Im Januar noch Mega-Hotspot

Corona-Wunder in Portugal: Volle Restaurants und Gyms - wie der strenge Lockdown Früchte trug

In Portugal, im Januar noch der Corona-Hotspot weltweit, gibt es Lockerungen inklusive Öffnungen von Gastronomie in Fitnessstudios. Wie das Land in Europa das schaffte.

Hamm - Die Sehnsucht der Deutschen ist groß. Nach einem Besuch im Café. Im Restaurant. In einer Bar. Doch während hierzulande noch immer nach dem richtigen Lockdown zur Bekämpfung des Coronavirus sucht, sind andere Länder in Europa schon viel weiter - zum Beispiel Portugal. (News zum Coronavirus)

LandPortugal
HauptstadtLissabon
Staats- und Regierungsformsemipräsidentiell Republik
Bevölkerung10,28 Millionen (2019)

Portugal: Im Januar weltweiter Corona-Hotspot - jetzt öffnen Gastronomie und Fitnessstudios

Statt Corona-Müdigkeit herrscht in Portugal mittlerweile Jubel und Aufbruchstimmung, nachdem das Land noch im Januar bezogen auf die Bevölkerungszahl zeitweilig die höchsten Corona-Infektionszahlen gehabt hatte und als Mega-Hotspot gegolten hatte. Im Zuge der seit Wochen sinkenden Infektionszahlen hat der frühere Coronavirus-Hotspot die Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie weiter gelockert. Seit Montag, 5. April, dürfen Gastronomiebetriebe wie Kneipen, Cafés und Restaurants erstmals nach gut zweieinhalb Monaten wieder Gäste empfangen.

Doch das sind nicht die einzigen Corona-Lockerungen. Auch Museen und Galerien, Läden mit einer Verkaufsfläche von höchstens 200 Quadratmetern, Straßenmärkte und Fitnessstudios sowie andere Sporteinrichtungen wie Tennis- und Golfplätze dürfen unter strengen Auflagen wieder öffnen. Dazu gibt es für Schüler mehrerer Jahrgänge wieder Präsenzunterricht.

Die Freude bei den Menschen in Portugal war entsprechend riesig: Sie stürmten bei besten Frühlings-Temperaturen um die 20 Grad schon vormittags auf die Straßen. Vor allem Fitnessstudios und Terrassen waren überall in der Hauptstadt Lissabon schnell voll. Es gab hinter den Masken viele glückliche Gesichter.

Portugal lockert Corona-Regeln: Bürger dürfen Wohnbezirk ohne „triftigen Grund“ verlassen

„Zu Hause hocken zu müssen macht sehr traurig. Wenn man trainieren darf, ist man auch gesünder“, sagte ein junger Mann in einem Gym zum Fernsehsender TVI24. Eine neben ihm stehende junge Frau räumte ein: „Ich bin heute Morgen sofort rausgerannt“.

Doch wie geht das? Während andere Länder ein Europa Frankreich, Italien oder Deutschland, wo CDU-Chef Armin Laschet einen „Brücken-Lockdown ins Gespräch brachte, ihren Lockdown zum Tel verschärfen wollen bzw. werden, konnte die portugiesische Regierung am Freitag wegen der guten Entwicklung der zweiten Lockerungsetappe grünes Licht für Lockerungen geben. Sie soll zunächst für zwei Wochen gelten. Man könne diesen neuen vorsichtigen Schritt aufgrund der Fortschritte im Kampf gegen das Coronavirus wagen, erklärte Ministerpräsident António Costa.

Die rund 10,3 Millionen Bürger des Landes dürfen neben weiteren Lockerungen den jeweiligen Wohnbezirk wieder verlassen, ohne einen „triftigen Grund“ dafür angeben zu müssen. Bereits vor drei Wochen waren erste Lockerungen gestattet worden - unter anderem für Friseure und Buchläden.

Corona-Regeln in Portugal gelockert - aber weit weg von Normalität

Doch der Schein trügt: Normalität herrscht in Portugal trotz der guten Corona-Zahlen allerdings noch lange nicht. Die Gastronomiebetriebe dürfen nur in den Außenbereichen und nur bis 22.30 Uhr an Werktagen sowie bis 13 Uhr an Wochenenden und Feiertagen ihre Gäste bewirten. An jedem Tisch dürfen nur jeweils höchstens vier Personen Platz nehmen. Die Landgrenze zu Spanien bleibt geschlossen.

Portugal hatte im Januar bezogen auf die Bevölkerungszahl zeitweilig die höchsten Infektionszahlen weltweit. Kliniken platzten aus allen Nähten, Covid-Patienten mussten auch in engen Fluren behandelt werden. Medien berichteten von Patienten, die eine ganze Nacht im Krankenwagen verbringen mussten. Der Präsident des portugiesischen Ärzteverbandes ANMSP, Ricardo Mexia, bezeichnete damals die Lage als „absolut dramatisch“. Die Bundeswehr reagierte Anfang Februar auf den Notruf und schickte zur Unterstützung der überforderten Ärzte ein 27-köpfiges Sanitäter-Team nach Lissabon.

Strenger Lockdown im Corona-Hotspot Portugal trug Früchte

Doch der seit dem 13. Januar beschlossene strenge Lockdown mit Ausgehbeschränkungen und Zwangsschließungen trug offenbar Früchte: Nach jüngsten Zahlen der EU-Agentur ECDC steckten sich binnen 14 Tagen nur noch 60,25 Menschen je 100 000 Einwohner mit dem Virus an. Damit gehört man zu den besten unter den 30 erfassten Ländern.

In Deutschland betrug diese 14-Tage-Inzidenz zuletzt 137. Im Januar hatte dieser Wert in Portugal noch bei deutlich über 1600 gelegen. Die Zahl der Covid-Kranken den Intensivstationen ging von ca. 1000 auf 117 zurück. Dass auch deutsche Medien von einem „Wunder“ sprechen, ist angesichts der Entwicklung nicht verwunderlich. - dpa/WA

Rubriklistenbild: © Patricia de Melo Moreira/AFP

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