Acht EU-Staaten helfen

Corona und Krise an der türkischen Grenze: Deutschland nimmt junge Geflüchtete auf - Ankunft am Samstag

Auf Lesbos sitzen tausende Flüchtlinge fest. Die Corona-Krise hat eine Aufnahme in EU-Länder gestoppt. Grünen-Chef Habeck will das ändern.

  • Tausende Flüchtlinge an der griechisch-türkischen Grenze stecken weiterhin fest
  • Das Coronavirus* droht auch in den Flüchtlingslagern anzukommen 
  • Stimmen zur Evakuierung der Lager werden lauter

Update vom 16. April, 17.05 Uhr: In Griechenland wächst die Sorge vor einer erneuten Flüchtlingskrise - über alle neuen Entwicklungen halten wir Sie in diesem Artikel auf dem Laufenden.

Update vom 16. April, 11.15 Uhr: Die ersten nach Deutschland kommenden Flüchtlingskinder aus griechischen Lagern werden im Landkreis Osnabrück aufgenommen. „Die Kinder werden im Rahmen der Jugendhilfe dort untergebracht“, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Sozialministeriums am Donnerstag. Nach Informationen der Neuen Osnabrücker Zeitung handelt es sich um bis zu 58 unbegleitete Minderjährige, die am Samstag am Flughafen Hannover erwartet werden. Die Kinder aus unterschiedlichen Kriegsgebieten sollen überwiegend jünger als 14 Jahre sein.

Landrätin Anna Kebschull (Grüne) sagte der Zeitung: „Die Kinder mussten viele Monate in erbärmlichen und katastrophalen Zuständen leben und haben zum Teil ihre Eltern im Krieg oder auf der Flucht verloren“. Sie sollten nun besonders geschützt werden, auch vor dem großen Interesse der Öffentlichkeit. Eine medizinische und psychologische Betreuung sei sichergestellt.

Corona und Krise an der türkischen Grenze: Deutschland nimmt 50 junge Geflüchtete auf - und in Quarantäne

Update vom 7. April, 18.25 Uhr: Deutschland will in der kommenden Woche 50 unbegleitete Minderjährige aus den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln aufnehmen. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag in Berlin erfuhr, hat die Landesregierung in Hannover zugesagt, dass sie ihre Corona-Quarantäne von zwei Wochen in Niedersachsen verbringen können. Anschließend sollen sie auf mehrere Bundesländer verteilt werden. Deutschland will dem Vernehmen nach gemeinsam mit Luxemburg, das die kurzfristige Aufnahme von 12 Kindern und Jugendlichen zugesagt hat, einen Charterflug organisieren.

Deutschland will in nächster Zeit noch mehr Minderjährige aus Griechenland aufnehmen. Der Koalitionsausschuss von Union und SPD hatte im März beschlossen, im Rahmen der EU-Partner Griechenland einen Anteil von insgesamt etwa 1000 bis 1500 Kindern nach Deutschland zu holen und zu betreuen. Es handelt sich laut dem Koalitionsbeschluss um Kinder, die schwer erkrankt oder unbegleitet und jünger als 14 Jahre sind.

Insgesamt haben sich acht EU-Staaten im März grundsätzlich zur Aufnahme minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge und anderer Migranten aus Griechenland bereit erklärt. Neben Deutschland gehören Frankreich, Irland, Portugal, Finnland, Luxemburg, Kroatien und Litauen dazu.

Corona und Krise an der türkischen Grenze: Griechenland bearbeitet jetzt wieder Asylanträge

Update vom 2. April, 19.00 Uhr: In Griechenland werden nach Angaben der Regierung in Athen ab sofort wieder Asylanträge bearbeitet. Die Aussetzung der Asylverfahren sei seit dem 1. April nicht mehr gültig, sagte Migrationsminister Notis Mitarachi am Donnerstag in einer Videokonferenz mit den Abgeordneten des Ausschusses für bürgerliche Freiheiten des EU-Parlaments. In einem höchst umstrittenen Schritt hatte Athen Anfang März wegen der vorübergehenden türkischen Grenzöffnung für Flüchtlinge alle Asylverfahren auf Eis gelegt.

Mitarachi verteidigte den vorübergehenden Asylstopp erneut. "Wir mussten die Asylanträge im März wegen der außergewöhnlichen Situation an unseren Grenzen einfrieren, um unsere nationale Sicherheit, die öffentliche Ordnung und die öffentliche Gesundheit zu schützen", sagte er.

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson begrüßte die Wiederaufnahme der Asylverfahren in Griechenland. Die Regierung in Athen habe ihr mitgeteilt, dass Flüchtlinge, die im März angekommen seien, "nun das Recht haben, Asyl zu beantragen", sagte sie. "In dieser Zeit ist es wichtig, unsere Werte und Grundrechte zu verteidigen."

Auf den griechischen Ägäis-Inseln leben zehntausende Flüchtlinge unter oft katastrophalen Bedingungen. Allein rund 20.000 Menschen leben in dem lediglich auf knapp 3000 Bewohner ausgelegten Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos. Angesichts der Corona-Krise haben zahlreiche Hilfsorganisation zu einer Räumung des Lagers aufgerufen.

Update vom 31. März, 19.16 Uhr: Angesichts der Coronavirus-Krise stellt die EU fast 240 Millionen Euro für syrische Flüchtlinge und deren Aufnahmeländer bereit. Das Geld solle an Menschen im Irak, in Jordanien sowie im Libanon gehen, teilte die EU-Kommission mit. Auch die Aufnahmeländer selbst sollten unterstützt werden.

