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Befehl an russische Soldaten abgehört: „Ermordet alle Zivilisten“ 

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Von: Sandra Kathe

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In abgehörten Funksprüchen sprechen russische Soldaten und ihre Befehlshaber offen über Kriegsverbrechen im Ukraine-Krieg – mit schockierenden Details.

Kiew – Seit dem russischen Rückzug aus dem Norden der Ukraine* kommen immer mehr Details über Kriegsverbrechen im Ukraine-Krieg* an die Öffentlichkeit, auch in Form abgehörter Tonaufnahmen. Einige davon, die die ukrainischen Sicherheitsbehörden in der vergangenen Woche herausgab, hat nun der Nachrichtensender CNN veröffentlicht: Sie bezeugen nicht nur die Gräueltaten einer russischer Soldaten, sondern auch die Grausamkeit einiger ihrer Befehlshaber.

Auch dem deutschen Bundesnachrichtendienst liegen Medienberichten zufolge abgehörte Funksprüche russischer Militärs vor, die das Ausmaß der Gewalttaten, auch durch paramilitärische Gruppierungen, belegen sollen. Diese Information sei vergangene Woche an Abgeordnete des Bundestags kommuniziert worden und dann an die Öffentlichkeit gelangt. Russland* streitet die Beteiligung seiner Soldaten an Kriegsverbrechen seit Tagen ab und spricht von einer Inszenierung der schockierenden Beweise.

Die Tötung hunderter Zivilpersonen in der nordukrainischen Stadt Butscha ist bislang Sinnbild für die Grausamkeiten russischer Truppen.
Die Tötung hunderter Zivilpersonen in der nordukrainischen Stadt Butscha ist bislang Sinnbild für die Grausamkeiten russischer Truppen. (Archivbild) © Genya Savilov/AFP

Ukraine Krieg: Russischer Befehlshaber ordnet laut Tonaufnahmen Tötung von Zivilpersonen an

Einige der abgehörten Sequenzen hat der Fernsehsender CNN aus dem Russischen übersetzt und in seinem Beitrag mit englischen Untertiteln versehen. Nach Angaben des CNN liegen mehrere Stunden Tonmaterial vor. In einer Szene berichtet ein Soldat davon, dass er gerade ein Fahrzeug beobachtet hat und sich nicht sicher sei, ob es sich um ein Zivilfahrzeug oder eines des Militärs handle. Es seien aber zwei Menschen ausgestiegen, die „wie Zivilpersonen gekleidet“ gewesen seien.

Als sein aufgebrachter Gesprächspartner entgegnet „Bringt sie alle um, verdammt nochmal“, sagt der erste Soldat: „Verstanden. Aber das ganze Dorf hier, das sind alles Zivilpersonen.“ Daraufhin unterbricht ihn sein Gesprächspartner und ruft: „Was stimmt nicht mit dir? Wenn es Zivilisten gibt, dann schlachtet sie alle ab...“

Kriegsverbrechen im Ukraine-Krieg: Berichte über Tötung und Vergewaltigung von Zivilpersonen

In einem anderen Ausschnitt erhält ein Soldat von einem anderen den Befehl, Siedlungsgebiete direkt zu bombardieren: „Bombardiere alles! Richte noch ein paar mehr nach Westen, verdammt. Mehr in meine Richtung.“ Nach einem kurzen Austausch erhält er schließlich den Befehl: „Bombardiere sie. Bombardiere sie so stark, dass von den zwei Dörfern nichts mehr übrig bleibt“.

Neben den Ausschnitten, in denen sich die Soldaten über das Töten von Zivilpersonen unterhalten, seien bei dem Tonmaterial auch Ausschnitte von Gesprächen gewesen, in denen es um Vergewaltigungen geht. Dabei sollen auch Kinder unter den Opfern gewesen sein. In einigen Gesprächen scheint es sich auch um private Konversationen zu handeln, in denen die schlechte Versorgungslage der russischen Truppen angesprochen wird. Ein Soldat berichtet, dass er und seine Kameraden einen Hund geschlachtet und gegessen hätten. „Es war okay“, kommentiert er den Vorfall.

Geheimdienstberichte zum Ukraine-Krieg: Ausschuss ermittelt wegen Geheimnisverrat

Am Donnerstag (07.04.2022) berichtete auch das deutschsprachige Nachrichtenmagazin Der Spiegel über Geheimdienstberichte, die sich auf abgehörte Tonaufnahmen beziehen. In dem Bericht heiß es, die Gewalttaten an Zivilpersonen könnten möglicherweise Teil einer militärischen Strategie im Ukraine-Konflikt* sein, die sich zum Ziel mache „unter der Zivilbevölkerung Angst und Schrecken zu verbreiten und Widerstand zu ersticken“.

Die Quelle, auf die sich der Spiegel bezieht sorgt nun jedoch für Ärger im Verteidigungsausschuss des Bundestages. Die betreffenden Berichte des Bundesnachrichtendiensts seien Bestandteil einer nicht öffentlichen Sitzung gewesen, an der mehr als 60 Abgeordnete und sowie Vertreterinnen und Vertreter der Regierung teilgenommen hätten. Mutmaßlich wegen Geheimnisverrats wurde nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur bei Bundestagspräsidentin Bärbel Bas eine Ermächtigung zur Strafverfolgung beantragt. (ska mit dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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