen Zeitaufwands den Trainerposten aufzugeben. Es hätte sich aber kein Ersatz gefunden. Warum er ihn denn nicht angefragt hätte, kommt prompt die Chatfrage von Christof „Curry“ Reichenberger, Interimstrainer des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen. Verfolgt wird die Sendung auch in der Nachbarstadt. „Spargel“ verrät, dass Ex-Torwart Kai Kleeschulte Co-Trainer beim RSV werden soll. Auch um die obligatorische Bierdusche kommt Schulte-Vögeling nicht herum. Die Drehbuchschreiber hatten insgeheim dessen Ehefrau überredet.

Trotz der unterhaltsamen drei Stunden am PC: Die virtuelle Meisterfeier kann eine reale nicht ersetzen. Handballerlatein und tatsächliche Erlebnisse erfährt der Fan am liebsten im direkten Gespräch beim gemeinsamen Kaltgetränk. Das war schon nach der ersten halben Stunde der digitalen Party herauszuhören. Und beim Feiern im Kreise der Kollegen und zu fortgeschrittener Stunde kommen vielleicht auch die Altenbögger Anhänger in den Genuss einer bisher exklusiven Gesangseinlage von Max Röckenhaus. In der Sendung verweigerte er den „Dance Monkey“ noch.

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