„Dies ist ein Zeichen der Solidarität mit den bedürftigsten Bevölkerungsgruppen in einer schwierigen Zeit, die durch die Coronavirus-Pandemie noch verschärft wird“, sagte der zuständige EU-Kommissar Oliver Varhelyi. Beim aktuellen Hilfspaket liege der Schwerpunkt auf Bereichen wie Sozialfürsorge, Gesundheit, Bildung und Kinderschutz.

Türkei-Krise: Coronafall in griechischem Flüchtlingslager verschärft Sorgen

Update vom 31. März, 15.48 Uhr: Eine Frau aus einem Flüchtlingslager in Griechenland ist nach der Geburt ihres Kindes positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Wie das Migrationsministerium in Athen am Dienstag mitteilte, lebt die Frau in einem Flüchtlingslager auf der Insel Euböa nördlich von Athen. Getestet wurde sie nach der Geburt in einem Krankenhaus der Hauptstadt. Unklar war zunächst, ob sie sich in der Frauenklinik oder in dem Flüchtlingslager angesteckt hat.

Ein Virus-Test bei einem Mitbewohner der Frau fiel den Angaben zufolge negativ aus. Die griechische Gesundheitsbehörde hat demnach schon vor einigen Tagen damit begonnen, die Kontaktpersonen der Frau ausfindig zu machen. Das Ministerium versicherte, alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um die Bewohner und das Personal des Flüchtlingslagers zu schützen.

In Griechenland sind bislang 1212 Coronavirus-Infektionen nachgewiesen worden. 46 Menschen starben. Die Sorge ist groß, dass sich das Coronavirus auch in den völlig überfüllten Flüchtlingslagern in Griechenland ausbreiten könnte.

Corona droht Situation auf Lesbos zu verschärfen: Grünen-Chef Habeck fordert Evakuierung der Lager

Erstmeldung: Athen - Die Corona-Pandemie macht auch vor den Flüchtlingslagern nicht halt: Tausende Menschen sitzen unter anderem auf der Insel Lesbos* fest. Das Coronavirus zwingt auch sie zur Vorsicht. Aus Furcht vor einer Ausbreitung hat die griechische Regierung bereits Mitte März Besuche in allen Flüchtlingslager des Landes verboten. Schulen sind geschlossen und Isolierstationen aufgebaut. Die Anlagen werden täglich desinfiziert und Migranten brauchen eine Genehmigung der Polizei um ausgehen zu können.

Migranten auf Lesbos

Trotz der Vorsichtsmaßnahmen fürchten viele bei einem Ausbruch des Coronavirus in Flüchtlings-Lagern eine Katastrophe. Die Lage sei sowieso schon prekär. Zuletzt hatten Informationen des BND für Aufsehen gesorgt. Denn Erdogan soll die Ausschreitungen an der griechischen Grenze vor einigen Wochen absichtlich herbeigeführt haben. Nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie forderte Oxfam-Experte Raphael Silhav die „Koalition der Willigen“ erneut zum Handeln auf.

Corona-Krise in den Flüchtlingslagern: EU-Staaten sollen helfen

Die beteiligten EU-Staaten* hatten sich über eine Aufnahme von1500 Minderjährigen ausgesprochen. Doch nun kam eine andere Krise dazwischen. Aufgrund der Corona-Pandemie sind Rettungen von Flüchtlingen in den Hintergrund geraten. Doch gerade diese brauchen jetzt Schutz fordert der Vorsitzende der Grünen-Partei Robert Habeck

Die überfüllten Lager auf Lesbos müssen evakuiert werden sagte er gegenüber der „Welt am Sonntag“. „Überfüllung, fast keine medizinische Ausstattung, miserable Hygiene.“ Gründe genug für eine schnelle Hilfe der EU-Staaten*. „Andere Europäer, auch Deutschland*, sollten helfen. Dazu gehört die schon zugesagte Aufnahme von Kindern“, so Habeck. 

Habeck fordert Evakuierung der Flüchtlingslager auf Lesbos

Doch der Grünen-Politiker sieht auch die Probleme der derzeitigen Lage. Doch gerade wegen der Corona-Krise müsse man jetzt eine Lehre daraus ziehen und „mehr Kooperationsgeist, Entschlossenheit und Solidarität“ zeigen. 

Auch die Menschenrechtsorganisation ProAsyl fordert die sofortige Evakuierung des Flüchtlingslagers auf Lesbos. Erneut kritisierte Günther Burkhardt, der Chef der Organisation, die Bundesregierung für die Abschiebung zweier Frauen in den Iran. Denn dafür wurde extra ein Flugzeug gechartert - und das in Zeiten der Corona-Krise. Man solle solche und andere Flugzeuge lieber für die Rettung von Flüchtlingen aus den griechischen Lagern verwenden, so Burkhardt. 

Coronavirus: Ausbruch in Lagern hätte katastrophale Folgen

Unter dem Hashtag #LeaveNoOneBehind forderte die Organisation Seebrücke in den Sozialen Medien für eine Flüchtlingspolitik im Sinne der Menschenrechte auf. Am Sonntag Nachmittag sollten User die Seiten von EU-Institutionen und deutscher Institutionen* aufrufen und die sofortige Evakuierung von Flüchtlingslagern auf Lesbos fordern. 

Doch nicht nur Griechenland ist bedroht. Auch in Syrien gibt es Fälle von Corona-Infizierten Personen. Die 6,5 Millionen Menschen, die außerhalb ihrer Heimatorte in Syrien Zuflucht suchen, sind besonders gefährdet. Wie ihnen geholfen werden kann ist noch unklar. 

mak/AFP

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerkes. 

Rubriklistenbild: © AFP / MANOLIS LAGOUTARIS

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare