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„Verhaftung und Verfolgung droht“: Ukrainische Lehrkräfte sollen russischem Lehrplan folgen

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Von: Karolin Schäfer

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Ukrainische Lehrkräfte sollen in besetzten Gebieten künftig ihren Unterricht nach russischen Standards ausrichten.

Kiew – Der Ukraine-Krieg nimmt vorerst kein Ende. Viele Regionen, etwa im Osten des Landes, sind zwischen von Russland besetzt. Um die Gebietsansprüche zu untermauern, soll es einige Änderungen für die zivile Bevölkerung in der Ukraine geben.

Ukrainische Lehrerinnen und Lehrer sollen in den besetzten Gebieten ihren Unterricht an den russischen Lehrplan anpassen. Dafür sollen sie innerhalb der kommenden Wochen entsprechende Dokumente unterzeichnen, berichtete die britische Zeitung The Guardian.

News zum Ukraine-Krieg: Lehrkräfte sollen russische Standards im Unterricht umsetzen

Sollten sich die Lehrkräfte weigern, die Dokumente zu unterschreiben, verlieren sie womöglich ihren Arbeitsplatz. Entscheiden sie sich für den russischen Lehrplan, besteht die Gefahr, dass sie wegen Unterstützung des Feindes Schwierigkeiten mit den ukrainischen Behörden bekommen.

Ukraine-Russland-Krieg
OrtUkraine
Einmarsch russischer Truppenab 24. Februar 2022
Ausgangandauernd

Einige Lehrkräfte berichteten gegenüber der britischen Zeitung, dass sie von neu ernannten lokalen Behörden dazu aufgefordert wurden, die Dokumente zu unterzeichnen. Sollten sie sich weigern, droht die Kündigung. Die Frist soll bis zum 21. Juli angesetzt worden sein. Unabhängig prüfen lassen sich die Angaben nicht.

News zum Ukraine-Krieg: Bestimmte Schulfächer sollen angepasst werden

Russlands Bildungsminister hatte bereits im Juni angekündigt, dass mit Beginn des neuen Schuljahres im September alle Schulen in den besetzten Gebieten nach russischen Lehrplänen arbeiten müssten. „Wir werden unser Bestes tun, um die Schulen am 1. September so zu öffnen, dass sie so weit wie möglich nach russischen Standards arbeiten können“, sagte Sergej Krawzow. Dafür seien bereits einige Schritte unternommen worden, wie „die Ausbildung von Lehrern und die Bereitstellung von Schulbüchern.“

Umstellungen nach russischem Standard soll es in erster Linie in Fächern wie Geschichte, Literatur und Geografie geben, berichtete ein Lehrer in einer besetzten Siedlung in der Region Charkiw gegenüber The Guardian. Lehrpläne für Mathematik, Physik, Biologie und Chemie dagegen sollen vorerst nicht angepasst werden.

Ukraine-Krieg: Russische Propaganda in Schulen steht unter Strafe

Das ukrainische Ministerium für Bildung und Wissenschaft (MES) bezeichnete das Unterrichten nach russischen Standards als Unterstützung des Feindes. Russische Propaganda in Bildungseinrichtungen kann nach Informationen von The Guardian sogar mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. Allerdings müsse man „ganz klar unterscheiden, ob die Person unter Druck oder sogar unter Lebensgefahr zur Arbeit gezwungen wurde, oder ob sie freiwillig mitgearbeitet hat, oder ob es sogar ihre Initiative war, mitzuarbeiten“, erklärte der ukrainische Bildungsbeauftragte Sergii Gorbachov der Zeitung.

Zwei Kinder sitzen auf einer Schaukel und blicken auf ein durch russische Militärangriffe ausgebranntes mehrstöckiges Wohngebäude. Ab September soll die Schule in besetzten Gebieten nach russischen Standards weiter gehen.
Zwei Kinder sitzen auf einer Schaukel und blicken auf ein durch russische Militärangriffe ausgebranntes mehrstöckiges Wohngebäude. Ab September soll die Schule in besetzten Gebieten nach russischen Standards weiter gehen. © kyodo/dpa

Dagegen gibt es Hilferufe von Lehrkräften, die sich weigern, ihren Unterricht nach russischen Lehrplänen auszurichten. „Uns liegen zahlreiche Appelle von Lehrern aus den besetzten Gebieten vor“, sagte Gorbachov. „Ihnen droht die Vertreibung aus ihren Häusern, sie sind von Verhaftung und Verfolgung bedroht.“

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew, in der die russische Eroberung scheiterte, soll zu Beginn des neuen Schuljahrs wieder der Unterricht beginnen. „Die wichtigste Aufgabe für das neue Schuljahr ist die Sicherheit von Schülern und Lehrern“, äußerte sich Olena Fidanyan, Leiterin der Abteilung für Bildung und Wissenschaft in Kiew, in einem Statement am Freitag (1. Juli). (kas)

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