Bundestagswahl 2021

Wahl-O-Mat nutzlos? Experte mit deutlicher Kritik an beliebtem Online-Tool

Der Wahlomat zur Bundestagswahl 2021 ist für viele Deutsche eine wichtige Entscheidungshilfe. Doch ist das Tool wirklich so nützlich? Ein Experte äußert Kritik.

Hamm - Nach 16 Jahren endet bald die Ära von Angela Merkel. Nach der Bundestagswahl 2021 am 26. September 2021 wird sich entscheiden, wer der Bundeskanzlerin nachfolgen wird: Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) oder Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen). Bei der Entscheidung, bei welcher Partei das Kreuz gemacht werden soll, lassen sich viele Bürger vom Wahlomat unterstützen. Doch ist das Online-Tool der Bundeszentrale für politische Bildung wirklich so hilfreich? Ein Experte äußert Kritik.

WahlBundestagswahl 2021
DatumSonntag, 26. September 2021
OrtDeutschland

Wahlomat zur Bundestagswahl 2021: Experte äußert Kritik

Bei dem Wahlomat werden den Nutzern 38 politische Thesen angezeigt, die mit „stimme zu“, „neutral“ oder „stimme nicht zu“ bewertet werden können. Die 47 Parteien, die bei der Bundestagswahl 2021 antreten, haben zuvor ebenfalls ihre Positionen zu den Punkten mitgeteilt. Nach beendeter Umfrage werden die eigenen Ergebnisse mit denen der Parteien verglichen und auf diese Weise den Bürgern Empfehlungen gegeben.

Doch ein Experte sieht das Tool kritisch. Im Gespräch mit t-online.de erklärt der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider, dass der Wahlomat einige Schwächen hat. So würden die Auswahlprozesse der Thesen dazu führen, dass einige Themen zu kurz kommen.

„Es wird nach Themen gesucht, bei denen es zwischen den Parteien die deutlichsten Unterschiede gibt“, erläutert Frank Brettschneider. Das sei wichtig, damit der Wahlomat deutlichere Ergebnisse liefert. Doch diese Vorgehensweise lässt viele Themen außen vor, die den Bürgern wirklich am Herzen liegen - weil sich die Positionen der Parteien hierbei nicht deutlich genug voneinander unterscheiden.

Wahlomat zur Bundestagswahl 2021: Nutzer sind unzufrieden

So äußern sich auf Twitter, wo der Hashtag „Wahlomat“ aktuell trendet, viele User darüber, dass ihnen wichtige Themen fehlen. So beschwert sich ein User auf der Plattform: „Gendern ist beim Wahlomat Thema, Seenotrettung und Polizeigewalt nicht“. Auch dass das Thema Coronavirus kaum eine Rolle spielt, stößt vielen Twitter-Nutzern sauer auf.

Das Fehlen wichtiger politischer Themenfelder ist nicht der einzige Punkt der Kritik. So wurde dem Wahlomat schon häufiger vorgeworfen, dass er sich nur auf die Wahlprogramme der Parteien stützt. Ob die politischen Versprechen eingehalten werden können, wie die Parteien in der Vergangenheit wirklich gehandelt haben, spiele jedoch keine Rolle.

Wahlomat zur Bundestagswahl 2021: Diese Alternativen gibt es

Es gibt mittlerweile Tools, die eine andere Herangehensweise favorisieren. So stützt sich „DeinWal“ nicht auf die Wahlprogrammversprechen, sondern berücksichtigt, wie die Parteien im Bundestag in der vergangenen Legislaturperiode abgestimmt haben. Der Nutzer kann per „Daumen hoch“- oder „Daumen runter“-Antwortmöglichkeit mit abstimmen und so am Ende sehen, mit welchem Abstimmungsverhalten welcher Partei es die meisten Gemeinsamkeiten gibt.

Für Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider steht fest: „Der Wahlomat nimmt einem nicht das Wählen ab.“ Das Tool liefere aber eine wichtige Informationsquelle. Ursprünglich wurde die Internetseite 2002 als Entscheidungshilfe für Erstwähler online gestellt, mittlerweile genießt der Wahlomat aber bei allen Bürgern große Beliebtheit. Es gibt mittlerweile sogar kuriose Wahlhilfen wie den Musik-O-Mat.

Der Wahlomat zur Bundestagswahl 2021 ist seit Donnerstag (2.9.2021) online. Eine wichtige Entscheidungshilfe für viele Wähler war auch das erste Triell der drei Kanzlerkandidaten, nach dem sich Armin Laschet einiges an Spott anhören musste.

Rubriklistenbild: © Sophia Kembowski/dpa

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