Epidemiologe bei Markus Lanz

Weihnachten und Silvester: Karl Lauterbach warnt vor neuen Corona-Regeln

Karl Lauterbach hat bei Markus Lanz (ZDF) zur Vorsicht bei den Corona-Regeln gemahnt. Er kritisiert die geplanten Lockerungen an Weihnachten und Silvester.

Hamm - „Ich bin sehr vorsichtig geworden. Je mehr man über Corona weiß, desto mehr versucht man zu verhindern, dass man es bekommt“, sagt SPD-Politiker und Wissenschaftler Karl Lauterbach bei dem Jahresrückblick von Markus Lanz im ZDF. Er äußert scharfe Kritik an den neuen Maßnahmen gegen das Coronavirus. Gerade Weihnachten und Silvester bereiten ihm Sorgen. (News zum Coronavirus)

NameKarl Wilhelm Lauterbach
Geburtstag21. Februar 1963 in Düren (NRW)
BerufPolitiker, Mediziner und Gesundheitsökonom
ParteiSPD (zuvor CDU)
Mitglied des Bundestags seit2005

Karl Lauterbach bei Markus Lanz (ZDF): SPD-Politiker kritisiert Corona-Regeln für Weihnachten und Silvester

Lauterbach spricht im ZDF-Jahresrückblick von Markus Lanz über die weiteren Folgen der Erkrankung. Die Langzeitwirkungen von Corona seien noch nicht absehbar, umso wichtiger sei Vorsicht, auch zur Weihnachtszeit. Gerade an die Lockerungen an Silvester und Weihnachten im zweite Lockdown erscheinen ihm unvernünftig.

Die Sendung des ZDF-Moderators Markus Lanz war als Rückblick auf 2020 geplant. Dabei ist natürlich das Thema Corona im Mittelpunkt, der Anschlag in Hanau taucht nur als Randthema auf. Gerade zum Sendezeitpunkt - am Mittwoch, dem Tag des Corona-Gipfels - dominiert das Virus alle Diskussionen. Live wird die Show von der Ansprache von Angela Merkel nach der Bund-Länder-Konferenz unterbrochen. Dadurch wurde das Interview mit Gesundheitsminister Jens Spahn abgebrochen, als es zur Frage kam, wie Spahn selbst mit 2020 fertig wird.

Bund und Länder haben sich auf eine Erweiterung des Teil-Lockdowns geeinigt. Die strengeren Regeln gelten mindestens noch bis Jahresende, werden jedoch zu Weihnachten und Silvester/Neujahr etwas aufgeweicht. Gegen diese Lockerungen spricht sich der SPD-Politiker und Epidemiologe Karl Lauterbach aus NRW mit der Funke Mediegruppe aus. Er sieht eine große Gefahr, dass es zur dritten Welle kommt - ebenso wie ein Mathematiker, der Weihnachten als mögliches Superspreading-Event bezeichnet. Lauterbachs Kritik bezieht sich dabei auf diese neuen Corona-Regeln:

  • Kontakteinschränkungen: Private Treffen mit Freunden, Verwandten und Bekannten sollen sich bis zum 20. Dezember auf den eigenen und einen weiteren Haushalt, in jedem Fall aber auf maximal 5 Personen beschränken. Das gilt nicht für Kinder bis 14 Jahren. Die Bürger in Deutschland werden von Bund und Ländern noch einmal dazu aufgerufen, jeden nicht notwendige Kontakt zu vermeiden und möglichst zu Hause zu bleiben.
  • Weihnachten und Silvester: An den Feiertagen werden die Kontakteinschränkungen gelockert. Die Personenobergrenze für Treffen innen und außen werden vom 23. Dezember bis zum 1. Januar erweitert. Dann sollen sich maximal 10 Personen im engsten Familien- und Freundeskreis treffen dürfen. Auch hier werden Kinder bis 14 Jahren ausgenommen.
  • Feuerwerk: Bund und Länder empfehlen, zum Jahreswechsel auf Feuerwerk zu verzichten. Ein Verkaufsverbot gibt es nicht, dafür aber das Verbot von Böllern auf belebten Plätzen und Straßen. Wo genau, sollen die örtlichen Behörden bestimmen. Öffentlich veranstaltete Feuerwerke sind untersagt.
  • Selbstquarantäne vor den Feiertagen: Um die Gefahr einer Infektion zu verringern, raten Bund und Länder, fünf bis sieben Tage vor den Feiertagen die Kontakte noch einmal drastisch zu reduzieren, sich quasi in Selbstquarantäne zu begeben.

Zu viele Kontakte trotz Corona: Karl Lauterbach kritisiert gelockerte Regeln an Weihnachten

Im Jahresrückblick bei Markus Lanz im ZDF sagte Karl Lauterbach, dass die meisten Menschen zu viele Kontakte haben. Was zuvor in Restaurants oder Bars stattgefunden hätte, würde sich jetzt in den privaten Raum verlagern. Hoffnung auf schnelle Lockerungen macht der Politiker nicht: „Wir müssen noch lange durchhalten“, sagt er im ZDF.

Dabei betont Lauterbach, dass er keineswegs Angst vor Corona schüren will, jedoch zur Vorsicht mahnt. Gerade die Langzeitfolgen, die eine Infektion mit Covid-19 nach sich ziehen könne, seien laut den ersten wissenschaftlichen Erkenntnissen gravierend. Der Wissenschaftler erklärt, dass bei mittelschweren Verläufen Monate nach der Erkrankung neurologische Probleme auftreten können. Dazu gehört der sogenannte Brain Fog („Gehirnnebel“), der für Konzentrationsschwierigkeiten sorgt. Bei älteren Patienten gebe es auch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit zur Demenz. Diese These werde derzeit aber noch untersucht, so Lauterbach.

„Ich bin sehr vorsichtig geworden“, sagt der SPD-Politiker bei Markus Lanz im ZDF. „Je mehr man über Corona weiß, desto mehr versucht man zu verhindern, dass man es bekommt.“ Umso kritischer sieht er die Lockerungen der Corona-Regeln zu Weihnachten und Silvester. Im Zeitungsinterview sagte er, dass diese riskant sein. Wir könnten es uns nicht leisten, eine dritte Welle auszulösen.

Einkaufen zur Weihnachtszeit: Lauterbach sagt, dass viele Corona-Neuinfektionen drohen

Darum solle man 2020 zu Weihnachten darauf verzichten, viele Geschenke zu kaufen und sich in der Stadt beim Weihnachtsshopping vielen möglichen Kontakten und damit potenziellen Infektionen mit dem Coronavirus auszusetzen. Außerdem solle man sich in Selbstquarantäne begeben, um andere zu schützen, sagte Lauterbach.

Der Wissenschaftler rechnet noch mit 6000 weiteren Corona-Todesfällen bis Weihnachten. „Zu Hause zu bleiben und eine Selbstquarantäne zu machen ist das beste Geschenk, das man seinen Eltern und Freunden machen kann“, sagte Karl Lauterbach. Bei Markus Lanz gab er zudem zu bedenken, dass auch er unter den sozialen Einschränkungen leide. „Ich habe einen großen Freundeskreis, und das vermisse ich massiv.“ Seine Mutter treffe er nur noch draußen in eisiger Kälte auf der überdachter Terrasse, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Ein kleines Zeichen der Hoffnung haben Forscher aus den USA jetzt aber bekannt gegeben: Viele Patienten, die eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben, zeigen auch Monate später noch viele Antikörper gegen das Virus. Diese Erkenntnis ist wichtig für das Thema impfen: Wenn die Immunität bleibt, muss nicht nachgeimpft werden.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg

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