Nach heftiger Sturmnacht

Rettungsschiff „Eleonore“ durfte anlegen - Rinderspacher an Bord: „Es herrschte Lebensgefahr“

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Das deutsche Rettungsschiff „Eleonore“ nahm rund 100 Migranten nahe Libyen auf.

Nächstes Drama auf hoher See: Das deutsche Rettungsschiff „Eleonore“ mit rund 100 Migranten an Bord, darf nicht in Italien anlegen.

Update 15.05 Uhr: Dutzende Migranten von zwei tagelang blockierten Rettungsschiffen dürfen nach einer dramatischen Sturmnacht nun doch in Italien an Land. Der Kapitän des deutschen Schiffs „Eleonore“, Claus-Peter Reisch, rief nach einer Woche Blockade auf dem Meer den Notstand aus und steuerte trotz eines Verbots der italienischen Regierung nach Sizilien. Dort konnte er am Montag im Hafen von Pozzallo überraschend rasch anlegen. Die Migranten durften aussteigen. Das Schiff werde beschlagnahmt, erklärte das Innenministerium in Rom. Auch von dem Rettungsschiff „Mare Jonio“ durften die Migranten nach knapp einer Woche von Bord.

Die Lage auf der „Eleonore“ war schon seit Tagen heikel. Das als private Motorjacht registrierte Boot war viel zu klein für die vielen Menschen. In der Nacht zum Montag kam dann ein Gewittersturm dazu. „Es herrschte Lebensgefahr; so hoch waren die Wellen“, sagte der SPD-Politiker und Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Markus Rinderspacher, der seit Sonntag mit an Bord war. „Die 104 Flüchtlinge sind durchnässt und nach sieben Tagen auf dem Schiff völlig erschöpft und ausgelaugt.“

Vor Malta ist nun noch die deutsche „Alan Kurdi“ blockiert. Sie hatte 13 Migranten aufgenommen, die wie so viele andere auch selbstständig mit einem seeuntauglichen Holzboot von Tunesien nach Lampedusa fahren wollten. Nun sitzen sie auf der „Alan Kurdi“ fest. „Die Einfahrt wurde uns erwartungsgemäß verboten“, sagte der Sprecher der Hilfsorganisation Sea-Eye, Gorden Isler. „Wir befürchten, dass wir dort Tage, vielleicht sogar Wochen festzuhängen.“

Rettungsschiff „Eleonore“: „Dramatische Situation“ an Bord 

Update vom 2. September 2019: Der Kapitän des deutschen Rettungsschiffs „Eleonore“ hat den Notstand ausgerufen und ist trotz eines Verbotes in italienische Gewässer gefahren. Es sei illegal, eine Einfahrt zu verbieten, wenn Leben in Gefahr sei, sagte der Sprecher der Hilfsorganisation Mission Lifeline, Axel Steier, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Es habe in der Nacht einen Sturm gegeben und es stehe ein weiterer bevor. Ziel sei nun Pozzallo auf Sizilien.

Der Kapitän der „Eleonore“, der Deutsche Claus-Peter Reisch, hatte vor mehr als einer Woche mehr als 100 Migranten aufgenommen. Er wartet seitdem auf eine Genehmigung, in einen sicheren Hafen einzulaufen. Italiens Regierung hat die Einfahrt verboten. Auch aus Malta kam bisher keine Erlaubnis. In der Nacht zu Montag seien die Menschen bei einem Gewittersturm komplett durchnässt worden, hieß es auf der Twitter-Seite von Bord, Seegezwitscher.

Im Sommer war die deutsche Kapitänin Carola Rackete mit dem Schiff „Sea-Watch 3“ unerlaubt in italienische Gewässer gefahren. Sie war vorübergehend festgenommen worden - der Fall hatte international für Diskussionen gesorgt.

Der europapolitische Sprecher der bayerischen SPD-Landtagsfraktion, Markus Rinderspacher, hat eine schnelle Hilfe für das Rettungsschiff „Eleonore“ gefordert. Das Schiff der Organisation Mission Lifeline mit mehr als 100 Flüchtlingen an Bord befindet sich derzeit vor der Küste Maltas und wartet bereits seit sieben Tagen auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Rinderspacher sei seit Sonntagabend selbst auf diesem Schiff, teilte ein Sprecher der Landtagsfraktion am Montag mit.

Er sei mit drei Ärzten aus Hannover und aus Freiburg an Bord der „Eleonore“, die Situation sei „dramatisch“, hieß es. „Die Situation ist menschenunwürdig. Sie ist unhaltbar. Gestern Nacht hat das Schiff einen Gewittersturm überlebt“, twitterte Rinderspacher. Kapitän Klaus-Peter Reisch habe von einem lebensbedrohlichen Zustand gesprochen und den Notstand ausgerufen. „Wenn es ein Verbrechen sein soll, Menschenleben zu retten, dann verstehe ich diese Welt nicht mehr. Dieser Wahnsinn muss endlich ein Ende haben“, sagte Rinderspacher laut Mitteilung. Die SPD-Landtagsfraktion forderte zudem, die Seenotrettung zu entkriminalisieren. Europa müsse „endlich handeln“, teilte sie mit.

Nächstes Drama droht: Italien verbietet deutschem Rettungsschiff „Eleonore“ das Anlegen

Erstmeldung vom 27. August 2019:

Rom - Als „Rettung in letzter Sekunde“ beschreiben der bayerische Kapitän Claus-Peter Reisch und seine Crew die Rettung der rund 100 Menschen am Montag. Die Menschen seien gerettet worden, während ihr Boot am Sinken gewesen sei, sagte Axel Steier, Sprecher der Dresdner Hilfsorganisation „Mission Lifeline“. Dennoch hat das Leid der Geretteten an Bord des neuen Rettungsschiffs „Eleonore“ noch kein Ende. 

Denn dem Boot der „Eleonore“ wird von der zentralen Seenotrettung in Rom kein sicherer Hafen zum Anlegen zugewiesen. Stattdessen treiben die Geflüchteten und ihre Retter auf dem Schiff vor der italischen Küste. Wie zuvor den Rettungsschiffen „Open Arms“ und „Sea Watch“ hat Italiens Innenminister Matteo Salvini auch dem Boot das Anlegen in den Häfen des Landes verboten. Das Schiff mit deutscher Flagge dürfe nicht in italienische Gewässer fahren, hieß es am Dienstag aus dem Ministerium in Rom.

Italien verbietet deutschem Rettungsschiff „Eleonore“ das Anlegen

Die „Eleonore“ hatte die Menschen am Montag vor der libyschen Küste aufgenommen. Das Schiff gehört dem deutschen Kapitän Claus-Peter Reisch und wird von der Dresdner Hilfsorganisation Mission Lifeline unterstützt. „Wir haben noch keine positive Rückmeldung von EU-Staaten erhalten“, twitterte Reisch zur Aussicht auf einen sicheren Hafen.

Claus Peter Reisch hat in den vergangenen Jahren immer wieder auf seine Mission und die Bedeutung der Seenotrettung aufmerksam gemacht. Bekannt wurde er, nachdem er auf Malta aus bürokratischen Gründen angeklagt und zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Sein erstes Schiff liegt immer noch auf Malta. Bevor er das neue Schiff, die „Eleonore“, in Betrieb nahm, sorgte er jedoch für einiges an politischem Wirbel - Reisch legte sich nicht nur mit den CSU-Schwergewichten Horst Seehofer und Markus Söder an und überzeugte sie sogar von seiner Position.

dpa

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