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„Getreidebrücke“: Wie Deutschland Getreide aus der Ukraine bringen will

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Von: Helena Gries

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In der Ukraine lagern Millionen Tonnen Getreide, die aufgrund des Krieges nicht abtransportiert werden können. Es drohen Hungersnöte und Deutschland will helfen.

Kiew – Die Ukraine gilt mit ihren zahlreichen Getreidefeldern als Kornkammer der Welt. Schließlich wird hier ein Drittel des weltweiten Getreidebedarfs produziert. Wegen des Ukraine-Konfliktes sitzt das Land jedoch auf seinen Vorräten fest. Über 25 Millionen Tonnen Getreide lagern in der Ukraine und können durch die Blockade Russlands nicht abtransportiert werden. Im Ukraine-Krieg hat Russland wichtige ukrainische Häfen am Schwarzen Meer, beispielsweise in Mariupol, besetzt.

Die Landwirte in der Ukraine stehen vor großen logistischen Problemen. Volle Getreide-Lager bieten keinen Platz für die neue Ernte. Expertinnen und Experten sowie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj haben vor einer weltweiten Hungerkrise gewarnt. Bereits in den vergangenen Wochen sind in mehreren Ländern einige Nahrungsmittel knapp geworden. Die Bundesregierung in Deutschland will helfen und hat einen ambitionierten Schienen-Plan entworfen. Für Getreide-Transporte über den Landweg in die EU seien finanzielle Mittel zugesagt worden.

Deutschland will mit „Getreidebrücke“ im Ukraine-Konflikt helfen

Zahlreiche Agrarhändler und Unternehmen in Deutschland hatten bereits Kontakt mit landwirtschaftlichen Betrieben und Handelsunternehmen in der Ukraine aufgenommen. Es werde versucht, Transporte zu organisieren, heißt es von Seiten des Bundesverbands Agrarhandel und dem Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse. Einem Bericht des Handelsblatts zufolge, haben sie einen Brief an die Bundesminister Volker Wissing (FDP, Verkehrsminister), Robert Habeck (Grüne, Wirtschaftsminister), Christian Lindner (FDP, Finanzminister) und Cem Özdemir (Grüne, Agrarminister) geschrieben.

Die Bundesregierung will eine „Getreidebrücke“ aufbauen: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass das Getreide aus der Ukraine über die Schiene abtransportiert werden kann, um so weltweite Hungersnöte zu verhindern“, sagte der Schienenbeauftragte der Bundesregierung, Michael Theurer (FDP), gegenüber dem Handelsblatt. Angesichts knapper Waggons solle ein Fonds aufgelegt werden, um weitere Behälter für das Getreide aus der Ukraine zu beschaffen.

Ukraine-Krieg: Deutsche Bahn sichert Unterstützung zu

Die Getreidebrücke sei „in vollem Gange“ und werde von den unterschiedlichen Ressorts der Bundesregierung in Abstimmung mit der Europäischen Kommission organisiert. Auch Polen will sich beteiligen. Laut Landwirtschaftsminister Henryk Kowalczyk sei man bereits dabei, die Abfertigungskapazitäten an den polnisch-ukrainischen Grenzübergängen zu erhöhen. Problematisch sei allerdings die unterschiedliche Spurbreite der Eisenbahnen in der Ukraine und in Polen.

Mähdrescher stehen während der Erntearbeiten auf einem Getreidefeld in der Region Kiew. Landwirte in der Ukraine bleiben wegen des Krieges auf der Ernte sitzen.
Mähdrescher stehen während der Erntearbeiten auf einem Getreidefeld in der Region Kiew. Landwirte in der Ukraine bleiben wegen des Krieges auf der Ernte sitzen. © Roman Pilipey/dpa

Auch die Deutsche Bahn (DB) versucht zu helfen: „Wir tun alles, was wir als Unternehmen aus sozialer Verantwortung heraus tun können“, erklärte ein Sprecher dem Handelsblatt. Mit Hilfe der europäischen DB-Cargo-Töchter seien in Polen und Rumänien mehrere Züge täglich unterwegs, welche Getreide durch Europa an diverse Seehäfen lieferten. Es sollen zukünftig stabile Bahn-Verbindungen bis an die Seehäfen der Nordsee und des Schwarz- und Mittelmeeres geschaffen werden. Ziel sei es, 20 Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine zu transportieren, um die Lager für die neue Ernte frei zu bekommen. (Helena Gries)

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