Hohe Zahlen in Deutschland

Corona-Regeln für Weihnachten: Lockerungen auf der Kippe - Lauterbach fordert harten Lockdown

Wegen der weiter hohen Corona-Zahlen in Deutschland stehen die gelockerten Regeln für Weihnachten auf der Kippe. Karl Lauterbach würde noch weiter gehen.

  • Bund und Länder hatten sich zuletzt auf gelockerte Regeln für Weihnachten geeinigt.
  • Die Coronavirus-Zahlen zwingen die Politiker aber möglicherweise zum Umdenken.
  • Rufe nach schärferen Regeln und einem weiteren Corona-Gipfel werden lauter. (News zum Coronavirus)

Update vom 9. Dezember, 11.18 Uhr: Wackeln die gelockerten Corona-Regeln an Weihnachten in NRW? Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hat im Interview bei WDR2 klar Stellung bezogen.

Die Lockerungen bedeuten im Falle von Weihnachten, dass sich Familien treffen dürften, sagte Laschet und verwies auf die nach wie vor geschlossenen Restaurants.

Corona-Regeln für Weihnachten: Lockerungen wackeln - Lauterbach regt harten Lockdown an

[Erstmeldung vom 7. Dezember] Hamm - Kurz vor Weihnachten reißen die Diskussionen nicht ab. Sind die Lockerungen für das Fest der Liebe, die Bund und Länder bei ihrem jüngsten Treffen zur Corona-Lage in Deutschland beschlossen haben, überhaupt tragbar? Aktuell sprechen viele Dinge dagegen.

Denn: Die Corona-Zahlen in Deutschland stagnieren auf einem (zu) hohen Niveau. Die Kurve mit der Anzahl der Neuinfektionen wächst zwar nicht mehr, sie geht aber auch nicht wirklich runter. Ein besorgniserregender Zustand.

In Bayern hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bereits reagiert und den Katastrophenfall ausgerufen. Auch in Baden-Württemberg gibt es bereits eine Ausgangssperre. Ist das erst der Anfang? Werden die von Bund und Ländern beschlossenen gelockerten Corona-Regeln an Weihnachten wieder verschärft?

Corona-Regeln für Weihnachten verschärfen? Für Markus Söder reichen aktuelle Maßnahmen nicht aus

Die Rufe danach werden jedenfalls lauter. „Das jetzige System reicht nicht“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Montag im ARD-Morgenmagazin. „Die Zahlen bleiben stabil, jeden Tag gibt es neue Infektionen, die Zahl der Todesfälle steigt.“ In einer Videoschalte der Unionsfraktion hat auch Kanzlerin Merkel am Montag härtere Maßnahmen gefordert.

Wegen der weiterhin hohen Corona-Zahlen in Deutschland hat mittlerweile auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund die angekündigten Corona-Lockerungen für Weihnachten infrage gestellt. „Wir werden in Deutschland insgesamt darüber sprechen müssen, ob die geplanten Lockerungen für Weihnachten und Silvester tatsächlich richtig sind“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Rheinischen Post. „Sie werden unweigerlich zu weiteren Kontakten und zusätzlichen Reiseaktivitäten führen und stellen damit ein Risiko für einen Anstieg der Neuinfektionen dar.“

Erneut schlug auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach Alarm. Daher begrüße er den Schritt von Söder in Bayern, sagte der Epidemiologe bei WDR5. „So, wie wir jetzt vorgehen, können wir nicht weitermachen. Wir können uns nicht weiter 400 bis 500 Todesfälle pro Tag erlauben. Das würde bedeuten, dass bis Ende Januar mindestens 25000 Menschen an Corona sterben würden. Das ist dann kein gutes Fest.“

Corona-Regeln für Weihnachten verschärfen? Karl Lauterbach empfiehlt Maske im Kreis der Familie

Lauterbach rät dazu, an Weihnachten mit der Familie freiwillig eine Maske zu tragen. „Die Massen-Infektionen haben wir nicht draußen, sondern drinnen“, erläuterte Lauterbach.

Der 57-Jährige plädiert daher dafür - wie viele anderen Politiker auch -, dass sich Bund und Länder noch vor Weihnachten erneut treffen sollen, um die aktuellen Corona-Regeln beziehungsweise die Lockerungen für Weihnachten zu überdenken. Söder wäre ebenfalls für einen früheren Corona-Gipfel mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU): „Wir müssen handeln, besser früh als später.“ 

Auch die Kanzlerin reagierte: Laut Merkel sei es dringend nötig, noch vor Weihnachten über neue Corona-Regeln zu entscheiden. Ein weiterer Corona-Gipfel mit Bund und Ländern sei daher unausweichlich.

Micheal Müller (SPD), Berlins Regierender Bürgermeister und derzeitige Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, sieht ein weiteres Bund-Länder-Treffen mit Kanzlerin Merkel vor Weihnachten derweil kritisch. „Ich bin da noch unsicher“, sagte Müller im Bayerischen Rundfunk. „Wir haben ja ganz bewusst in beide Richtungen Dinge möglich gemacht.“ Die Länder könnten für sich passende Maßnahmen beschließen. Das nächste Treffen war ursprünglich für den 4. Januar angesetzt. Über die mögliche Verschärfung der Corona-Regeln an Weihnachten berichtet auch Ruhr24.de*.

NRW schließt Verschärfung der Corona-Regeln nicht aus - auch mit Blick auf Weihnachten

Und Nordrhein-Westfalen? Das Land NRW schließt eine bundesweite Verschärfung der Corona-Regeln prinzipiell nicht aus. „Sollte sich die Gesamtlage nicht zeitnah verbessern, erscheint auch bundesweit ein noch restriktiveres Vorgehen notwendig, um die Zahl der Neuinfektionen überall deutlicher zu reduzieren“, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. „Dass Länder mit einem flächendeckend zusätzlich herausfordernden Infektionsgeschehen weitere Maßnahmen ergreifen, entspricht der Logik des gemeinsamen Beschlusses der Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin. Nordrhein-Westfalen setze weiter auf den engen Schulterschluss von Bund und Ländern.

SPD-Oppositionsführer Thomas Kutschaty empfahl für NRW einen restriktiven Kurs für Silvester: Feiern mit bis zu zehn Personen aus ebenso vielen Haushalten seien angesichts der Entwicklung der Corona-Infektionen nicht mehr zu vertreten. Er forderte „neue Verbote“ für Silvester - möglichst bundesweit einheitliche.

Lauterbach fordert schärfere Corona-Regeln an Weihnachten und fordert härteren Lockdown

Lauterbach gehen die aktuellen Corona-Regeln dabei jedoch nicht weit genug. Er regt an, sämtliche Geschäfte nach Weihnachten komplett zu schließen - „mindestens bis in die erste Januar-Woche hinein“, erklärte der SPD-Politiker seine Idee eines härteren Lockdowns. Darüber hinaus würde er die Weihnachtsferien 2020 verlängern.

„Wir kommen mit den bisherigen Maßnahmen nicht hin“, sagte Lauterbach: „Dieser Wellenbrecher-Shutdown wirkt nicht gut genug, die Leute halten sich nicht ausreichend daran. Daher müssen wir jetzt relativ schnell reagieren. Wir brauchen bundeseinheitliche Regeln. Da kann es Ausnahmen für Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern geben, die eine viel niedrigere Inzidenz haben. Aber in allen anderen Bundesländern haben wir im Moment die Kontrolle über die Pandemie verloren - dahingehend, dass wir zu viele Todesfälle haben.“

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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