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Russland erobert Lyssytschansk – und rückt bereits auf das nächste Ziel vor

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Von: Andreas Schmid, Felix Durach

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Die ukrainische Armee hat sich aus der hart umkämpften Stadt Lyssytschansk zurückgezogen. Nun greifen russische Soldaten die nächsten Ortschaften an. Der News-Ticker.

Update vom 4. Juli, 16.59 Uhr: Wladimir Putin hat nach der Einnahme der Region Luhansk die Fortsetzung der russischen Militäroffensive in der Ukraine angeordnet. Alle weiteren Entwicklungen in unserem neue News-Ticker zum Ukraine-Krieg.

Update vom 4. Juli, 7.24 Uhr: Am Sonntag hat Russland erklärt, Lyssytschansk im Osten der Ukraine eingenommen zu haben. Kiew bestätigte am Abend, dass sich ihre dortigen Truppen zurückziehen. Nun rücken die russischen Truppen auf das nächste Ziel vor, den Ballungsraum um Slowjansk. „In Richtung Slowjansk versuchen die Russen, die Kontrolle über die Ortschaften Bohorodytschne, Dolyna und Masaniwka herzustellen“, teilte der ukrainische Generalstab in Kiew am Montag mit. Die drei Ortschaften liegen weniger als 20 Kilometer im Norden und Nordosten von Slowjansk.

Von Osten her haben russische Truppen nach diesen Angaben bereits den Fluss Siwerskyj Donez überquert. Dort versuche der Feind die ukrainischen Kräfte auf eine neue Verteidigungslinie zwischen Siwersk, Soledar und Bachmut zurückzudrängen, hieß es in dem Lagebericht. Diese drei Städte liegen etwa 30 bis 40 Kilometer östlich vom Ballungsraum Slowjansk-Kramatorsk, der als Hauptquartier der ukrainischen Verteidigungskräfte im Donbass gilt. Unabhängig lassen sich die Angaben nicht überprüfen.

Tschetschenische Soldaten haben sich an den Kämpfen um Lyssytschansk beteiligt
Tschetschenische Soldaten haben sich an den Kämpfen um Lyssytschansk beteiligt (Foto vom 2. Juli) © Viktor Antonyuk/imago

Ukrainische Armee zieht sich aus Lyssytschansk zurück

Update vom 3. Juli, 20.00 Uhr: Nach wochenlangen Gefechten zieht sich die ukrainische Armee aus der Stadt Lyssytschansk im Osten des Landes zurück. Das teilte der Generalstab in Kiew am Sonntagabend mit. Die russischen Besatzungstruppen hätten eine mehrfache Überlegenheit, hieß es. Eine weitere Verteidigung hätte daher „fatale Folgen“.

Lyssytschansk war die letzte größere Bastion der Ukraininer im Gebiet Luhansk. Dessen Eroberung gehört zu den von Russland benannten vorrangigen Kriegszielen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Lage um Lyssytschansk als schwierig. Die Kämpfe bei der Stadt dauerten an, sagte er ebenfalls am Sonntag der ukrainischen Agentur Unian.

Ukraine-Krieg - Lyssytschansk
Beschädigte Wohngebäude in Lyssytschansk in der Region Luhansk in der Ukraine. © -/(Militärverwaltung der Region Luhansk/AP/dpa

Raketenbeschuss auf Slowjansk: Tote und Verletzte

Update vom 3. Juli, 16.25 Uhr: Das ostukrainische Slowjansk ist am Sonntag offenbar mit Mehrfachraketenwerfern beschossen worden. Mindestens sechs Menschen seien getötet und 15 verletzt worden, teilte eine Sprecherin der Regionalverwaltung von Donezk mit, zu der Slowjansk gehört. Bürgermeister Wadym Liach sprach seinerseits von „vielen Toten und Verletzten“ und machte Russland für den Angriff verantwortlich.

Ukrainische Medien berichten von 15 Bränden in der Region als Folge des Beschusses. Laut Ukrainska Pravda stand unter anderem ein Markt in Flammen. Die Sprecherin der Regionalverwaltung rief die Menschen in Slowjansk dazu auf, die Stadt möglichst zu verlassen. Slowjansk liegt nur wenige Kilometer von der Frontlinie entfernt und steht bereits seit Tagen unter Raketenbeschuss. Die Stadt gilt als nächstes mögliches Ziel russischer Truppen auf ihrem Vormarsch im Donbass.

Ukraine dementiert Einnahme von Lyssytschansk

Update vom 3. Juli, 13.20 Uhr: Die Ukraine hat russischen Angaben widersprochen, wonach die Stadt Lyssytschansk im Osten des Landes von Russland erobert worden sei. Die Stadt stehe nicht unter vollständiger russischer Kontrolle, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kiew am Sonntag dem britischen Sender BBC. Die Situation sei seit einiger Zeit jedoch „sehr intensiv“, russische Truppen griffen die Stadt permanent an.

