1. wa.de
  2. Sport
  3. Bönen

Ärger um 2G bei Derbys: VfK zunächst mit Einspruch, SpVg II verzichtet

Erstellt:

Von: Boris Baur

Kommentare

3:3 endete das Derby zwischen dem VfK und der SpVg-Zweiten. Diskutiert wurde schon lange vor dem Anpfiff.
3:3 endete das Derby zwischen dem VfK und der SpVg-Zweiten. Diskutiert wurde schon lange vor dem Anpfiff. © Markus Liesegang

Lokalderbys sind bekannt für ihre hitzige Atmosphäre, dass sich die beiden Parteien aber schon vor dem Anpfiff in die Haare kriegen, ist eher selten. Doch am Sonntag beim Spiel zwischen dem VfK Nordbögge und der SpVg Bönen II in der Fußball-Kreisliga B1 gab es schon eine Stunde vorher Diskussionen. Grund war die Frage, ob ein ungeimpfter Gästespieler mit negativem PCR-Test auflaufen darf oder nicht.

Bönen – Die Regelung ist da eigentlich eindeutig, denn die Coronaschutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen erlaubt „übergangsweise als Ersatz der Immunisierung einen Testnachweis nach § 2 Absatz 8a Satz 1 auf der Grundlage einer PCR-Testung“. So gilt es seit dem 25. November und steht auch in der neuesten Verordnung vom 9. Dezember. Voraussetzung dafür ist die Teilnahme „an Ligen und Wettkämpfen eines Verbands, der Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ist“. Zuschauer dürfen dagegen nur geimpft oder genesen auf den Sportplatz.

In Nordbögge wurden nach der Einführung dieser Regel am 28. November ungeimpfte Spieler der SG Bockum-Hövel III, die an der Feuerwache in der C-Liga gegen die VfK-Zweite antraten, mit negativen PCR-Tests kontrolliert und eingelassen. Allerdings hatten die Verantwortlichen vor dem Spiel gegen Bönen gehört, dass in der Gemeinde nur 2G auch für Aktive gelte, wie der 1. Vorsitzende Thorsten Würz erklärte.

Das wollten sie auch vor der Partie gegen die SpVg-Reserve durchsetzen. „Wir müssen uns an das halten, was die Gemeinde sagt“, meinte Würz und verwies auch auf hohe Strafen, die bei Verstößen zu zahlen sind. Allerdings betonten sowohl Jörg-Andreas Otte, Fachbereichsleiter für Familie, Sport, Kultur, Schule, sowie Kreissprecher Max Rolke Anfang dieser Woche auf Nachfrage des WA, dass weder vonseiten der Kommune noch vom Kreis eine Verschärfung vorgenommen worden sei.

Iscan macht extra einen PCR-Test

Dass nur Geimpfte und Genesene beim Derby auflaufen sollten, führte in Nordbögge zum Ärger mit der Delegation der SpVg. Denn Stürmer Atakan Iscan hatte extra für das Fußballspiel einen PCR-Test gemacht, um seine – auch durch ungeimpfte Spieler – personell arg gebeutelte Mannschaft zu unterstützen. Über 60 Euro habe er extra dafür bezahlt, teilte Geschäftsführer Friedhelm Wittwer mit.

Um die Sache mit den zwei aufeinanderprallenden Meinungen zu klären, wurde versucht, das Bönener Ordnungsamt anzurufen, was mit Unterstützung der Kreisleitstelle auch gelang. Das bestätigte eine 2G-Regel auf Sportplätzen, wie auch Otte nach Kontakt mit Mitarbeiter Jan Albrecht mitteilte. Dem sei die Nachfrage, ob eine Mitgliedschaft im DOSB vorläge, von Würz verneint worden. Der VfK ist über seine Mitgliedschaft im Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) als spielleitender Stelle jedoch Mitglied im DFB sowie über den Gemeindesportverband und Landessportverband NRW im DOSB Mitglied, so dass die Ausnahmeregelung mit dem PCR-Test auch in Nordbögge greift. Würz erklärte, dass so nicht gewusst zu haben.

Otte wiederum war wenig begeistert, dass die Rufbereitschaft des Ordnungsamts für so eine Nachfrage in Anspruch genommen wurde, zumal am Wochenende auch Verwaltungskräfte aus anderen Abteilungen dort Dienst haben. So etwas könne in der Woche geklärt werden, sagte der Fachbereichsleiter.

