Kandidatur zum CDU-Vorsitzenden

Norbert Röttgen: Vom Hoffnungsträger zum gestürzten Minister - der Politiker im Porträt

Norbert Röttgen wollte Vorsitzender der CDU werden, doch scheiterte im ersten Wahlgang. Wir stellen den Politiker aus NRW vor.

  • Norbert Röttgen wollte Vorsitzender der CDU werden, doch unterlag bei der Wahl Armin Laschet und Friedrich Merz.
  • Röttgen wollte vor einigen Jahren schon einmal Ministerpräsident in NRW werden.
  • In der CDU gilt Röttgen als Experte für Außenpolitik.

Meckenheim - Norbert Röttgen war im Rennen um das Amt des CDU-Vorsitzenden am Ende doch nicht der lachende Dritte? Der ehemalige Umweltminister hatte gute Umfragewerte im Vergleich zu Armin Laschet und Friedrich Merz. Röttgen wollte die CDU moderner, digitaler und weiblicher machen.

NameNorbert Röttgen
Geboren2. Juli 1965 in Meckenheim
EhefrauEbba Herfs-Röttgen
AmtMitglied des Deutschen Bundestags
ParteiCDU

Es war eine große Überraschung, als sich Norbert Röttgen im Februar 2020 zu Wort meldete. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte einige Wochen zuvor ihren Rückzug vom Vorsitz der Partei bekannt gegeben. Norbert Röttgen war der erste Politiker, der ankündige, er werde sich als Nachfolger bewerben. Damit hatten politische Beobachter nicht gerechnet. Röttgen stand nach seiner bitteren Niederlage im NRW-Landtagswahlkampf 2012 und seiner Ablösung als Umweltminister politisch nur noch in der zweiten Reihe.

Nur wenige Tage später warfen auch Friedrich Merz und Armin Laschet ihren Hut in den Ring. Auch sie wollten Vorsitzender der CDU werden. Laschet kündigte frühzeitig an, er wolle ein Team mit Gesundheitsminister Jens Spahn bilden. Nach ersten Umfragen zeichnete sich ab, dass Röttgen nur Außenseiterchance hatte. Laschet wurde auf dem Parteitag seiner Favoritenrolle gerecht. Bei der Stichwahl bekam Laschet 521 Stimmen, Friedrich Merz unterlag mit 466 Stimmen. Im ersten Wahlgang war Norbert Röttgen mit 224 Stimmen ausgeschieden. Merz erhielt bei der ersten Abstimmung 385 Stimmen, Laschet 380 Stimmen. Laschet hatte auf dem digitalen Parteitag mit einer überraschend emotionalen Rede bei den Delegierten gepunktet, Merz blieb überraschend blass. Jens Spahn wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Sie waren die drei Kandidaten für den Bundesvorsitz der CDU, Norbert Röttgen (l-r), Armin Laschet und Friedrich Merz, stehen nach einem Mitglieder-Talk der Jungen Union nebeneinander.

Norbert Röttgen: Lebenslauf, Ehefrau, Familie

Wer ist dieser Norbert Röttgen, der Anfang der 2000-er Jahre als großer Hoffnungsträger der CDU galt und im Jahr 2012 aus dem Blickfeld geriet? Norbert Röttgen wurde am 2. Juli 1965 in Meckenheim im Rhein-Sieg-Kreis (NRW) geboren. Röttgen wuchs im benachbarten Rheinbach auf, wo er auch das städtische Gymnasium besuchte. Nach seinem Abitur im Jahr 1984 begann Röttgen ein Studium der Rechtswissenschaft im nur 15 Kilometer entfernten Bonn. Damals war Bonn noch Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Röttgen bestand das erste und zweite juristische Staatsexamen und wurde 1993 als Rechtsanwalt zugelassen. 2001 promovierte er außerdem an der Universität Bonn.

Norbert Röttgen ist mit Ebba Herbs-Röttgen verheiratet, die ebenfalls als Anwältin arbeitet. Die beiden haben zwei Söhne und eine Tochter. Röttgen wechselte die Rheinseite und lebt mit seiner Frau in Königswinter. Die Stadt gehört ebenfalls zum Rhein-Sieg-Kreis.

Norbert Röttgen: Seine Karriere in der CDU

Mitte der 80-er Jahre trat Norbert Röttgen in die CDU ein. Es folgte eine erfolgreiche Karriere, in der Röttgen aber auch einige Niederlagen kassierte.

