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Ukraine-News: Ehefrauen schildern „schreckliche“ Situation der Azowstal-Soldaten in Mariupol

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Von: Astrid Theil, Felix Durach

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Russlands Truppen erleben im Ukraine-Krieg weitere Rückschläge. Präsident Selenskyj spricht von einer „sehr schwierigen“ Lage im Donbass. Der News-Ticker.

Update vom 15. Mai, 19.18 Uhr: In der ostukrainischen Stadt Sjewjerodonezk sind offiziellen Angaben zufolge zwei Menschen infolge von russischem Beschuss gestorben. Bei den Angriffen am Samstag sei ein Haus getroffen worden, teilte der Militärgouverneur des Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, mit.

Der Artilleriebeschuss sei auch in den vergangenen Stunden weitergegangen, schrieb Hajdaj im sozialen Netzwerk Telegram. Zuvor hatte er bereits über neun Verletzte infolge von Angriffen auf ein Krankenhaus gesprochen. Die Angaben konnten zunächst nicht überprüft werden.

Frauen schildern „schreckliche“ Situation der Azowstal-Soldaten

Update vom 15. Mai, 18.02 Uhr: Mehrere Ehefrauen der letzten ukrainischen Kämpfer in der Hafenstadt Mariupol haben katastrophale Zustände im Stahlwerk Azowstal geschildert. Pro Person gebe es nur noch ein Glas Wasser am Tag, sagte eine der Frauen in einem Interview, aus dem ukrainische Medien am Sonntag zitierten.

Sie habe zuletzt vor einigen Stunden mit ihrem Mann telefonieren können, sagte die Frau. Sie und die anderen forderten einmal mehr eine Evakuierung aller verschanzten Kämpfer - zuerst der Schwerverletzten unter ihnen. Deren Situation sei „schrecklich“: Manchen fehlten Arme oder Beine, es gebe kaum noch Medikamente oder Betäubungsmittel.

In dem Stahlwerk, das seit Wochen von Russen und prorussischen Separatisten umzingelt und beschossen wird, haben sich nach ukrainischen Angaben rund 1.000 Verteidiger von Mariupol verschanzt. Rund 600 sollen verletzt sein, hieß es zuletzt.

Die ukrainische Armee ist weit von Mariupol entfernt und hat derzeit keine Chance, die weitgehend von den Russen eingenommene Stadt zu befreien. „Die Stimmung ist pessimistisch, weil es fast keine Hoffnung auf Rettung gibt“, sagte die Frau eines Kämpfers in dem Interview. „Sie bereiten sich auf den letzten Kampf vor, weil sie nicht an eine diplomatische Lösung glauben.“

Russland meldet erneut Beschuss nahe ukrainischer Grenze

Update vom 15. Mai, 15.30 Uhr: Nach russischen Angaben kam es am Sonntag erneut zu Angriffen auf die Region Belgorod nahe der Grenze zur Ukraine. Bei Beschuss des Dorfes Sereda durch das ukrainische Militär sei ein Zivilist verletzt worden, teilte der Gouverneur des Gebiets Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, am Sonntag im Nachrichtenkanal Telegram mit. In den Grenzgebieten kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Bereits in der vergangenen Woche sprach Gladkow von einem Toten und mehreren Verletzten beim Beschuss des Dorfes Solochi.

Die Grenzregionen, darunter auch Kursk, Brjansk und Woronesch, hatten wiederholt einen Beschuss von ukrainischer Seite beklagt. Die Ukraine weist Vorwürfe, Ziele wie Munitionsdepots oder Kraftstofflager im großen Nachbarland beschossen zu haben, in der Regel zurück. Russland hatte gedroht, Kommandostellen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew als Ziele seiner Raketenangriffe ins Visier zu nehmen, sollte der Beschuss nicht aufhören. Die Informationen können aktuell jedoch nicht unabhängig überprüft werden.

Britischer Geheimdienst über russische Verluste - ein Drittel der Bodentruppen verloren

Update vom 15. Mai, 11.40 Uhr: Das russische Militär hat im bisherigen Verlauf des Angriffskrieges auf die Ukraine schwere Verluste hinnehmen müssen. Wie schwer diese Verluste wirklich waren, zeigt nun ein Bericht des britischen Geheimdienstes, den das britische Verteidigungsministerium auf Twitter veröffentlicht hat. Demnach hat Moskau seit Februar ein Drittel der in der Ukraine eingesetzten Bodentruppen verloren. Noch mehr verschärft werde die Situation durch den Verlust von entscheidendem Material zum Brückenbau und zur Aufklärung.

