Donald Trump vs. Joe Biden

Präsidentschaftswahl in den USA: Ergebnisse lassen auf sich warten - kompliziertes Wahlsystem

Wird Joe Biden der neue Präsident der USA - oder bleibt es Donald Trump? Die Ergebnisse der US-Wahl 2020 lassen auf sich warten. Das liegt auch am amerikanischen Wahlsystem.

Hamm - Wer wird am 21. Januar 2021 im Oval Office sitzen? Das wird die US-Wahl 2020 zeigen. Doch bis die Stimmen für den Demokraten Joe Biden und Amtsinhaber Donald Trump (Republikaner) ausgezählt sind und fest steht, wer der nächste Präsident der USA wird, kann es noch dauern. Ein Grund dafür ist das komplizierte Wahlsystem der Staaten.

StaatUSA
HauptstadtWashington, D.C.
Fläche9.826.675 km²
Einwohnerzahl328 Mio. (2019)
Bundesstaaten50

US-Wahl 2020: Ergebnisse lassen auf sich warten - wegen des Wahlsystems von Amerika

Koalitionsverhandlungen wie in Deutschland wird es in Amerika nach der US-Wahl 2020 nicht geben, die Wahl entscheidet sich zwischen den beiden großen Parteien, zwischen Rot oder Blau. Zwar gibt es noch Kandidaten von weiteren Parteien - diese spielen jedoch nur eine marginale Rolle. Wer schlussendlich gewinnt, wird nur indirekt durch die Wähler bestimmt. Die Bürger der USA wählen zunächst Wahlmänner und -frauen, die dann den Präsidenten wählen.

US-Wahl 2020: Donald Trump gegen Joe Biden - wann stehen die Ergebnisse für die beiden Kandidaten fest?

Aufgrund des indirekten Wahlsystems mit Wahlleuten ist es für jeden Präsidentschaftskandidaten möglich, zum Sieger zu werden, obwohl derjenige nicht die meisten Stimmen direkt hat. Deswegen lässt das Ergebnis so lange auf sich warten.

Die Stimme der Wähler entscheidet über die Zusammensetzung des Electoral Colleges, des Wahlmänner-Kollegiums. Die Wahlleute werden wiederum von jedem der 50 Bundesstaaten entsendet, um den Präsidenten der USA zu wählen. Dabei bestimmt die Einwohnerzahl die Anzahl der Wahlleute - und damit auch die Stimmanzahl der Bundesstaaten. Einwohnerarme US-amerikanische Bundesstaaten wie Alaska oder Delaware haben jeweils nur drei Wahlleute, Kalifornien hingegen hat 55.

US-Wahl 2020: Florida hat besonderen Stellenwert

Die Anzahl der Wahlleute steigt aber nicht durch die steigenden Bevölkerungszahlen in den jeweiligen Bundesstaaten. Zum Beispiel: Kalifornien hat 66-mal so viele Einwohner wie Wyoming, aber nur 55 Wahlleute, Wyoming hat drei. Auch die Hauptstadt Washington hat drei Wahlleute.

Wer gewinnt, legen die insgesamt 538 Wahlleute fest - und zwar nach dem Mehrheitsprinzip. Es gilt für Joe Biden und Donald Trump also, 270 Stimmen zu erringen.

Wen die Wahlleute wählen, ist in 48 der 50 Bundesstaaten der USA durch das Mehrheitssystem festgelegt. Das heißt, dass diejenige Partei, die etwa die meisten Stimmen in etwa Florida hat, alle Wahlleute-Stimmen bekommt. So bekam etwa Hillary Clinton bei der vergangenen Wahl 2016 die meisten Direktstimmen - hatte am Ende dennoch das schlechtere Ergebnis und verlor trotzdem durch die Wahlleute.

Die einzigen Ausnahmen dieses Mehrheitsprinzip sind Nebraska und Maine, deren Wahlleute werden zum Teil nach den Sieger in den Kongresswahbezirken bestimmt.

US-Wahl 2020: Warum verzögern sich die Ergebnisse so?

Die USA haben verschiedene Zeitzonen, sodass die Wahllokale zu unterschiedlichen Zeiten schließen. Wenn in Vermont die Wahllokale am 3. November um 11 Uhr der mitteleuropäischen Zeit öffneten (in Vermont 5 Uhr morgens), so öffnen die in Kalifornien ganz im Westen um 16 Uhr der mitteleuropäischen Zeit (7 Uhr in Kalifornien). Die letzten Stimmen wurden um 7 Uhr am Mittwochmorgen (mitteleuropäische Zeit) in Alaska abgegeben, erst danach ist die Wahl beendet.

Hinzu kommen die vielen Briefwähler. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie haben viele US-Amerikaner die Briefwahl genutzt, obwohl Donald Trump schon im Vorfeld der Wahl gegen diese wetterte und den Demokraten Betrugsversuche vorwarf. Das Auszählen dieser Stimmen dauert länger - am normalen Wahltag verwenden die US-Amerikaner zum größten Teil Wahl-Computer, sodass das Zählen automatisiert ist. Teilweise muss auf die Briefwahl-Stimmen jetzt für das endgültige Ergebnis gewartet werden.

US-Wahl 2020: Wer der nächste Präsident wird, wird sich in den Swing States zeigen

Die sogenannten Swing States sind bei der Wahl 2020 besonders umkämpft. In diesen Staaten haben die Kandidaten der beiden großen Parteien traditionell beide Chancen zu gewinnen. Durch das Mehrheitsprinzip der Wahlleute reicht es aber, hier die Mehrheit zu bekommen und alle Stimmen des Bundeslandes zählen für den jeweiligen Kandidaten.

Während die Republikaner in den eher konservativen Staaten im Süden und im Mittleren Westen traditionell dominieren und die liberaleren Staaten wie im Nordosten oder an der Westküste eher Demokraten wählen, ist in den Swing Staates das Ergebnis offen.

Ergebnisse der US-Wahl 2020: Erst im Dezember stimmen die Wahlleute ab

Durch das sehr knappe Kopf-an-Kopf-Rennen von Biden und Trump bei US-Wahl 2020 sind vor allem die Swing States für das endgültige Ergebnis entscheidend. Florida gilt als wichtigster Staat (29 Wahlleute) bei dieser Wahl - hier setzte sich Donald Trump sehr knapp durch. Auch Ohio, Arizona, Texas und Pennsylvania zählen zu den hart umkämpften Bundesstaaten.

Die eigentliche Wahl durch die Wahlleute wird aber erst im Dezember erfolgen. Die Wahlmänner und -frauen müssen sich nach der Wahl der Bürger richten, sonst drohen ihnen Strafen. Theoretisch reicht es durch das Wahlssystem der USA also, dass Joe Biden oder Donald Trump die elf bevölkerungsstärksten Staaten gewinnen.

Rubriklistenbild: © Angela Weiss and SAUL LOEB / AFP

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