  • Norbert Röttgen war von 1992 bis 1996 NRW-Landesvorsitzender der Jungen Union, der Nachwuchsorganisation der CDU
  • 1994 zog Röttgen erstmals in den Deutschen Bundestag ein als Direktkandidat im Wahlkreis Rein-Sieg II
  • Von 2000 bis 2009 war Röttgen stellvertrender Vorsitzender der CDU-Landesgruppe NRW im Bundestag
  • Von 2002 bis 2005 war er rechtspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel ernannte Röttgen 2005 zum Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
  • Nach der Bundestagswahl 2009 wurde Norbert Röttgen Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
  • 2010 wurde Röttgen zum Vorsitzenden der CDU in NRW gewählt
  • Bei der Landtagswahl 2012 unterlag Röttgen als Spitzenkandidat der NRW-CDU mit einem katastrophalen Ergebnis gegen die spätere SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft
  • Seit 2014 ist Röttgen Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag

Norbert Röttgen: Hoffnungsträger in der CDU

Über viele Jahre galt Norbert Röttgen als Hoffnungsträger in der CDU. Immer wieder ging es bei Röttgen um das Thema Zukunftsfähigkeit der CDU. Medien fanden viele Bezeichnungen für Röttgen und einige seine Mitstreiter. Aufgrund seines Alters wurde Röttgen zu den „Jungen Wilden“ der CDU gezählt. Eine weitere Bezeichnung folgte Mitte der 90-er Jahre. Der ehemalige CSU-Generalsekretär Bernd Protzner sprach abwertend von der „Pizza Connection“. Damit wurde dann auch in den Medien eine Gruppe von einflussreichen CDU-Politikern des Bundestags genannt, die sich mit Vertretern von Bündnis90/Die Grünen in einer Pizzeria getroffen hatte.

Zu der „Pizza Connection“ gehörten unter anderem der heutige NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der heutige Wirtschaftsminister Peter Altmaier sowie der ehemalige Grünen-Chef Cem Özdemir. Offenbar tasteten Vertreter der beiden Parteien ab, ob zukünftig auch ein schwarz-grünes Bündnis, das viele Jahre ausgeschlossen war, möglich sei. Mit Beginn der rot-grünen Koalition im Jahr 1998 wurden die Treffen der „Pizza Connection“ seltener.

Norbert Röttgen: Umweltminister war „Muttis Klügster“

Am 28. Oktober 2009 wurde Norbert Röttgen Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Spöttisch soll Röttgen in der Partei als „Muttis Klügster“ genannt worden sei. Röttgen war für seine Loyalität zu Angela Merkel bekannt. Die Ernennung zum Minister war der Höhepunkt in der politischen Karriere des Politikers. In seiner eigenen Partei machte er sich mit seiner Einstellung zum Thema Atomkraft nicht nur Freunde. Röttgen stand der atomaren Stromerzeugung kritisch gegenüber.

Einschneidendes Ereignis war die Nuklearkatastrophe von Fukushima im März 2011. Nach einem Erdbeben in Japan kam es zu Kernschmelzen in dem Kraftwerk. Mehrere zehntausend Menschen mussten ihre Heimat verlassen. Durch diesen Vorfall kam es in vielen Ländern zu einem Umdenken in der Energiepolitik. So auch in Deutschland: Noch im Sommer 2011 wurde vom Bundestag der Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Umweltminister Norbert Röttgen wurde mit dieser Aufgabe betreut.

Angela Merkel und Norbert Röttgen, hier bei einem Wahlkampftermin in Hamm, hatten viele Jahre ein enges Verhältnis. Im Jahr 2012 entließ die Kanzlerin ihren Umweltminister nach der Wahlniederlage in NRW.

Norbert Röttgen: Sieg über Armin Laschet in NRW

Nachdem die CDU-FDP-Landesregierung 2009 von einer rot-grünen Regierung mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft abgelöst wurde, war die CDU in NRW auf der Suche nach einem neuen Vorsitzenden. 2010 traten Norbert Röttgen und Armin Laschet gegeneinander an. Röttgen entschied das Rennen knapp für sich. 80.000 CDU-Mitglieder in NRW hatten sich an der Wahl beteiligt. Röttgen bekam 55 Prozent der Stimmen und wurde Ende 2010 zum Vorsitzenden der CDU in NRW gewählt.

Der Vorsitzende der NRW-CDU gehört auch traditionell dem Bundesvorstand der Partei an. So wurde Röttgen Ende 2010 zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Röttgen führte die NRW-CDU im Wahlkampf zur Landtagswahl 2012 an.

