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Falls Putin den Gashahn zudreht: Deutsche Städte wollen Rentner „stundenweise“ in Hallen unterbringen

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Von: Patrick Mayer

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Russischer Präsident und Kreml-Chef: Wladimir Putin.
Russischer Präsident und Kreml-Chef: Wladimir Putin. © IMAGO / ZUMA Wire

Russland könnte Nord Stream 1 abschalten und Deutschland damit beim Gas unter Druck setzen. CSU-Chef Markus Söder formuliert große Sorgen vor dem Winter, deutsche Städte erwägen eine drastische Maßnahme.

München - Diese Nachricht verunsichert die deutsche Politik: Russland dreht die Gaspipeline Nord Stream 1 ab. Angeblich wegen Wartungsarbeiten, die demnach zehn Tage dauern sollen. Nicht ausgeschlossen wird darauffolgend aber auch ein politisches Manöver, um vor dem Hintergrund der Sanktionen gegen Moskau wegen des Ukraine-Kriegs Druck auszuüben.

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Sorgen verlauten auch aus der deutschen Industrie, insbesondere aus der chemischen. „Wir bereiten uns für eine Drosselung oder sogar Einstellung der Gasimporte vor“, erklärte Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup vom Verband der Chemischen Industrie (VCI). Und der riesige Chemiekonzern BASF kündigte an, die Produktion am größten Standort Ludwigshafen notfalls herunterzufahren.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) formulierte indes öffentlich die Sorge, Russland würde den Gashahn nach Abschluss der Wartungsarbeiten nicht wieder aufdrehen. Wie die Betreibergesellschaft Nord Stream AG mitteilte, sollen die Arbeiten bis zum 21. Juli dauern. Unabhängig davon richten sich die sorgenvollen Blicke der deutschen Politik besonders auf den Winter, wenn der Energieverbrauch durch das übliche Heizen freilich naturgemäß zunimmt.

Im Video: Bundesnetzagentur fürchtet russische Gasblockade

„In den Kommunen wird darüber nachgedacht, Hallen anzumieten, um alte Menschen im Winter unterzubekommen“, erklärte CSU-Chef Markus Söder im ARD-Sommerinterview. Und tatsächlich.

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Gerd Landsberg, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, erklärte in der „Tagesschau“: „Der Winter kann sehr hart werden. Es kann sein, dass es gar kein Gas mehr gibt. Dann brauchen wir für ältere Menschen Hallen oder beheizte Räume, wo sie sich stundenweise aufhalten können. Das müssen Kommunen organisieren. Das ist ein Akt der Daseinsfürsorge.“

Druckmittel im Ukraine-Krieg: Russisches Gas und Öl, hier ein Export-Terminal in der Sakhalin-Region.
Druckmittel im Ukraine-Krieg: Russisches Gas und Öl, hier ein Export-Terminal in der Sakhalin-Region. © IMAGO / ITAR-TASS

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Sozial schwächere Rentner in Sport- und Turnhallen untergebracht? Die Ampel-Bundesregierung arbeitet eigenen Angaben zufolge an Lösungen gegen eine drohende Energiekrise in Deutschland. Terminals für Flüssiggas wurden geordert, Kapazitäten für Rohstoff-Lieferungen aus dem Nahen Osten ausgelotet.

Dennoch steigen die Bedenken, dass die galoppierenden Energiepreise zu finanziellen Problemen bei vielen Bürgern führen könnten. Söder forderte in der ARD weiter, notfalls die Sommerpause der deutschen Bundespolitik zu beenden und den Bundestag in Berlin kurzfristig einzuberufen. Einmal mehr gehen in diesen Tagen die Blicke in Richtung Moskauer Kreml. (pm)

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