Röttgen wehrt sich gegen Attacken

Mühlheim - Spitzenkandidat werden, renommierte Expertin als Schattenministerin vorstellen - so hatte Norbert Röttgen den Mittwoch geplant. Doch ein Parteifreund verdarb ihm den makellosen Auftritt - mit einer SMS.

Norbert Röttgens Start in den nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf steht offensichtlich unter keinem guten Stern. Die Debatte in der eigenen Partei, ob er nach einer Wahlniederlage als Oppositionsführer in Düsseldorf bleibt, hat der Bundesumweltminister halbwegs ausgesessen, da sorgte ausgerechnet ein Parteifreund für Ärger.

Der Vorsitzende des CDU-Bezirks Mittelrhein, Axel Voss, lief gegen die von Röttgen angeführte Landesliste Sturm. Sein Bezirk sei bei der Vergabe der attraktiven Plätze nicht ausreichend berücksichtigt worden. Voss rief per SMS die Mittelrhein-Delegierten zum Nein zur Liste auf. Die „Bild“-Zeitung sah bereits einen „CDU-Aufstand gegen Röttgen“. Pikant: Spitzenkandidat Röttgen ist selbst Mittelrheiner und Vorgänger von Voss als Bezirkschef.

Die SPD lästert, Röttgen habe einen „perfekten Fehlstart“ hingelegt. Statt Attacken auf ihre Haushaltspolitik abwehren zu müssen, kann sich Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) über Disziplinlosigkeiten im Lager ihres Herausforderers freuen.

Der Mittwoch sollte der Tag Röttgens werden. Die CDU war dem Parteitagsgedrängel der anderen am vergangenen Wochenende aus dem Weg gegangen, um ihrem Spitzenkandidaten den alleinigen Auftritt auf der landespolitischen Bühne zu sichern. Zu ihrem Nominierungsparteitag am Mittwochabend in Mülheim sollte es keine Konkurrenz geben.

Zudem wollte der Umweltminister mit einer Personalie punkten. Er präsentierte die Wirtschaftsforscherin Claudia Kemfert als Energieministerin einer Röttgen-Regierung. Das ist durchaus ein Coup. Die 43-Jährige ist eine renommierte Wissenschaftlerin mit hoher Fernsehpräsenz.

Die Berufung der parteilosen Professorin in sein Schattenkabinett ist auch ein Signal Röttgens an die Grünen. Kemfert ließ bei ihrer Vorstellung in Düsseldorf deutliche Skepsis gegenüber Kohlekraftwerken erkennen. Zu den Brückentechnologien ins Zeitalter der erneuerbaren Technologien zählt sie die Kohlemeiler jedenfalls nicht. Eine Ansicht, die sich so im Wahlprogramm der Grünen nachlesen lässt.

In der Mülheimer Stadthalle lief dann am Abend doch alles wie am Schnürchen. Kritiker Voss, der laut Röttgen im Landesvorstand noch für die Liste gestimmt hatte, war erst gar nicht gekommen. Die anwesenden Delegierten ließen ihren Landeschef nicht im Stich - keine Spur von „Mittelrhein-Aufstand“. Schon während seiner Rede gab es „standing ovations“ für Röttgen. Anschließend rauschte minutenlanger Beifall und „Nobert, Norbert“-Rufe schallten durch den Saal. Auch das Wahlergebnis war respektabel. Mit 96,4 Prozent blieb der Umweltminister nur wenig hinter den 99-Prozent-Ergebnissen von Kraft und FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner zurück.

dpa

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