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Zirkel der Macht im Kreml: Das sind Putins Vertraute

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Von: Sandra Kathe

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Seit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine blickt die Welt vor allem auf Wladimir Putin als Drahtzieher des Krieges. Doch auch andere haben Einfluss.

Moskau – Seit über drei Monaten blickt die Welt mit Sorge auf das Kriegsgeschehen in der Ukraine und sieht dabei vor allem die Staatschefs beider Länder als Gesichter des Kriegs. Auf der einen Seite den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der von Anfang an klar machte, dass die Ukraine um ihre Freiheit kämpfen würde, auf der anderen den russischen Machthaber Wladimir Putin, dessen Land durch den Angriffskrieg immer weiter von der internationalen Staatengemeinschaft isoliert wird.

Auch Putin selbst erscheint auf den ersten Blick als einsamer Entscheider, der ganz und gar selbst hinter dem Krieg steht, was bei einem Militäreinsatz dieser Größe jedoch nur ein erster Eindruck sein kann. Denn so mächtig Putin in Russland auch sein mag, sein Einfluss in Zeiten des Ukraine-Krieges ist auch gestützt auf einige Menschen, die hinter – und gleichzeitig teils seit vielen Jahren unter – ihm stehen.

News zum Ukraine-Krieg: Putins inoffizielle Nummer wwei heißt Nikolai Patruschew

So etwa Nikolai Patruschew, der seit 2008 dem Sicherheitsrat der Russischen Föderation als Sekretär vorsteht und vorher einige Jahre lang Putins Nachfolger als Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB war. Aus Insider-Kreisen heißt es seit langem, dass kaum jemand so großen Einfluss auf Russlands Präsidenten hat wie Patruschew, der wie Putin viele Jahre KGB-Mann war und in Spekulationen um eine mögliche schwere Erkrankung Putins sogar als potenzieller Putin-Nachfolger gehandelt wird.

Im russischen Sicherheitsrat sitzen seit Jahren einige der wichtigsten Männer aus Putins engstem Zirkel. (Archivfoto)
Im russischen Sicherheitsrat sitzen seit Jahren einige der wichtigsten Männer aus Putins engstem Zirkel. (Archivfoto) © Alexey Nikolsky / AFP

Dass Patruschew wie kaum ein anderer hinter dem russischen Kriegseinsatz steht, machte etwa sein Auftritt in einer öffentlich übertragenen Sitzung des Sicherheitsrats deutlich. Darin warf Patruschew wenige Tage nach Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine den USA Pläne vor, Russland „zerschlagen“ zu wollen. Die Menschen in der Ukraine bezeichnete er, wie der Focus berichtete, bereits im Herbst 2021 öffentlich als „Nicht-Menschen“.

Ukraine-News: Menschen an der Seite von Putin – Geheimdienst-Chefs Naryschkin und Bortnikow

Auch zwei weitere enge Putin-Vertraute stehen im Zusammenhang mit den Geheimdiensten des ehemaligen Sowjet-Staats, dessen heutiger Machthaber seit Jahren öffentlich deutlich machte, dass er den Zerfall der gescheiterten Sowjetunion mehr als nur bedauert. Der Chef des Auslandsgeheimdienstes SWR, Sergej Naryschkin sowie Patruschews Nachfolger an der Spitze des FSB, Alexander Bortnikow. Gegen Letzteren wurden bereits nach dem Giftanschlag auf den Kreml-Gegner Alexej Nawalny Sanktionen verhängt.

Auch Naryschkin verbreitete bereits mehrfach die Behauptung, dass die USA mit den Sanktionen für Russlands Angriffskrieg die russische Regierung zerstören wolle und symbolisierte in Putins Machtapparat zuletzt öffentlich wie wenig Respekt Putin seinen engsten Vertrauten entgegenbringt. In einer vom russischen Fernsehen übertragenen Sicherheitsratssitzung hatte Putin Naryschkin öffentlich gemaßregelt. Der russische Investigativjournalist Alexei Soldatow erklärte gegenüber dem britischen Sender BBC, Putin hätte Naryschkin bewusst „wie einen Idioten aussehen“ lassen, zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland.

News zum Ukraine-Krieg: Putins Unterstützer – Verteidigungsminister und Tschetschenen-Führer

Zu den einflussreichen Menschen in Putins Zirkel zählen auch einige amtierende Minister, wie der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu, der seit 2012 im Amt ist und in seiner Funktion als Verteidigungsminister bereits den Überfall auf die Krim organisiert hatte. Der erfolglose Kriegsauftakt in der Ukraine schien Schoigu für einige Wochen im Frühjahr seinen Posten gekostet zu haben. Damals war er für mehrere Wochen von der Bildfläche verschwunden.

Ein Putin-Vertrauter, dessen Macht derzeit vom Krieg mit der Ukraine zu profitieren scheint, ist der Präsident der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsam Kadyrow, von dem in der Berichterstattung auch immer wieder als „Putins Bluthund“ die Rede ist. Kadyrow spielte bei der russischen Eroberung der Hafenstadt Mariupol eine wichtige Rolle und soll dort wohl auch weiterhin Einfluss ausüben.

Ukraine-News: Putin-Vertraute im Krieg – Präsident als Fixstern eines Sonnensystems

An vielen Politikern, etwa Russlands Außenminister Sergei Lawrow, zeigt sich jedoch auch, wie kontrolliert Putin selbst mit seinen Vertrauten umgeht und der Welt zum Teil das Gefühl gibt, als Marionettenspieler zu agieren. Auch bei den wichtigsten Personen in Russlands Wirtschaft wird immer wieder deutlich, dass Putins Einfluss auf seine Vertrauten über deren Einfluss auf ihn hinausgeht. Mit Zentralbankchefin Elwira Nabiullina ist hier etwa die einzige einflussreiche Frau in Putins Führungsriege angesiedelt. Ein besonders einflussreicher Vertrauter Putins sitzt mit Igor Setschin außerdem an der Spitze von Russlands staatlichem Ölkonzern Rosneft.

Dass Putin zwischen all diesen einflussreichen russischen Amtsträgern dennoch der Hauptauslöser des brutalen Angriffskriegs ist, liegt in den Analysen von Kreml-Experten aber außer Frage. So beschrieb der russische Politikwissenschaftler Wladimir Gelman Putins Kreml kürzlich in der britischen Zeitung Guardian als „Sonnensystem mit Putin als Sonne und all den Planeten verschiedener Umlaufbahnen um ihn herum“. (ska)

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