Misstrauensantrag scheitert

Sexsklaven-Skandal: Bürgermeister darf bleiben

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Toru Hashimoto

Tokio - Er sagte, Sexsklavinnen seien für die Entspannung japanischer Soldaten wichtig gewesen. Dann hagelte es Kritik. Dennoch übersteht der Bürgermeister von Osaka ein Misstrauensvotum im Stadtrat.

Der Bürgermeister der japanischen Stadt Osaka bleibt nach seiner umstrittenen Rechtfertigung der Zwangsprostitution im Zweiten Weltkrieg im Amt. Toru Hashimoto überstand am Donnerstag ein Misstrauensvotum im Stadtrat von Osaka. Die Mehrheit der Mandatsträger stimmte gegen den Antrag, Hashimoto förmlich wegen einer Rufschädigung der Millionenstadt zu tadeln.

Der Bürgermeister hatte Mitte Mai erklärt, die japanische Praxis während des Zweiten Weltkriegs, Frauen aus Korea, China und anderen südostasiatischen Ländern als Sexsklavinnen in die Prostitution zu zwingen, sei für die Disziplin und die Entspannung der Soldaten wichtig gewesen. Später hatte Hashimoto, der auch Kovorsitzender einer neuen nationalistischen Partei ist, eine Klarstellung versucht: Die Militärführung damals habe die Maßnahme wohl für notwendig gehalten.

Der Misstrauensantrag scheiterte unter anderem, weil eine Oppositionspartei überraschend nicht mitzog - offenbar aus Furcht, ein Rücktritt Hashimotos könnte die Stadt politisch ins Chaos stürzen.

Eine förmliche Entschuldigung lehnt der Politiker bis heute ab. Ebenso wenig will er seine auch international gescholtenen Aussagen zurücknehmen.

Entschuldigt hatte sich Hashimoto hingegen zuletzt für seine Aufforderung an US-Soldaten, Bordelle zu besuchen, um die Zahl der Vergewaltigungen zu reduzieren. Am Montag erklärte er, diese Aussagen sei aus einer Betroffenheit über die hohe Zahl der Übergriffe auf japanische Zivilisten in Okinawa entstanden, wo zahlreiche US-Soldaten stationiert sind.

Historiker schätzen, dass vor und während des Zweiten Weltkrieges bis zu 200 000 Frauen und Mädchen aus China, Indonesien, Thailand, Birma, Hongkong, Macao und den Niederlanden zu Sexdiensten für japanische Soldaten gezwungen wurden. Euphemistisch wurden sie damals „Trostfrauen“ genannt.

AP

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