„Die russischen Streitkräfte sind zunehmend eingeschränkt durch zerstörte Fähigkeiten zur Versorgung, anhaltend niedriger Kampfmoral und reduzierter Kampfkraft“, heißt es in dem am Sonntag veröffentlichten Bericht. Die russische Offensive im Donbass habe demnach an Schwung verloren und liege weit hinter dem Zeitplan zurück. Die Abnutzung von Truppe und Material sei hoch, der Gebietsgewinn im vergangenen Monat jedoch unbedeutend. „Unter den derzeitigen Bedingungen ist es unwahrscheinlich, dass Russland seine Vorstöße in den kommenden 30 Tagen dramatisch beschleunigt“, so das Fazit der Experten.

Phosphorbomben auf Asow-Stahlwerk: Ukraine berichtet über makabere ESC-Botschaften

Update vom 15. Mai, 10.01 Uhr: Nach Angaben der ukrainischen Militärführung haben russische Truppen das Asow-Stahlwerk in der stark zerstörten Hafenstadt Mariupol, in dem sich immer noch rund 1000 ukrainische Verteidiger befinden sollen, mit Phosphorbomben beschossen. „Die Hölle ist auf die Erde gekommen. Zu Azovstal“, schrieb der Mariupoler Stadtratsabgeordnete Petro Andrjuschtschenko am Sonntag im Nachrichtenkanal Telegram. Der Einsatz solcher Brandbomben, die sich durch den Kontakt mit Sauerstoff entzünden, ist verboten.

Andrjuschtschenko veröffentlichte zudem Bilder, die Aufschriften auf Bomben zeigen. Demnach soll das russische Militär damit auf den Sieg der Ukraine beim Eurovision Song Contest (ESC) reagiert haben. Es war zunächst nicht klar, woher diese Fotos stammten. Auf den mutmaßlichen Bomben war demnach auf Russisch zu lesen: „Kalusha, wie gewünscht! Auf Azovstal“ und auf Englisch „Help Mariupol - Help Azovstal right now“ (auf Deutsch: Helft Mariupol - Helft Azovstal sofort) mit dem Datum 14. Mai. Der Sänger der beim ESC siegreichen Band Kalusha Orchestra hatte auf der Bühne in Turin diese Worte in einem Appell gesagt. Die ukrainischen Angaben lassen sich aktuell nicht unabhängig überprüfen.

 Ukraine, Mariupol: Rauch steigt während des Beschusses aus dem Stahlwerk Azovstal in Mariupol auf.
Russische Truppen sollen das Stahlwerk Azovstal - hier während russischem Beschuss am 7. Mai - in Mariupol mit Phosphorbomben angegriffen haben. © Alexei Alexandrov/dpa

Russland formiert Truppen in der Ost-Ukraine neu: Weitere Offensiven trotz Verlusten

Update vom 15. Mai, 9.05 Uhr: Die russischen Streitkräfte gruppieren sich nach Angaben der ukrainischen Führung aktuell im Osten des Landes neu und führen weitere Offensiven durch. Wie das Portal The Kyiv Independent mit Verweis auf den ukrainischen Generalstab vermeldet, gelingt es den russischen Truppen trotz Verlusten weiter in den Gebieten Lyman, Sievierodonetsk, Avdiivka and Kurakhi vorzurücken.

Den ukrainischen Verteidigern sei es jedoch in den letzten 24 Stunden gelungen, zwölf Angriffe in Richtung der Regionen Donezk und Luhansk zurückzuschlagen. Dabei wurden nach ukrainischen Angaben acht Panzer, fünf Artilleriesysteme, neun gepanzerte Kampffahrzeuge und fünf weitere Fahrzeuge der russischen Truppen zerstört. Die Angaben von ukrainischer Seite lassen sich zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nicht unabhängig überprüfen.

Selenskyj über Lage im Donbass: „Schritt um Schritt zwingen wir die Besatzer, unser Land zu verlassen“

Update vom 15. Mai, 7.08 Uhr: Die Lage in der Donbass-Region bleibt für die Ukraine nach Worten von Wolodymyr Selenskyj „sehr schwierig“. Die russischen Truppen versuchten, dort „wenigstens einen gewissen Sieg“ zu schaffen, sagte der ukrainische Präsident in seiner täglichen Videoansprache in der Nacht zum Sonntag.

Das wirke am 80. Tag nach dem Einmarsch „besonders verrückt“, fügt er hinzu. Die russischen Truppen konzentrieren ihre Angriffe auf die Ostukraine, nachdem sie mit ihrem Vormarsch auf Kiew scheiterten. Selenskyj zeigte sich zuversichtlich: „Schritt um Schritt zwingen wir die Besatzer, unser Land zu verlassen.“

Die russischen Truppen greifen in der Ostukraine auf breiter Front an. Unter anderem bei Donezk sei die russische Armee besonders aktiv, schrieb der ukrainische Generalstab am Samstag bei Facebook. Alle Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig prüfen.