Norbert Röttgen: Niederlage gegen Hannelore Kraft

In NRW kam es 2012 zu vorgezogenen Wahlen, weil die rot-grüne Minderheitsregierung unter Hannelore Kraft keine Mehrheit für den Haushaltsetat bekommen hatte. Am 13. Mai 2012 konnten die Wähler in NRW über einen neuen Landtag entscheiden. Mit ungeschickten Äußerungen handelte sich Spitzenkandidat Norbert Röttgen daraufhin viel Kritik ein. So wurde ihm vorgeworfen, er vermische Bundes- mit Landespolitik im Wahlkampf. Außerdem wurden ihm Statements in einigen Interviews ausgelegt.

Die CDU erzielte daraufhin bei der Wahl am 13. Mai 2012 das historisch schlechteste Ergebnis in NRW. Nur 26,3 Prozent der Wähler votierten für die Christdemokraten. Hannelore Kraft wurde wiedergewählt, diesmal reichte es zu einer sicheren Mehrheit gemeinsam mit den Grünen.

Norbert Röttgen: Entlassung als Minister nach Wahlniederlage

Nach der Wahlniederlage gab es viel Kritik an Norbert Röttgen. Diverse Spitzenpolitiker der CDU forderten seinen Rücktritt als Bundesminister. Ein Hauptvorwurf: Röttgen habe sich nicht komplett für seine Aufgabe in NRW entschieden. Er habe immer eine Rückkehr in die Bundespolitik offen gelassen, sollte er die Wahl in NRW verlieren. Unter anderem forderte der damalige CSU-Chef Horst Seehofer seinen Rücktritt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel konfrontierte ihn offenbar mit dieser Kritik, doch dachte Röttgen nicht an Rücktritt. Er wollte als Umweltminister weiter die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien begleiten. Daraufhin kam es zu dem seltenen Fall, dass ein Bundesminister entlassen wurde. Dies war in der Geschichte der Bundesrepublik erst einmal zuvor passiert. Einige Jahre zuvor hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder seinen Minister Rudolf Scharping entlassen.

Die Entlassung von Röttgen wiederum verursachte Kritik von CDU-Politikern aus NRW. Unter anderem CDU-NRW-Generalsekretär Oliver Wittke und CDU-NRW-Fraktionschef Karl-Josef Laumann äußerten ihr Unverständnis. Auch viele Medien kritisierten die Vorgehensweise von Kanzlerin Angela Merkel. Peter Altmaier wurde im Mai 2012 zum Nachfolger von Röttgen als Umweltminister ernannt.

Norbert Röttgen: Seine Idee für die Zukunft der CDU

Bei einer Diskussionsveranstaltung der CDU Mitte Dezember hatten die drei Bewerber um den Parteivorsitz viele inhaltliche Gemeinsamkeiten erkennen lassen. Armin Laschet und Norbert Röttgen sprachen sich in der Debatte ausdrücklich für eine innerparteiliche Frauenquote für Führungsämter aus. Laschet forderte unter anderem, dass die nächste Bundesregierung paritätisch mit Männern und Frauen besetzt werden müsse. Merz zeigte sich in der Quotenfrage skeptischer. Mit Blick auf die Bundestagswahl sprachen sich alle drei Kandidaten gegen einen Koalitionswahlkampf aus.

Röttgen sagte, die Erfahrung aus dem Wettbewerb um den Parteivorsitz sei, „dass respektvoller Wettbewerb um die Sache etwas ist, das der CDU nützt.“ Er wolle die „CDU modernisieren - nicht unsere Werte - wir müssen aus unseren Werten heraus neue Antworten geben.“ Röttgen will sich keinem CDU-Flügel zurechnen lassen - er steht irgendwo zwischen dem CDU-Liberalen Laschet und dem Konservativen Merz. In der Partei hat Röttgen keine Hausmacht und keine mächtigen Fürsprecher. Was ihm an Rückhalt in der CDU-Spitze fehlt, macht er durch Selbstbewusstsein und mediale Präsenz wett. „Die Stimmung hat sich gedreht, es gibt Rückenwind für mich“, stellte Röttgen fest

Norbert Röttgen: Wahl auf digitalem Parteitag

Der Vorsitzende der CDU wurde Mitte Januar auf einem fast vollständig digitalen Parteitag gewählt. Einen von vielen favorisierten Präsenz-Parteitag in einer Halle und Bewerbungsreden vor großem Publikum konnte es wegen der Corona-Infektionslage wieder nicht geben. Zur Entscheidung standen deswegen eine digitale Variante mit Schlussabstimmung per Briefwahl und ein dezentraler Parteitag an mehreren Standorten mit digitalen Wahlen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/dpa-pool | Michael Kappeler

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