USA will Waffengang verhindern

Steht Israel-Angriff auf den Iran bevor?

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Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu

Washington/Tel Aviv - Die USA bemühen sich weiter, Israel von einem Iran-Angriff noch vor der US-Wahl abzuhalten. Doch die Planungen sind offenbar weit fortgeschritten. Ein Minister spricht von 30 Tagen Mehrfrontenkrieg.

Israel hat nach Einschätzung von US-Verteidigungsminister Leon Panetta noch nicht über einen Angriff auf Atomanlagen im Iran entschieden. Nach Berichten israelischer Medien dringt Regierungschef Benjamin Netanjahu dagegen auf einen Angriff im Herbst.

Die Planungen für einen Waffengang sind offenbar schon weit fortgeschritten. Der scheidende Minister für Zivilverteidigung, Matan Vilnai, betonte am Mittwoch, alles sei bereit. “Die Schätzungen gehen von einen Krieg aus, der 30 Tage dauert und an mehreren Fronten stattfindet“, sagte er der Zeitung “Maariv“. Dabei werde mit etwa 500 Toten gerechnet.

Grund für Hysterie sieht Vilnai, künftiger Botschafter Israels in Peking, trotzdem nicht. “Die Heimatfront ist so gut vorbereitet wie nie zuvor“, betonte er. “Mit aller Bescheidenheit sage ich, dass ich dabei (...) eine wichtige Rolle gespielt habe“.

Hunderte Unterzeichner einer Internet-Petition gegen einen Angriff auf den Iran zeigten sich indes wesentlich beunruhigter. Sie riefen israelische Kampfpiloten zur Befehlsverweigerung im Falle eines Angriffs auf. Der “verhängnisvolle Befehl“ könne schon bald kommen, heißt es in dem Aufruf: “Ihr habt aber die Option, nein zu sagen“.

Das israelische Fernsehen berichtete unterdessen, US-Präsident Barack Obama könne die Ankündigung eines militärischen Eingreifens der USA eventuell noch klarer als bisher formulieren, um Netanjahu doch noch zu stoppen. Regierungsvertreter beider Seiten planten ein Treffen Obamas mit Netanjahu im September oder Oktober in den USA. Dabei solle Obama verbindlich zusagen, dass die USA spätestens bis Juni kommenden Jahres militärisch gegen das iranische Atomprogramm vorgingen, falls Sanktionen und diplomatischer Druck Teheran nicht zum Einlenken bewegt haben sollten. Eine offizielle Stellungnahme zu dem Bericht gab es nicht.

Mit Blick auf die Führung in Israel sagte Panetta am Dienstag vor Journalisten in Washington: “Ich glaube nicht, dass sie die Entscheidung, ob sie den Iran angreifen oder nicht, gefällt haben.“ Allerdings fügte Panetta hinzu, Israel sei ein souveräner Staat, der letztlich in Sachen nationaler Sicherheit eigene Entscheidungen treffe. “Aber ich glaube nicht, dass sie diese Entscheidung bislang gefällt haben.“ Generalstabschef Martin Dempsey bekräftigte seine Haltung, ein israelischer Angriff könnte das iranische Atomprogramm zwar verzögern, nicht aber völlig zerschlagen.

Die internationale Gemeinschaft verdächtigt den Iran, sein Atomprogramm zum Bau von Nuklearwaffen zu nutzen. Israel betrachtet Atombomben in den Händen der Führung in Teheran als eine Bedrohung seiner Existenz. Der Iran betont, das Programm habe nur friedliche Ziele.

dpa

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