Syrer greifen Saudi-Botschaften an

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Pro-Syrische Protestler

Kairo/Beirut - Anhänger von Assad reagierten auf den Ausschluss Syriens aus der Arabischen Liga mit Angriffen auf die Botschaften von Katar und Saudi-Arabien.

In Damaskus und vier anderen Städten versammelten sich am Sonntag zehntausende Anhänger von Präsident Baschar Assad, hielten Bilder des Präsidenten in die Luft und schwenkten syrische Flaggen. Am Samstag hatten Regierungsanhänger mehrere diplomatische Vertretungen in Damaskus angegriffen. Nach Zusammenstößen mit der Polizei stürmte eine Gruppe von Demonstranten das Gelände der Botschaft von Katar und ersetzte dort die katarische Flagge mit der syrischen. Auch das Botschaftsgelände von Saudi-Arabien wurde am Samstag gestürmt, Fenster seien eingeschlagen worden und es habe Plünderungen gegeben, hieß es in saudiarabischen Medienberichten.

Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu gab es auch Übergriffe gegen die türkische Botschaft in Damaskus, sowie die Konsulate in den Städten Aleppo und Latakia. Die Türkei habe daraufhin mit der Evakuierung der Familien türkischer Diplomaten und nicht unbedingt nötigem Personal begonnen, berichtete Anadolu weiter. Die Türkei ist kein Mitglied der Arabischen Liga, hat aber die Gewalt in Syrien scharf kritisiert.

Nach Angaben von Aktivisten wurden auch am Sonntag wieder mindestens elf Menschen von Sicherheitskräften getötet. Vier Tote habe es in der Stadt Hama gegeben, als Polizisten das Feuer auf oppositionelle Demonstranten eröffneten, teilten die Aktivisten von den Örtlichen Koordinationskomitees mit.

Saudi-Arabien protestiert gegen Übergriffe

Der syrische Botschafter bei der Arabischen Liga, Jussef Ahmed, nannte die Entscheidung illegal, wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA meldete. Syrien sehe sich der Arabischen Liga nach wie vor verpflichtet. Die “bewaffnete Opposition im Ausland“ solle ihre Waffen niederlegen, aufgeben und einen Dialog eingehen, wurde Ahmed zitiert.

Die Entscheidung der Außenminister der Arabischen Liga war ein harter Schlag für Assad, der bislang vor allem vom Westen wegen seines Vorgehens kritisiert worden war. Nun steht er auch in der arabischen Welt fast ohne Verbündete da. Die Außenminister der Arabischen Liga drohten Damaskus zudem mit politischen und wirtschaftlichen Sanktionen, sollte die Regierung das gewaltsame Vorgehen gegen Regimegegner nicht beenden. Nach UN-Schätzungen wurden seit Beginn der Proteste Mitte März schon mehr als 3.500 Menschen in Syrien getötet.

Die Regierung in Damaskus schlug einen arabischen Gipfel vor und lud Vertreter der Arabischen Liga ein, noch vor Mittwoch nach Syrien zu kommen, wenn der Ausschluss in Kraft treten soll.

Obama begrüßt Ausschluss Syriens

Die Europäische Union will schon am Montag weitere Sanktionen gegen das Regime von Assad beschließen, wie Bundesaußenminister Guido Westerwelle am Sonntag am Rande des FDP-Parteitags in Frankfurt am Main ankündigte. Die neue Sanktionsrunde wird demnach Reisebeschränkungen gegen bestimmte Personen, aber auch finanzielle Maßnahmen enthalten. Ziel sei es, die Repressionen des Assad-Regimes gegen die eigene Bevölkerung so schnell wie möglich zu beenden, erklärte Westerwelle. Die Aussetzung der Mitgliedschaft Syriens in der Arabischen Liga sei dabei ein wichtiger Schritt gewesen.

US-Präsident Barack Obama lobte die Arabische Liga für ihren Entschluss. Die Organisation bemühe sich entschlossen, die Krise in Syrien zu beenden und die Regierung in Damaskus zur Verantwortung zu ziehen, erklärte Obama am Samstag.

Deutliche Mehrheit für vorläufigen Ausschluss

Auf der Sondersitzung der Arabischen Liga stimmten nach Angaben des katarischen Außenministers Hamad bin Dschassim am Samstag 18 Mitgliedstaaten für den Ausschluss Syriens, dessen Sitz bei einer Sitzung am Mittwoch leer bleiben soll. Der Libanon und der Jemen stimmten mit Syrien dagegen, der Irak enthielt sich. “Syrien liegt uns allen am Herzen, und es schmerzt uns, diese Entscheidung zu treffen“, sagte bin Dschassim. “Wir hoffen, dass es einen mutigen Schritt von Syrien geben wird, die Gewalt zu beenden und einen echten Dialog für echte Reformen zu beginnen.“

Bei einer Sitzung am Mittwoch in Rabat will die Organisation die Lage noch einmal prüfen, wie bin Dschassim ankündigte. Möglicherweise soll Assad so Gelegenheit erhalten, die Umsetzung der Maßnahme noch abzuwenden. Bin Dschassim deutete weiter an, dass die Mitgliedstaaten der Arabischen Liga ihre Botschafter aus Damaskus abziehen könnten. Dies liege aber im Ermessen der einzelnen Länder.

dapd

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