Nach Punktgewinn kein Einspruch von der SpVg

Iscan durfte am Sonntag letztendlich nicht mitspielen, was die Bönener erboste. Einer von ihnen trat sogar gegen einen Zaun. „Das waren sehr unschöne Szenen“, meinte Würz. Von Bönener Seite stand die Überlegung im Raum, nicht anzutreten. Das wurde aber nach Rücksprache mit Wittwer, der auch stellvertretender Vorsitzender im FLVW-Kreis Unna-Hamm ist und davon abriet, nicht gemacht.

Das Spiel endete, nachdem die Gäste einen 1:3-Rückstand in der Schlussphase zum 3:3 egalisiert hatten. Bei einer Niederlage hätte die SpVg aber Einspruch gegen die Wertung erhoben, nahm davon aber Abstand, betonte Wittwer: „Glücklicherweise haben wir noch ausgeglichen. Für uns ist das ein Auswärtspunkt, der uns mehr gut tut als Nordbögge.“ Bönen wahrte seinen Abstand von elf Punkten auf den VfK als Drittletzten. Begeistert von der Nordbögger Aktion war aber keiner im SpVg-Lager. „Das hat schon Geschmäckle“, findet Wittwer, der wegen seines Geburtstages nicht zur Feuerwache gekommen war.

VfK legt Einspruch gegen Niederlage in Flierich ein

Die ganze Geschichte hat übrigens ein Vorspiel. Eine Woche vorher war auch Derbyzeit, damals gastierte der VfK beim TVG Flierich-Lenningsen. Die Nordbögger fragten an, ob ihr einziger ungeimpfter Akteur mit einem PCR-Test mitwirken kann. Als Antwort erhielten sie, es gelte 2G, sagte Würz. Der Akteur sparte sich das Geld für den Test und erschien nicht am Butterwinkel. Nach der 0:6-Pleite nach dem frühen Platzverweis gegen Sven Koslowski legte der VfK Einspruch gegen die Wertung ein.

Als Stellvertretender Kreisvorsitzender kam dieser in die Hände von Wittwer, auch weil der als Bönener am besten geeignet schien. Er ließ sich nach eigenen Aussagen von der Kommune bestätigen, dass es keine Sonderregelungen über die NRW-Schutzverordnung hinweg gebe. Der Spieler hätte also in Flierich auflaufen können, was er den Nordböggern auch mitteilte. Die Mail, die ihm das bestätigte, habe am Sonntag vor dem Spiel der SpVg-Zweiten an der Feuerwache allerdings nicht mehr vorgelegen, um sie den VfK-Verantwortlichen zu zeigen, so Wittwer.

Whatsapp-Chatt statt offizieller Anfrage

Dem Einspruch der Nordbögger begegnete TVG-Coach Thorsten Müller mit Unverständnis. Er erklärte, tatsächlich von 2G gesprochen zu haben, aber Zuschauer gemeint zu haben. „Die Anfrage kam am Sonntagmorgen über einen Spieler per Whatsapp zu mir, ob 2Gplus wäre. Das heißt für mich, geimpft oder genesen oder mit Test. Da habe ich 2G gesagt. Ich wusste nicht mal, ob es um einen Spieler ging und von Nordbögge war nicht die Rede in dem Chatverlauf“, sagte Müller. Erst im Nachgang sei ihm bewusst geworden, dass ein Spieler gemeint sein könnte. „Ich bin aber auch der falsche Ansprechpartner“, verwies er auf den Vorsitzenden oder den Geschäftsführer des TVG, die vom VfK hätten kontaktiert werden sollen.

In ihrer Stellungnahme gegenüber der Kreisspruchkammer erklärten die Fliericher, niemanden am Eingangstor zurückgewiesen zu haben. Das bestätigte auch Michael Zahorodnyj, der Vorsitzende des Kreissportgerichts, der ebenfalls mitteilte, dass Nordbögge den Einspruch am Dienstag zurückgezogen habe.

Noch kein Fall wegen Nichtzulassung eines Spielers vor der Spruchkammer

Eine Chance hätten sie seiner Meinung auch nur dann gehabt, wenn der Spieler vor Ort gewesen und der Schiedsrichter mit eingebunden worden wäre. „Die Sachlage wäre sehr unklar gewesen“, meinte Zahorodnyj zu einem möglichen Urteil. Denn einen solchen Fall vor der Spruchkammer habe es seines Wissens bisher weder im Kreis noch höherrangig gegeben. Die Nordbögger wollen die ganze Sache am liebsten schnell „abhaken und fertig“, so Würz. Wittwer wünscht sich, dass die Sportvereine von der Gemeinde über die Umsetzung der Coronaordnung besser informiert werden.

Auch interessant

Kommentare