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Russland geht Munition für Artillerie aus – „Sie wenden sich an Iran und Nordkorea“

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Von: Patrick Mayer

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Wird die Munition knapp? Russische Rekruten während einer Übung Anfang Oktober.
Wird die Munition knapp? Russische Rekruten während einer Übung Anfang Oktober. © Uncredited/AP/dpa

Das Pentagon wähnt Russland im Munitionsdilemma. Dabei soll die Nato selbst Probleme bei der Versorgung der Ukraine mit Waffen haben. Der angebrochene Winter verschärft die Situation.

München/Moskau/Washington - Wer kommt wie durch den Winter? Diese Frage stellt sich im Ukraine-Krieg auch für die beiden Armeen, die sich im Osten und im Südosten des Landes teils in tiefen Schützengräben eingegraben haben. Und die, so berichtet es das „heute journal“ des ZDF über die ukrainische Seite, hinter den Frontlinien sogenannte Rückzugsstellungen errichtet haben.

Ukraine-Krieg: Offenbar Munitionsprobleme auf russischer und auf ukrainischer Seite

Wie das ZDF weiter berichtet, setzen die (mehr oder minder) gezielten russischen Bombardements auf die kritische Infrastruktur der Ukraine zwischen Lwiw, Odessa, Kiew und Charkiw heftig zu. So sehr, dass Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko zuletzt sogar vor dem härtesten Winter seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs warnte. Umgekehrt soll die Rückeroberung der Halbinsel Krim durch die ukrainischen Streitkräfte laut Vize-Verteidigungsminister Wolodymyr Hawrjlow „nur noch eine Frage der Zeit sein“. Das sagte Hawrjlow im Interview mit dem Sender Sky News.

Just in dieser kritischen Ausgangslage gibt es wohl Bedenken hinsichtlich der Frage nach ausreichend Munition - auf russischer sowie auf ukrainischer Seite. „Die Vereinigten Staaten fragen sich, ob Russland genug Artillerie hat, um seinen Krieg in der Ukraine fortzusetzen“, schreibt das US-amerikanische Magazin für Außenpolitik Foreign Policy in einer neuesten Analyse vom 23. November.

Im Video: Kompakt - Die wichtigsten News zum Russland-Ukraine-Krieg

So behauptete US-Verteidigungsminister Lloyd Austin an diesem Mittwoch (23. November), dass es der russischen Armee nach Erkenntnissen des Pentagons insbesondere an Munition für die Artillerie mangle. Laut dem Bericht habe der Kreml in Moskau deshalb die Kontakte mit den Regimen in Iran und in Nordkorea intensiviert, um über diese Wege an Munition zu gelangen.

Ukraine-Krieg: „Sehen, dass sie einen erheblichen Mangel an Artilleriemunition haben“

Unabhängig überprüfen lasst sich diese Einschätzung nicht. „Wir sehen, dass sie einen erheblichen Mangel an Artilleriemunition haben und sich an den Iran sowie Nordkorea wenden, um Hilfe von ihnen zu erhalten“, sagte Austin demnach Reportern an Bord eines E-4B-Flugzeugs, das nach einer fünftägigen Reise durch Kanada und Südostasien zurück in die USA flog.

Ich bin mir nicht sicher, ob sie diese Art von Munition haben.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin über russische Armee

Ukraine-Krieg: USA zweifeln an Munitionsbeständen Russlands

„Für diese Art von Operation ist viel Munition erforderlich“, erklärte der Vier-Sterne-General im Ruhestand: „Ich bin mir nicht sicher, ob sie diese Art von Munition haben, um das in Zukunft leisten zu können.“ Austin verwies auf gezielte Angriffe der ukrainischen Streitkräfte im Sommer und Herbst auf russische Munitionsdepots. „Das hatte keine unmittelbaren Auswirkungen, aber im Laufe der Zeit, Wochen, sah man, wie die Russen begannen, ein wenig mit der Menge an Munition zu kämpfen, die sie zur Verfügung hatten“, sagte Austin laut Foreign Policy.

Mangelt es der russischen Armee an Munition? Moskau dementiert Berichte aus den USA

Moskau dementierte gleichlautende Meldungen aus dem Westen. Russlands ehemaliger Präsident Dmitrij Medwedew, ein enger Vertrauter von Kreml-Chef Wladimir Putin, besuchte unter der Woche demonstrativ eine Rüstungsfabrik nahe der Hauptstadt. Auf Telegram schrieb er laut Euronews, dass „Russlands Feinde vergeblich darauf warteten“, dass die militärrischen Möglichkeiten des Landes erschöpft seien. Der Stellvertretender Vorsitzender des Sicherheitsrates der Russischen Föderation erklärte demnach: „Es gibt genug Raketen!“

Als gesichert gilt indes nach etlichen Berichten: Westliche Beschränkungen für den Export von Mikrochips zwingen Moskau dazu, sich stärker auf in Iran hergestellte Drohnen zu verlassen. Zur Herstellung von Waffen braucht es Halbleiter - die kann Russland aber nicht mehr importieren. Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt, dass Moskau deshalb massiv Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Milchpumpen aus den befreundeten Staaten Kasachstan und Armenien importiert.

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Munitionsprobleme gibt es aber offenbar auch auf Seiten der Verteidiger. Wie ebenfalls Foreign Policy kürzlich in einer Analyse schrieb, geht dem transatlantischen Verteidigungsbündnis Nato bei der Unterstützung der Ukraine die Munition aus. Gegenmaßnahmen sind wohl eingeleitet. Das US-Magazin beruft sich auf einen namentlich nicht genannten Insider aus dem Umfeld der Militärallianz. Ein Risiko wollen die Partner demnach nicht eingehen.

Munition und Waffen: Nato hat offenbar Probleme bei Versorgung der Ukraine

Jenes, dass die Bündnisverpflichtungen leiden, weil die eigenen Munitionsvorräte den Vorgaben nicht mehr gerecht werden, heißt es in dem Bericht. Ferner erzählte die Quelle, die Verbündeten hätten westliche Rüstungsunternehmen dazu aufgefordert, die Produktion von Waffen hochzufahren. (pm)

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