Die Kandidaten im Portrait

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Wer wird der neunte Bundespräsident? Peter Sodann, Amtsinhaber Horst Köhler und Gesine Schwan (v. li.) treten am Samstag an.

Die Kandidaten für die Wahl zum Bundespräsidenten  am Samstag durch die Bundsversammlung in Berlin im Kurzportait.

Horst Köhler

Der neunte Bundespräsident wird am Samstag der erste sein, der um seine Wiederwahl bangen muss. Würde Horst Köhler direkt vom Volke gewählt, wäre das Ergebnis klar: eine große Mehrheit wäre ihm gewiss. Da die Deutschen aber ihre Lehren aus Weimar gezogen haben, ist genau das nicht vorgesehen.

Eigentlich hat der Bundespräsident heute nur eine Macht: Die des Wortes. Davon machte Köhler jedoch nur dürftigen Gebrauch. Seine beste „Berliner Rede“ war die letzte. Hier beschäftigte er sich mit den Folgen der internationalen Finanzkrise. Man merkte, dass er wusste, wovon er sprach. Gleichwohl krankte sie daran, dass er, so kurz vor dem Wahlsamstag, für jeden ein wenig etwas dabei haben wollte.

Zwei Gesetze verhinderte er während seiner Amtszeit durch sein Veto; das Gnadengesuch des ehemaligen RAF-Terroristen Christian Klar lehnte er ab.

Horst Köhler , Sohn einer Bauernfamilie, ist wie seine sieben Geschwister im ostpolnischen Skierbieszow geboren und in Ludwigsburg aufgewachsen. Er ist der einzige, der in seiner Familie Abitur gemacht hat. Dass der 66-Jährige ganz oben angekommen ist, ist auch seinem Fleiß zu verdanken. Was das anbelangt, will er auch Vorbild sein. Seine Erfahrungen als Flüchtlingsjunge, sein Wissen um Armut und Not prägen ihn bis heute, besonders deutlich wird das durch sein Afrika-Engagement.

Was vom Wirken eines Bundespräsidenten übrig bleibt, stellt sich oft erst Jahre später heraus. Von Horst Köhlers erster Amtszeit wird auf jeden Fall die Rettung des Nationalfeiertages in Erinnerung bleiben. Den wollte die Regierung Schröder aus ökonomischen Gründen auf einen Sonntag legen. In dieser Hinsicht ist Köhler auch ein Patriot, der Deutschland dienen will.

Gesine Schwan

Die Politologin sprüht vor Energie bis in die letzte Locke ihrer Hochsteckfrisur. Sie lacht gerne und laut, ist schlagfertig, oft ein wenig schnoddrig. Immer aber präsent. In ihrem langen Leben als Professorin und engagierte Sozialdemokratin ist sie zu der Grundüberzeugung gelangt: „Ohne einen deftigen Schuss an Rebellion bewegen sich die Etablierten nicht.“

Im vergangenen Jahr wurde Schwan 65 und könnte sich eigentlich aufs Altenteil zurückziehen. Tut sie aber nicht. Am Samstag , einen Tag nach ihrem 66. Geburtstag, will sie es zum zweiten Mal wissen. Auch wenn sie vor fünf Jahren mit 589 zu 604 Stimmen gegen Köhler knapp unterlag. Sie will als Bundespräsidentin „den Menschen die Demokratie wieder näher bringen.“ Gerade als Politologin und Lehrerin, sagt sie selbstbewusst, könne sie politische Prozesse erklären, und sich so vom „Bürgerpräsidenten“ Köhler abgrenzen.

Vor einer erneuten Niederlage hat sie keine Angst: „Immer wenn es ganz wichtig wird, sage ich mir, Du tust Dein Bestes, wenn es nicht klappt, dann soll es eben nicht sein.“

Seit 1972 gehört die bekennende Katholikin der SPD an. Ihren Ruf als streitbare Genossin und Antikommunistin erwarb sie sich in den 80er-Jahren, als sie die Entspannungspolitik der SPD so heftig kritisierte, dass sie sogar aus der SPD -Grundwertekommission ausgeschlossen wurde. Inzwischen ist sie in Ehren in die Kommission zurück gekehrt.

Zwar fürchten viele negative Auswirkungen auf die Bundestagswahl, wenn Schwan mit Hilfe der Linken gewählt würde. Gleichwohl gilt sie als Lichtgestalt. In ihrer herzlichen und unkonventionellen Art erhoffen sich einige von ihrem Sieg den Aufwind für die Partei, der zum Auftakt dieses Wahljahres so willkommen wäre.

Peter Sodann

Seine Kandidatur wurde oft als peinlich empfunden. Vorliebe für Kreuzworträtsel – nunja. Bedenklicher waren seine Einlassungen zu Verfassung und Demokratie. Klar ist, dass der Mann der Linken keine Chance hat. Peter Sodann träumt von einer gerechten Welt, ohne Arme und Reiche.

Dem Schauspieler wird im wirklichen Leben eine gewisse Ähnlichkeit mit „Tatort“-Kommissars Bruno Ehrlicher nachgesagt, den er in 45 Folgen verkörperte. Sodann, der aus einer sächsischen Arbeiterfamilie stammt, baute später als Schauspieldirektor in Halle ein Kulturzentrum auf.

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