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Grüne wollen Autofahrer mit Tempolimit zum Spritsparen zwingen

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Von: Jens Kiffmeier

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Rasen verboten: Die Grünen fordern ein Tempolimit in Deutschland auf den Autobahnen.
Rasen verboten: Die Grünen fordern ein Tempolimit in Deutschland auf den Autobahnen. © Patrick Pleul/dpa

Deutschland steckt in der Energiekrise: Als Ausgleich fordern die Grünen ein Tempolimit – wenigstens für zwei Jahre. Doch was bringt das? Spielt die FDP mit?

Berlin – In der Energiekrise sind Benzin und Diesel ein teures Gut: Angesichts der hohen Spritpreise drängen die Grünen auf gezielte Einsparungen. So forderte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Einführung eines zeitlich befristeten Tempolimits. „Das hätte unmittelbar Wirkungen, das ist sofort einsparend“, sagte der Regierungschef der Süddeutschen Zeitung. Seiner Vorstellung nach sollten Autofahrer zumindest einmal für zwei Jahre beim Fahren eingebremst werden. Doch der Widerspruch kam umgehend aus Bayern, wie kreiszeitung.de berichtet.

Tempolimit: Grüne pochen auf Geschwindigkeitsbegrenzung in Deutschland – wegen Energiekrise

Das Tempolimit sorgt seit Monaten für einen erbitterten Kampf in der Politik zwischen den Parteien. Während SPD und Grüne darin eine Möglichkeit für den Umweltschutz sehen, sperren sich FDP und Union gegen eine Einführung. Durch die Energiekrise hat die Debatte in den vergangenen Tagen aber noch einmal zusätzlich Tempo gewonnen. Wegen des Ukraine-Kriegs droht Deutschland bei Öl und Gas durchaus im kommenden Winter ein Versorgungsengpass, weswegen zusätzlich zum Klimaschutz auch das Sparen von Energie immer wichtiger wird.

Tempolimit in Deutschland: Sparen von Benzin und Diesel – Umweltbundesamt sieht Potenzial

Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) kann durch langsameres Fahren durchaus Benzin und Sprit in einer relevanten Größenordnung eingespart werden. Verringern die Autofahrer die Geschwindigkeit auf Autobahnen auf maximal 100 Kilometer pro Stunde und auf 80 km/h auf Landstraßen, soll dies Kraftstoff von 2,1 Milliarden Litern einsparen. Für den gesamten Verkehrssektor macht das 3,8 Prozent aus.

Trotz dieser Zahlen stemmt sich Bayern aber gegen die Idee von Kretschmann. Die Einsparungen bei Benzin und Diesel seien nicht so relevant wie beim Gas, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) der Süddeutschen Zeitung. „Das Tempolimit erzeugt überhaupt keinen Strom“, fügte er hinzu. Ähnlich sieht das die FDP – sehr zum Verdruss von Kretschmann.

Hinter der Blockade durch die konservativen Parteien stecke nur Parteiideologie, kritisierte der Grünen-Politiker. Er könne Union und FDP nur raten, einmal „über den ideologischen Schatten zu springen“. Seine Partei tue dies in letzter Zeit ständig, fügte Kretschmann hinzu und spielte damit auf die Tatsache an, dass der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck wegen der Energiekrise den Weiterbetrieb von Kohlekraftwerken und den Import von Flüssiggas genehmigt hatte.

Tempolimit: 1973 führten SPD und FDP eine Begrenzung des Tempos auf Autobahnen bereits ein

Doch inwieweit die Ampel-Koalition eine gemeinsame Linie findet bei dem Dauerstreitthema, bleibt abzuwarten. Vielleicht orientiert sich die FDP an ihrem eigenen Regierungshandeln. 1973 führte die sozialliberale Koalition von Willy Brandt ein befristetes Tempolimit in Deutschland ein – wegen der damaligen Ölkrise. Neben den vier autofreien Sonntagen wurde an den übrigen Tagen die Geschwindigkeit auf Autobahnen auf maximal 100 km/h herunterreguliert. Auf Landstraßen galt 80 – so wie jetzt vom UBA empfohlen. Im März 1974 wurde das Tempolimit dann wieder aufgehoben.

Apropos: An Schulen gilt oft Tempo 30 - aber auch in den Ferien? Die Regel-Lage ist eindeutig.

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