Ukraine-Krieg: Anwohner stehen vor einem stark beschädigten Gebäude in Mariupol in der Region Donezk
Aufnahme vom 13. Mai: Szene aus Mariupol in der Region Donezk © Uncredited/AP/dpa

Ukraine-Krieg-News: Türkei will Mariupol-Kämpfer evakuieren

Update vom 14. Mai, 20.54 Uhr: Angeblich sollen russische Truppen ukrainische Zivilisten in Mariupol dazu zwingen, ihre ukrainischen Nummernschilder abzulegen. Wie der Kyiv Independent unter Berufung auf lokale Medienberichte schrieb, sollen die Zivilisten russische Nummernschilder an ihren Fahrzeugen befestigen. Diese Angaben sind jedoch nicht unabhängig überprüfbar.

Update vom 14. Mai, 19.15 Uhr: Die Türkei hat angeboten, die letzten ukrainischen Soldaten, die Mariupol verteidigt haben, zu evakuieren. Wie der Kyiv Independent berichtete, sagte Ibrahim Kalin, ein Regierungssprecher der Türkei, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass das Angebot gemacht wurde. Die Verwundeten würden über das Schwarze Meer in Sicherheit gebracht werden. Der Kreml habe dem Angebot bisher nicht zugestimmt.

Ukraine-Krieg: Ukrainische Soldaten haben russische Vorstöße im Osten abgebremst

Update vom 14. Mai, 15.15 Uhr: Nach eigenen Angaben haben die ukrainischen Truppen den russischen Vormarsch im Osten des Landes ausgebremst. Wie der Gouverneur der Region Lugansk, Serhij Gajdaj, am Samstag mitteilte, hätten die ukrainischen Soldaten die Versuche des Gegners zurückgeschlagen, einen Fluss zu überqueren und auf diese Weise die Stadt Sewerodonezk einzukesseln. Im Norden sollen sich die russischen Streitkräfte laut ukrainischen Angaben aus der Großstadt Charkiw zurückgezogen haben, das für Moskau ein vorrangiges Ziel gewesen war.

„An der Grenze zur Region Donezk, auf der Seite der Stadt Popasna, wird derzeit heftig gekämpft“, erklärte Gajdaj. Dabei erlitten die russischen Truppen nach Angaben des Gouverneurs schwere Verluste an Soldaten und Waffen. Ein „ganzes russisches Bataillon hat sich geweigert, anzugreifen, weil sie gesehen haben, was passiert“, so der Gouverneur weiter. Dies wurde von der ukrainischen Seite berichtet, die Telefongespräche abgehört haben sollen. Luftaufnahmen zeigten Dutzende von zerstörten Panzerfahrzeugen am Flussufer sowie zerstörte Pontonbrücken.

Das britische Verteidigungsministerium bestätigte, dass die russischen Truppen schwere Verluste erlitten hätten, nachdem die ukrainischen Streitkräfte ihren Versuch der Überquerung des Flusses zurückgeschlagen haben. Das Manöver spreche „für den Druck, unter dem die russischen Befehlshaber stehen, ihre Operationen in der Ostukraine voranzubringen“. Das Ministerium erklärte, dass die russischen Streitkräfte „trotz der Konzentration ihrer Kräfte in diesem Gebiet keine nennenswerten Fortschritte gemacht haben“.

Finnland und NATO: Russisches Militärmanöver in der Ostsee

Update vom 14. Mai, 13.00 Uhr: Zwei Tage nachdem Finnland angekündigt hat, der NATO beitreten zu wollen, hat Russland ein umfangreiches Militärmanöver rund um die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad abgehalten. Bei dieser Militärübung seien auch SU-27-Kampfjets zum Einsatz gekommen. Dies berichtet die Agentur Interfax unter Berufung auf die russische Ostsee-Flotte. Bei dem Manöver wurde ein Luftangriff auf Kaliningrad simuliert. Es wurde die Zerstörung von gegnerischen Flugzeugen geübt. Die russische Provinz Kaliningrad mit der gleichnamigen Stadt liegt an der Ostsee zwischen Polen und Litauen.

Donezk: Russland berichtet von bis zu 100 „vernichteten“ ukrainischen Soldaten

Update vom 14. Mai, 12.30 Uhr: Russland hat im Ukraine-Krieg nach eigenen Angaben mehrere Gefechtsstände und zwei Munitionslager im Gebiet Donezk beschossen. Wie der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow am Samstag in Moskau mitteilte, seien dabei auch 23 Einheiten von Militärtechnik außer Gefecht gesetzt und bis zu 100 ukrainische Kämpfer „vernichtet worden“. Außerdem seien in der Nacht zum Samstag 18 Kommandopunkte und 543 militärische Stellungen mit Raketen und Artillerie beschossen worden.

Das Gebiet Donezk sei Schwerpunkt der Angriffe gewesen. Auch ein Munitionslager der ukrainischen Streitkräfte im Gebiet Cherson soll zerstört worden sein. Von russischer Seite aus wurde zuvor bekannt gegeben, die Kontrolle über diese Region in der Südukraine zu haben. Die russische Luftabwehr habe außerdem in den östlichen Gebieten Charkiw, Luhansk und Donezk insgesamt 13 ukrainische Drohnen abgeschossen, sagte Konaschenkow. Diese Aussagen können zunächst nicht unabhängig geprüft werden.

Ukraine-Krieg: Russland erleidet schwere Verluste

Erstmeldung vom 14. Mai, 10.00 Uhr: Kiew - Russland verliert im Ukraine-Krieg immer mehr Soldaten. Nahezu jeden Tag veröffentlicht der ukrainische Generalstab Statistiken zu den Todeszahlen russischer Militärangehöriger. Wladimir Putin* sprach entgegen vieler Erwartungen bei seiner Rede am 9. Mai von „schweren Verlusten“, die Russland im Ukraine-Krieg erlitten habe. Die veröffentlichten Zahlen des Kremls liegen dennoch weit unter denen der Regierung in Kiew.

Der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanov, betonte zuletzt in einem Interview mit Sky News, dass die Stärke der russischen Armee ein Mythos sei. Die Truppen seien viel mehr eine „Horde von Leuten mit Waffen“. Viele Soldaten würden bei Artilleriegefechten ihre Stellung verlassen und ihre Ausrüstung aufgeben. Dennoch sprach Budanov nicht von einem baldigen Sieg der ukrainischen Truppen.

Ukraine-Krieg: Ukrainischer Geheimdienst-Chef erwartet „Wendepunkt“ des Kriegs Ende August

Es werde seiner Einschätzung nach noch mehrere Monate Kämpfe geben. Allerdings erwartet er einen „Wendepunkt“ in der zweiten Augusthälfte. Das Ende des Krieges erwartet Budanov gegen Jahresende. „Wir kennen ihre Pläne, zumeist schon, wenn sie gemacht werden“, betonte Budanov im Interview. Die ukrainische Armee wisse alles über den „Feind“.

Die ukrainische Führung sieht aktuell den Beginn einer „dritten Phase“ des russischen Angriffskriegs. Viktor Andrusyw, Berater im ukrainischen Innenministerium, führte in der Nacht zum Samstag im Fernsehen aus, dass die erste Phase der Versuch gewesen sei, die Ukraine „in wenigen Tagen“ zu überrollen. In einer zweiten Phase sollten die ukrainischen Truppen eingekesselt und zerschlagen werden.

Ukraine-Krieg: „Der Putsch in Moskau hat begonnen“

„Und auch das haben sie nicht geschafft“ betonte Andrusyw. In der neuen „dritten Phase“ würden die russischen Truppen die Verteidigung der bisher erreichten Geländegewinne vorbereiten. „Das zeigt, dass sie einen langen Krieg daraus machen wollen“, sagte Andrusyw. Offenbar denke die russische Regierung, dass sie so den Westen zu Verhandlungen und damit die Ukraine zum Einlenken zwingen könne.

Unabhängig von den Einschätzungen zur weiteren Entwicklung des Ukraine-Krieges betonte Kyrylo Budanov, dass es bald zu einem politischen Machtwechsel im Kreml kommen werde. „Der Putsch in Moskau hat begonnen“, sagte Budanov im Interview mit Sky News. Auch die Frage, ob ein Staatsreich in Russland vorbereitet werde, beantwortete er mit einem eindeutigen „Ja“.

Ukraine-Krieg: Gerüchte über Putins Gesundheitszustand: Krebs und weitere Krankheiten

Bundanov sprach im Interview mit Sky News schließlich auch über Putins angeblich sehr schlechten Gesundheitszustand. Der russische Präsident leide an Krebs und weiteren Krankheiten und sei daher „sehr krank“. Es sei in einer schlechten „psychischen und physischen“ Verfassung. Der Kreml hat zu diesen zuletzt verbreiteten Informationen noch keine Stellung bezogen. Die Aussagen von Budanov und Andrsyw lassen sich nicht unabhängig überprüfen. (at)

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