Nach Sturz ihres Vertrauten Kauder

Presse zählt Angela Merkel an - eine Zeitung überrascht mit Nachfolge-Vorschlag

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Wie geht es weiter für Angela Merkel?

Nach Ralph Brinkhaus‘ Wahl zum Fraktionsvorsitzenden der Union im Bundestag stellt sich die Frage: Wie geht es weiter mit Bundeskanzlerin Angela Merkel? Die Pressestimmen im Überblick:

Nach der Niederlage von Merkels Vertrauten Volker Kauder im Kampf um den Fraktionsvorsitz der Union steht die Bundeskanzlerin vor einer schwierigen Zeit. Die Pressestimmen zur Zukunft Angela Merkels:

Frankfurter Rundschau: „Eine Gesellschaft, die sich nicht um Gerechtigkeit und sozialen Ausgleich bemüht, ist in ihren demokratischen Werten gefährdet. Das erleben wir derzeit drastisch. Entschlossenes Regierungshandeln, um die Gerechtigkeitsbalance wiederherzustellen ist dringend gefragt. Und eine Kanzlerin, die den demokratischen Diskurs anführt und in die Gesellschaft hineinwirkt.

Schafft Angela Merkel das? Will sie sich all diesen Aufgaben überhaupt noch stellen? Daran sollte sich die Kanzlerin messen lassen, davon ihr politisches Schicksal abhängig machen – nicht vom Stinkefinger aus Teilen der Fraktion.“

Mannheimer Morgen: Kanzlerin braucht „Zeichen der Stärke“

Mannheimer Morgen: „Angela Merkel scheint freilich weitermachen zu wollen wie bisher. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. In der Hoffnung, dass die Personalrochade im Machzentrum Bundestagsfraktion so funktioniert wie ein Reifenwechsel am Auto - danach läuft der Wagen einfach wie geschmiert weiter. Doch so wird es nicht kommen. Die Kanzlerin braucht dringend einen Befreiungsschlag, ein Zeichen der Stärke, wenn sie eine Chance haben will, noch drei Jahre durchzuhalten, wie sie es dem Wähler versprochen hat. Dieses Zeichen darf sie nicht erst auf dem Parteitag Anfang Dezember setzen.“

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Der Münchner Merkur sieht die Chance für einen Neuanfang - und die SZ stellt schon die Frage nach dem Merkel-Nachfolger

Münchner Merkur: „Der neue Unions-Fraktionschef ist ein Wirtschaftspolitiker mit regem Interesse an der Steuerpolitik und Gegner einer Ausweitung der europäischen Rettungspolitik. Für die Bundespolitik, die es sich angewöhnt hat, statt über arbeitende Mittelschicht nur noch über Randgruppen mit und ohne Migrationshintergrund zu reden, ist das nach langem wieder eine gute Nachricht. Viel wird von der neuen Machtarchitektur in der CDU abhängen, davon, ob eine(r) den Mut hat, Merkel auf dem Parteitag im Dezember auch noch den Parteivorsitz streitig zu machen. Dann könnte spätestens nach der Europawahl im Mai 2019 der Weg frei sein für den notwendigen Neuanfang in der Regierung. Der erste Schritt für eine Erneuerung der Union ist getan. Weitere sind erforderlich, damit sich die klassische Mitte jenseits der neuen linken Mittigkeit von Merkel, Groko und Grünen wieder Gehör verschaffen kann.“

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Süddeutsche Zeitung: „Die Nach-Merkel Kandidaten sind bekannt: Jens Spahn, 38; Daniel Günther, 45. Annegret Kramp-Karrenbauer, 56. Armin Laschet, 57. Peter Altmaier, 60. Im Hintergrund gibt es noch Thomas de Maizière, 64; Ursula von der Leyen, 59. Als CDU-Chef oder -Chefin kann man sich einen der Jüngeren gut vorstellen. Aber als Kanzler? Mag man sich vorstellen, dass ein Spahn mit Trump verhandelt? Schöner ist diese Vorstellung: Die CDU hat ein neues junges Gesicht; und das Land hat einen klugen alten Kopf. CDU-Chef war Schäuble schon einmal, die Zeit dafür ist vorbei. Aber das Land als Kanzler in einer Zeit des Übergangs zu stabilisieren, das könnte sein letzter Dienst sein. Die CDU bekommt derweil einen Chef oder eine Chefin, der oder die zeigt, was er oder sie kann. Ob Merkel das mit sich machen lässt? Vielleicht steuert sie es selbst so. Sie ist eine ungewöhnliche Frau.“

Ralph Brinkhaus löste den Merkel-Vertrauten Volker Kauder als Fraktionsvorsitzenden ab.

Internationale Presse: Merkel-Frage eng mit der AfD-Frage verknüpft

Neue Züricher Zeitung (Schweiz): „Ihre oft als pragmatisch bezeichnete, in Wahrheit aber von der veröffentlichten Meinung mal hierhin, mal dorthin und zu oft nach links getriebene Politik hat eine Partei rechts von der Union groß werden lassen, die sich anschickt, die politische Kultur des Landes nachhaltig zu beschädigen. In den ostdeutschen Bundesländern Brandenburg, Sachsen und Thüringen wird im Herbst 2019 gewählt werden. Wenn Merkel ihrer Partei erlaubt, sich vorher von ihr zu emanzipieren und neu zu positionieren, dann könnte die AfD auf ihrem Weg zur Volkspartei noch gestoppt werden. Es wäre ein mächtiges Zeichen der einstmals mächtigsten Frau der Welt."

Le Figaro (Frankreich): „In ihrer zwölfjährigen Herrschaft hat die 'starke Frau Europas' noch nie so ohnmächtig und geschwächt gewirkt. Festgefahren im Schlamm ihrer Koalition, bedroht in ihrer eigenen Partei. Seit einem Jahr läuft alles schlecht. (...) Nur die Angst vor der Anti-Flüchtlings-Partei rettet die Koalition noch. Jeder fürchtet, (die AfD) könne im Fall einer Neuwahl zweitstärkste Kraft werden. Wird Angela Merkel die ihr verbleibenden drei Jahre durchhalten? Oder wird sie Opfer einer Palastrevolution in der CDU? Eins ist sicher: Das sind keine guten Nachrichten für Emmanuel Macron."

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