Vorwürfe gegen Russland

Kopfgeld auf US-Soldaten in Afghanistan - was wusste Trump?

Das Archivbild aus dem Jahr 2017 zeigt ein Manöver in der afghanischen Provinz Helmand. Foto: Massoud Hossaini/AP/dpa
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Das Archivbild aus dem Jahr 2017 zeigt ein Manöver in der afghanischen Provinz Helmand. Foto: Massoud Hossaini/AP/dpa

Wie viel wusste Donald Trump? Darum dreht sich die Diskussion in den USA, denn brisante Berichte über russisches Kopfgeld auf US-Soldaten werfen eine Frage auf: Warum reagierte die US-Regierung scheinbar nicht?

Washington (dpa) - Inmitten brisanter Enthüllungen über angebliches russisches Kopfgeld auf US-Soldaten in Afghanistan ist ein Streit darum entbrannt, wie viel US-Präsident Donald Trump wusste.

Der Nationale Sicherheitsberater Robert O'Brien bestritt Medienberichte, Trump sei von der Gefahr unterrichtet worden. Weil diese Vorwürfe nicht von den Geheimdiensten "überprüft oder untermauert wurden, war Präsident Trump nicht über die Themen informiert worden", sagte er. Dennoch habe sich unter anderem das Personal des Nationalen Sicherheitsrates "darauf vorbereitet, falls die Situation Maßnahmen rechtfertigt".

Mehrere US-Zeitungen hatten sich auf Geheimdienstinformationen berufen, wonach russische Agenten militanten Islamisten von den Taliban Geld für Angriffe auf US-Stellungen versprochen haben sollen. Die Belohnungen seien für die Tötung ausländischer Soldaten, darunter auch Briten, in Aussicht gestellt worden. Die Medien berichteten außerdem unter Berufung auf anonyme Quellen, Trump sei über die Gefahr unterrichtet worden. Die "New York Times" legte am späten Montagabend nach: Trump habe Ende Februar ein schriftliches Briefing erhalten. Wie viel der Präsident wusste, ist relevant, weil Maßnahmen der US-Regierung gegen Moskau in der Sache nicht bekannt sind.

Vor einigen Wochen hatte Trump dagegen sogar die Idee geäußert, Russland auf den anstehenden G7-Gipfel in den USA einzuladen. Kritiker werfen dem US-Präsidenten schon seit Jahren vor, gegenüber Russland eine viel zu zurückhaltende und sogar zuvorkommende Linie zu fahren. O'Brien versicherte, dass Trumps Priorität auf der Sicherheit amerikanischer Truppen liege. Den Regierungsbeamten, die Informationen an die Presse durchstachen, drohte er: Ihr Verhalten gefährde die nationale Sicherheit.

Das Pentagon teilte unterdessen mit, dass es bislang keine "bestätigenden Hinweise" für die bekanntgewordenen Erkenntnisse gebe. Man sei weiterhin damit beschäftigt, die Berichte zu bewerten. Die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, sprach am Montag mit dem Direktor der Nachrichtendienste, John Ratcliffe, sowie mit CIA-Chefin Gina Haspel und forderte eigenen Angaben zufolge erneut Aufklärung angesichts der "verstörenden" Berichte. Die Abgeordneten müssten direkt von den Erkenntnissen unterrichtet werden.

Dabei könnte das russische Kopfgeld weiteren Berichten zufolge tatsächlich zum Tod von US-Soldaten in Afghanistan geführt haben: Untersucht werde unter anderem ein Autobombenanschlag im April 2019, bei dem drei Marinesoldaten getötet worden seien. Der "Washington Post" zufolge hatte die CIA die Informationen über das russische Kopfgeld untersucht und "bestätigt". Eine Reaktion der US-Regierung sowie Maßnahmen gegen Russland seien nicht bekannt, obwohl intern über das weitere Vorgehen diskutiert worden sei.

Nach einem Briefing im Weißen Haus machten demokratische Kongressabgeordnete am Dienstag deutlich, dass sie es bevorzugt hätten, von Mitarbeitern der Geheimdienste CIA oder NSA unterrichtet zu werden. Sie hätten dann auch gerne erfahren, für wie glaubwürdig diese die Informationen halten, sagte der Mehrheitsführer der Demokraten im Repräsentantenhaus, Steny Hoyer. Die Abgeordneten hätten nichts substanziell Neues erfahren. Am Montag waren bereits Republikaner vom Weißen Haus unterrichtet worden und hatten danach "nachdrückliche, rasche und ernsthafte Maßnahmen" gegen Russland empfohlen, sollten sich die Vorwürfe als wahr erweisen.

Der Kreml bezeichnete die Medienberichte als "Lüge". Die "größten, verehrten und hochklassigen Massenmedien der Welt hören seit Jahren nicht auf, absolute "Enten" zu verbreiten", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge.

© dpa-infocom, dpa:200629-99-610296/8

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New York Times (Englisch)

CNN (Englisch)

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