1. Wahlgang am Sonntag

Frankreich-Wahl: Das sagen die letzten Umfragen

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Elf Bewerber wollen an die Spitze Frankreichs. Wer gewinnt, entscheidet sich wohl bei der Stichwahl am 7. Mai.

München - Frankreich wählt am Sonntag den Nachfolger von François Hollande in einem ersten Wahlgang. Hier erfahren Sie, welches Ergebnis die Umfragen den elf Kandidaten voraussagen.

Die Liste der Präsidentschaftskandidaten in Frankreich ist lang: Elf Bewerber wollen die Nachfolge von François Hollande antreten. Schon allein deswegen erscheint es als nahezu sicher, dass der erste Wahlgang an diesem Sonntag, 23. April, noch nicht ausreicht und die Franzosen zwei Wochen später, am 7. Mai, erneut an die Wahlurnen treten werden. Spätestens dann, in der Stichwahl, wird sich endgültig entscheiden, wer gewonnen hat.

Das sind die elf Kandidaten für die Präsidentschaftswahl in Frankreich:

  • Emmanuel Macron (En Marche!)
  • Marine Le Pen (Front National)
  • François Fillon (Les Républicains)
  • Benoît Hamon (Parti socialiste)
  • Jean-Luc Mélenchon (La France insoumise)
  • Nicolas Dupont-Aignan (Debout la France)
  • François Asselineau (Union populaire républicaine)
  • Nathalie Arthaud (Lutte ouvrière)
  • Philippe Poutou (Nouveau Parti anticapitaliste)
  • Jean Lassalle (Résistons!)
  • Jacques Cheminade (Solidarité et progrès)

Vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich machen viele Politiker vor allem durch Enthüllungen und Skandale auf sich aufmerksam. Der Konservative François Fillon ist mit einem Ermittlungsverfahren konfrontiert, die Rechtspopulistin Marine Le Pen wehrt sich in der Affäre um fiktive Arbeitsverträge im Europaparlament, und die Justiz interessiert sich für eine US-Reise des damaligen Wirtschaftsministers und heutigen Kandidaten Emmanuel Macron.

Deswegen sind bei den Wählern vor allem Unsicherheit und Irritation groß, meint zumindest die Tageszeitung „Le Monde“. Viele Wähler seien noch unentschlossen, nur zwei Drittel von ihnen sind sich aktuell überhaupt sicher, dass sie am 23. April zur ersten Wahlrunde zu gehen werden. Hier erfahren Sie, wann nach den Wahlgängen die Ergebnisse bekannt gegeben werden.

Für den 1. Wahlgang gibt es derzeit folgende Prognose (laut bundestagswahl-2017.com/frankreich-wahl-2017, Stand: 23. April 2017):

(v.l.) Francois Fillon, Benoit Hamon, Marine Le Pen, Emmanuel Macron und Jean-Luc Melenchon.

Kandidat

Prognose

Marine Le Pen

22 Prozent

Emmanuel Macron

23 Prozent

François Fillon

20 Prozent

Benoît Hamon

8 Prozent

Jean-Luc Mélenchon

19 Prozent

Nicolas Dupont-Aignan

4 Prozent

sonstige

4 Prozent

Wie Sie die Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich im TV und Live-Stream sehen, erfahren Sie hier. In unserem Live-Ticker zur Wahl in Frankreich halten wir Sie stets auf dem Laufenden.

Wahl in Frankreich: Stolze Republik ist skandalmüde

Die einst so stolze Republik ist skandalmüde - das wurde bei der ersten TV-Debatte der wichtigsten Kandidaten deutlich. Vor allem der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron sprach häufig von Transparenz und verzichtete mit seiner Bewegung En Marche! auf eine klassische Partei. Er werde mit privaten Spenden finanziert, tausende Geber hätten im Durchschnitt 50 Euro überwiesen. „Ich bin frei, die Finanzierung ist transparent“, sagte der Ex-Bankier, dem oft unterstellt wird, Wirtschaftsinteressen zu vertreten.

François Fillon galt bei seiner Wahl zum Spitzenkandidaten der bürgerlichen Rechten als Saubermann. Seitdem jedoch litt dieses Image, denn er geriet in der Affäre um den Parlamentsjob seiner Frau richtig in Bedrängnis. In Umfragen liegt Fillon inzwischen nur noch abgeschlagen auf Platz drei. Auch er spricht von Transparenz und will eine hochrangige Kommission einsetzen, um Reformvorschläge zu unterbreiten.

Bei den Sozialisten ist Benoît Hamon der Frontmann. Der Ex-Minister mit dem linken Programm schaffte es aber nicht, die gespaltene Partei zu einen und seinen Wahlkampf in Schwung zu bringen. Auch der 49-Jährige will mehr Klarheit bei den Finanzen, um die Macht von Wirtschaftslobbies zu begrenzen.

Die Konservativen und die Sozialisten zeigen Schwächen, weswegen in der Mitte viel Platz ist. Dort profiliert sich Emmanuel Macron. Er liegt in Umfragen für die erste Wahlrunde knapp hinter Marine Le Pen, der über 25 Prozent der Stimmen zugetraut werden. Der sozialliberale Shooting-Star Macron, der ganz klar für Europa eintritt, kann nach derzeitigen Szenarien Europafeindin Le Pen im entscheidenden Duell am 7. Mai schlagen. Aber: Die Justiz interessiert sich für einen Auftritt Macrons in Las Vegas 2016 wegen einer möglicherweise fehlenden Ausschreibung - der Ex-Minister steht dabei aber dem Vernehmen nach nicht im Mittelpunkt.

