Sarkozy: "Ja, ich bin Kandidat"

Paris - Der französischer Präsident Nicolas Sarkozy kündigt die Kandidatur für eine zweite Amtszeit an. In Umfragen ist die sozialistischen Herausforderer Hollande vorn.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat offiziell seine Kandidatur für eine zweite Amtszeit bekannt gegeben und sich in den womöglich härtesten Kampf seiner politischen Karriere begeben. Trotz schlechter Umfragewerte will Sarkozy zu den Wahlen Ende April antreten. “Ja, ich bin Kandidat der Präsidentschaftswahlen“, sagte der Staatschef am Mittwochabend im französischen Fernsehsender TF1.

Bereits seit Monaten liegt Sarkozy in den Umfragen hinter seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande. So sah eine Umfrage den Sozialisten in einer möglichen Stichwahl gar mit 20 Punkten vor dem Konservativen Sarkozy.

Der Präsident dürfte also einer wenig aussichtsreichen Abstimmung entgegensehen. Bleiben ihm doch nur noch zwei Monate, um enttäuschte Wähler wieder zurückzugewinnen. Die erste Runde der Wahlen findet am 22. April statt, die zweite am 6. Mai. Eine neuerliche Kandidatur Sarkozys war erwartet worden.

Er habe nicht alles erreicht, was er sich bei seiner Wahl 2007 zum Ziel gesetzt habe, räumte Sarkozy am Mittwoch ein. Für die Schwierigkeiten der französischen Wählerschaft machte der Präsident unter anderen die Finanzkrise verantwortlich. Im Fokus stehe für ihn, mehr Leute in Lohn und Brot zu bringen, sagte Sarkozy. “Frankreich kann nicht so tun, als ob die Krise nicht existiert. Wir müssen damit fortfahren, Veränderungen vorzunehmen.“ Sarkozy versprach ein Referendum über Arbeitslosenhilfen und die Qualifizierung von Arbeitslosen.

Le Pen wirft Sarkozy “ernsthafte Versäumnisse“ vor

Bereits zuvor hatte sich Hollande über die anstehende Ankündigung Sarkozys lustig gemacht. “Welche Neuigkeit! Welche Sensation! Der Präsidentschaftskandidat ist seit fünf Jahren Kandidat“, spottete der Sozialist. Bei einer Kundgebung bezeichnete Hollande die bisherige Amtszeit Sarkozys als Fiasko.

Die Präsidentschaftskandidatin der rechtspopulistischen Front National, Marine Le Pen, warf dem Präsidenten “falsche Bescheidenheit“ vor. Das französische Volk werde nicht die “ernsthaften Versäumnisse“ seiner Amtszeit vergessen.

Europaweite Auswirkungen der Wahl erwartet

Die Präsidentschaftswahl dürfte europaweit Auswirkungen haben. Schließlich hat sich Sarkozy in der Schuldenkrise besonders stark für den Erhalt des Euro eingesetzt. Meinungsforscher weisen darauf hin, dass seine politischen Schwierigkeiten womöglich nicht zuletzt auch von seinem eigenen Umgang mit den wirtschaftlichen Problemen Frankreichs herrühren.

So werfen Kritiker Sarkozy vor, es sei ihm nicht gelungen, wie versprochen die Kaufkraft zu stärken. Stattdessen habe er das eigene Gehalt erhöht und den Präsidentenpalast ausstaffiert, was nicht zum kulturellen Selbstverständnis Frankreichs passe.

Bereits für (heutigen) Donnerstag wird Sarkozy zu einer Wahlkampfveranstaltung seiner Partei UMP in der Alpenstadt Annecy erwartet. Am Sonntag wird er voraussichtlich in der Hafenstadt Marseille auftreten.

dapd

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