Regel-Paket

Schule im Corona-Lockdown: Experten halten Öffnung für möglich - mit diesen Regeln

Wann endet der Lockdown an Schulen? Jetzt liegt erstmals eine Leitlinie vor. Experten zeigen, wie Präsenzunterricht sogar bei hohen Infektionszahlen möglich ist.

Hamm – Die Lage an den Schulen ist ein sensibles Thema im Corona-Lockdown. Alle sind sich darüber einig, dass Homeschooling und Distanzlernen auf Dauer nicht den Präsenzunterricht ersetzen können. Die Frage ist also: Wann ist mal wieder richtig Schule? Und wie sieht der Unterricht dann aus? Antworten gibt jetzt eine neue Leitlinie. Experten zeigen, wie Präsenzunterricht sogar bei hohen Infektionszahlen möglich ist. (News zum Coronavirus)

LandDeutschland
Einwohnerca. 83 Millionen
KanzlerinAngela Merkel

Schule trotz Corona-Krise: Rückkehr zum Präsenzunterricht oder Verlängerung des Lockdowns?

Die Schulen in Nordrhein-Westfalen wie in ganz Deutschland sind wie viele andere Bereiche des öffentlichen Lebens im Lockdown. Der endet zwar offiziell am 14. Februar, doch die Zeichen von Spitzenpolitikern wie Bundeskanzlerin Angela Merkel deuten aus Sorge vor einer durch Mutationen bewirkten dritten Corona-Welle auf eine Verlängerung hin. Der Themenkomplex Schulen und Corona wird jedoch einen wichtigen Teil bei den Bund-Länder-Beratungen am Mittwoch (10. Februar) einnehmen, denn der Frust über Homeschooling sitzt bei Schülern, Eltern und Lehrern tief.

Das ist der Politik nicht entgangen. Armin Laschet, NRW-Ministerpräsident und CDU-Vorsitzender, fordert, Schulen und Kindern bei möglichen Lockerungen Priorität einzuräumen. „Ehe wir irgendein Geschäft oder etwas anderes öffnen, muss die Bildung für unsere Kinder wieder in Gang gesetzt werden, denn wir richten mit dem Lockdown auch Schäden an“, warnte er.

Ähnlich äußerte sich SPD-Kanzlerkandidat und Vizekanzler Olaf Scholz im ZDF-Morgenmagazin: „Wir müssen die Priorität bei Schulen und Kitas sehen, denn wenn die Kinder zu lange nichts lernen, ist das ein großes Problem für unser Land.“ Die Forderung nach Öffnung der Schulen wird lauter.

Schule trotz Corona-Krise: Experten halten Präsenzunterricht für möglich

Über das Ob und das Wann von Schulöffnungen werden die Spitzen von Bund und Ländern am 10. Februar entscheiden. Zum Wie gibt es nun erstmals eine Leitlinie für Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle einer Coronavirus-Übertragung an Schulen. Sie soll Schulen eine wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlung zur Verfügung stellen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet. Damit soll ein möglichst sicherer, geregelter und kontinuierlicher Schulbetrieb möglich werden.

Aus der Leitlinie geht laut FAZ klar hervor, dass Schulen auch in Zeiten der Corona-Pandemie geöffnet bleiben könnten, wenn alle Hygiene-Regeln streng befolgt werden. Kaum eine der Ideen - etwa Lüften, Maskenpflicht, Trennung von Klassen und Jahrgängen - ist neu. Neu ist, dass es nach den Autoren der Leitlinie selbst bei einem hohen Infektionsaufkommen nicht zur Schließung von Schulen kommen muss. Aber, so warnen sie: Es genüge nicht, einzelne Maßnahmen herauszugreifen, nur das Paket wirke.

Unterricht ohne Maske im Klassenraum: Das wird auf absehbare Zeit nicht möglich sein.

Bei mäßigem Infektionsgeschehen rät die Leitlinie zur Grüppchenbildung: Die Kontakte von Schülern sollten auf eine festgelegte Gruppe beschränkt bleiben. Bei hohem Corona-Geschehen soll der Unterricht zusätzlich gestaffelt beginnen - auch deswegen, um Busse und Bahnen leerer zu bekommen. Bei einem sehr hohen Infektionsgeschehen sollen Klassen halbiert und Wechselunterricht angeboten werden.

Schule trotz Corona-Krise: Medizinische Masken im Unterricht

Die Leitlinien sehen bei hohem Infektionsgeschehen die Pflicht zum Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes (OP-Maske) vor. Das gilt für alle, die in der Schule lehren, lernen oder arbeiten. Personen mit Vorerkrankung müssen eine FFP2-Maske aufsetzen.

Schwierig wird es, wenn Schüler krank werden. Kinder mit laufender Nase, Halskratzen oder Räuspern sollen laut Leitlinie weiterhin zur Schule kommen dürfen. Wer schwerwiegendere Symptome zeigt, soll erst nach einer symptomfreien Phase von 48 Stunden wieder am Unterricht teilnehmen. Strittig ist der Umgang mit Kontaktpersonen an Schulen.

Aus Angst vor Ansteckung haben viele Schulen auf Musikunterricht verzichtet. Die Leitlinien befürworten ihn dagegen – selbst in Innenräumen, allerdings mit Einschränkungen (Gesang, Blasinstrumente). Noch entschiedener wird in den Leitlinien der Sportunterricht befürwortet, weil die positiven gesundheitlichen Wirkungen die Risiken überwiegen; das gilt zumindest dann, wenn er im Freien stattfindet oder in kleinen und konstanten Gruppen in Sporthallen.

Schule trotz Corona-Krise: Leitlinie zur Öffnung von Schulen basiert auf 40 Studien

Für die Leitlinie wurden insgesamt 40 internationale Studien zum direkten und indirekten Effekt von Hygienemaßnahmen in Schulen ausgewertet. Federführend waren die vier Fachgesellschaften für Epidemiologie, für Public Health, für Kinder- und Jugendmedizin und für pädiatrische Infektiologie. Die Leitlinie entstand unter Mitwirkung von Robert-Koch-Institut, mehreren Gesundheitsämtern, Landeselternräten, Lehrerverbänden und Schülern. Finanziert wurde sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Die Leitlinie hat also durchaus Gewicht. Gewicht genug, um eine Rolle bei den Bund-Länder-Beratungen zu spielen? Eine Antwort könnte es nach dem Corona-Gipfel am Mittwoch geben.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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