Marine Le Pen sieht sich durch den Wahlsieg von Donald Trump in den USA und den „Brexit“ der Briten gestärkt - schließlich will sie Frankreich aus der Eurozone führen und den Neuen Franc als Währung einführen. Doch auch sie ist nicht makellos. Die französische Justiz prüft schon länger, ob aus EU-Mitteln bezahlte Mitarbeiter von Europaabgeordneten der Front National in Wahrheit für die Partei tätig waren. Le Pen verzeichnet wegen des Vorgehens aber bisher keinen Beliebtheitseinbruch.

Doch Skandale sind in Frankreich vor Wahlen nichts Neues, wie die Tageszeitung „La Croix“ neulich schrieb. So musste auch schon der damalige Weltwährungsfonds-Chef Dominique Strauss-Kahn sein Amt nach Vergewaltigungsvorwürfen aufgeben - und damit auch endgültig seine Hoffnung begraben, in seinem Heimatland 2012 zum Präsidentschaftskandidaten der Sozialisten aufzusteigen. Damals setzte sich François Hollande durch, der nach einer glücklosen Amtszeit im Élyséepalast nicht wieder antritt.

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François Fillon: Der 63-jährige Kandidat der konservativen Republikaner will Frankreich eine Rosskur verordnen, um das Land wirtschaftlich wieder fit zu machen. Die Regelarbeitszeit von 35 Stunden in der Woche soll fallen, das gesetzliche Rentenalter will Fillon bis 2022 auf 65 Jahre anheben. „Ich werde der Präsident der nationalen Sanierung sein“, sagte er in der TV-Debatte. Nach seinen Plänen sollen 500.000 Jobs im öffentlichen Dienst wegfallen. Die legale Einwanderung will der Konservative auf das strikte Minimum begrenzen, den Familiennachzug erschweren. Fillon steht wegen einer Affäre um die Beschäftigung seiner Frau in der Kritik.

Francois Fillon.

Benoît Hamon: Der 49-jährige Spitzenkandidat der regierenden Sozialisten will als einziger ein Grundeinkommen einführen. In einer ersten Stufe sollten junge Menschen und Arbeitnehmer mit sehr geringem Einkommen mit 600 Euro monatlich profitieren. Kritik an hohen Kosten wies der zum linken Flügel der Parti Socialiste (PS) gehörende Ex-Minister bisher zurück. Er tritt auch dafür ein, Bankengewinne zusätzlich zu besteuern und bei öffentlichen Aufträgen einen Anteil von 50 Prozent für französische Unternehmen zu reservieren. Davon sollen vor allem Mittelständler profitieren. In der Flüchtlingspolitik strebt er ein europäisches „humanitäres Visum“ an.

Benoit Hamon.

Emmanuel Macron: Der frühere Wirtschaftsminister von Präsident François Hollande will das Rechts-Links-Schema durchbrechen und tritt als unabhängiger Kandidat an. Der 39-jährige Chef der Bewegung En Marche! setzt auf Europa und damit eine Partnerschaft mit Deutschland. Er will als Präsident 120.000 Stellen im öffentlichen Dienst streichen. Laut Denkfabrik iFrap ist sein Wirtschaftsprogramm ausgeglichener als das von Fillon. Allerdings würde Schuldensünder Frankreich unter Macron 2022 immer noch ein Defizit von 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung haben.

Emmanuel Macron.

Jean-Luc Mélenchon: Der Chef der Bewegung La France insoumise kritisiert Europa. Er will über die europäischen Verträge verhandeln und über das Resultat in einem Referendum abstimmen lassen. Das Verteidigungsbündnis Nato will er verlassen, „um nicht mehr in Kriege verwickelt zu werden, die wir nicht kontrollieren“. Der 65 Jahre alte Linkspolitiker will auch ein Umwelt-Präsident sein und plädiert deshalb für den Ausstieg aus der Atomenergie.

Jean-Luc Melenchon.

Marine Le Pen: Die Rechtspopulistin von der Front National (FN) ist eine leidenschaftliche EU-Gegnerin. Sie will die Franzosen über den Verbleib in der Union abstimmen lassen. Außerdem soll Frankreich den Euro abschaffen und das Schengen-Abkommen für das Reisen ohne Grenzkontrollen verlassen. Sie pocht auf nationale Unabhängigkeit - sie wolle nicht „Vizekanzlerin von Frau Merkel“ sein, sagte Le Pen in der Debatte. Die 48-jährige Chefin der FN sieht sich nach dem angekündigten Brexit der Briten und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im Aufwind. „Ich will die Einwanderung stoppen“, lautet eine ihrer Devisen.

Marine Le Pen.

pak mit dpa

Kommentare

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Kommentare

Ludger Went
(3)(0)

Oh, der Lieblingskandidat von Martin Schulz werden nur 13% hervorgesagt.
https://www.neues-deutschla...

Wer sich in der französischen Politik nicht so auskennt, dem sei gesagt, wenn er Lafontaine und Wagenknecht für links hält, der kennt nicht Benoit Hamon. Noch radikaler, noch wirtschaftsfeinlicher und noch mehr etatistisch als es einer von der Linkspartei je war. Das ist das Wirtschaftsmodell was Martin Schulz preferiert. Hollande ist ja schon mit seiner Wirtschaftspolitik in Frankreich gescheitert und hat Frankreich durch reformunwilligkeit zum kranken Mann gemacht. Aber mit Hamon geht es noch mal ein Stück zurück in die Klamottenkiste der unflexiblen Staatswirtschaftlerei. Anscheind findet Martin Schulz gefallen daran.