„Für Ukrainer hat der Wert menschlichen Lebens oberste Priorität“, sagte der Sprecher weiter. „Deshalb könnten wir uns manchmal aus gewissen Gebieten zurückziehen, um sie in der Zukunft zurückzuerobern.“

Ukraine-Krieg: Russland meldet die Einnahme von Lyssytschansk

Update vom 3. Juli, 12.52 Uhr: Ramsan Kadyrow, Präsident der russischen Teilrepublik Tschetschenien, sagte bereits am Samstag, dass Lyssytschansk unter russischer Kontrolle stünde (siehe Update vom 2. Juli, 19.45 Uhr). Nun hat Russland diese Angabe bestätigt. Laut Verteidigungsminister Sergej Schoigu Lyssytschansk wurde die Stadt im Osten der Ukraine eingenommen. Damit habe man nun die völlige Kontrolle über das Gebiet Luhansk, meldete Schoigu nach einem Bericht der Agentur Interfax am Sonntag an Präsident Wladimir Putin. „Durch erfolgreiche Kampfhandlungen der russischen Streitkräfte zusammen mit den Einheiten der Luhansker Volksrepublik wurde die völlige Kontrolle über die Stadt Lyssytschansk und eine Reihe der nächstgelegenen Ortschaften hergestellt“, heißt es nach Angaben von Interfax in der Mitteilung des Ministers. Innerhalb eines Tages hätten die eigenen Truppen demnach in der Region 182 Quadratkilometer erobert.

Von ukrainischer Seite gab es dafür zunächst keine Bestätigung. Von unabhängiger Seite lassen sich Berichte aus den Kampfgebieten kaum überprüfen. Die Nachbarstadt Sjewjerodonezk hatte Russland zuvor schon erobert.

Ukraine-Krieg: Prorussische Separatisten melden Erfolg in Lyssytschansk

Update vom 3. Juli, 7.20 Uhr: Prorussische Separatisten haben eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit russischen Soldaten das Gebäude der Stadtverwaltung im schwer umkämpften ostukrainischen Lyssytschansk unter ihre Kontrolle gebracht (siehe Update vom 2. Juli, 22.26 Uhr). Die Ukraine stellte die Lage hingegen zuletzt anders dar.

Die ukrainische Seite sprach am Samstag auch von heftigen Gefechten, bezeichnete die Stadt aber weiter als umkämpft. Der Gouverneur des Luhansker Gebiets, Serhij Hajdaj, teilte mit, die Russen versuchten, Lyssytschansk von verschiedenen Seiten aus zu stürmen. Später am Tag bekräftigte der Sprecher der ukrainischen Nationalgarde, Ruslan Musytschuk: „In der Nähe von Lyssytschansk finden heftige Kämpfe statt, aber glücklicherweise ist die Stadt nicht umzingelt und steht unter der Kontrolle ukrainischer Truppen.“

Lyssytschansk ist der letzte große Ort im Gebiet Luhansk, den die ukrainischen Truppen noch gehalten haben. Die Eroberung des Gebiets ist eines der erklärten Ziele Moskaus in dem Krieg. In der letzten Woche hatte das ukrainische Militär die nur durch einen Fluss von Lyssytschansk getrennte Großstadt Sjewjerodonezk aufgeben müssen.

Ukraine-Krieg: Lyssytschansk schwer umkämpft

Update vom 2. Juli, 22.26 Uhr: Prorussische Separatisten haben eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit russischen Soldaten das Gebäude der Stadtverwaltung im schwer umkämpften ostukrainischen Lyssytschansk unter ihre Kontrolle gebracht. Das sagte der Separatistenvertreter Andrej Marotschko der russischen Agentur Interfax am Samstagabend. Zuvor hatte es vom Präsidenten der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, sowie von der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti ähnliche Meldungen gegeben. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben nicht.

Russische Streitkräfte nehmen offenbar Zentrum von Lyssytschansk ein

Update vom 2. Juli, 19.45 Uhr: Russische Streitkräfte sind nach eigenen Angaben in das Zentrum der ostukrainischen Stadt Lyssytschansk vorgerückt. Das erklärte der Präsident der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow am Samstag. Wenig später verkündete Kadyrow darüber hinaus, Lyssytschansk stünde nun unter russischer Kontrolle. Das meldete auch die Nachrichtenagentur Ria Nowosti unter Berufung auf ihren Korrespondenten. Bereits am Nachmittag hatten russischen Truppen die vollständige Einkesselung der Stadt vermeldet (Siehe vorheriges Update).

Das ukrainische Militär bestätigte den Verlust der Stadt jedoch nicht. Die Angaben lassen sich aktuell nicht unabhängig überprüfen. Lyssytschansk ist die letzte große Stadt im Oblast Luhansk, die sich bislang noch unter ukrainischer Kontrolle befindet. Sollte es dem russischen Militär tatsächlich gelungen sein, die Stadt einzunehmen, würden die Streitkräfte nahezu den kompletten Donbas kontrollieren. Ein erklärtes Ziel der russischen Armeeführung.

Kadyrow ist seit 2007 Präsident von Tschetschenien und ist ein treuer Diener von Russlands Präsident Wladimir Putin. Der 45-Jährige gilt als „Bluthund“ des Kreml-Chefs. Bereits seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar nehmen auch Truppen aus Tschetschenien an den Kampfhandlungen teil.

Ukraine-Krieg: Russische Truppen melden Einkesselung von Lyssytschansk

Update vom 2. Juli, 16.32 Uhr: Während pro-russische Kämpfer angeben, die ostukrainische Stadt Lyssytschansk vollständig umzingelt zu haben, spricht die ukrainische Seite zwar auch von heftigen Gefechten, bezeichnet die Stadt aber weiter als umkämpft. Der Gouverneur des Luhansker Gebiets, Serhij Hajdaj, teilte mit, die Russen versuchten, Lyssytschansk von verschiedenen Seiten aus zu stürmen. Lyssytschansk ist der letzte große Ort im Gebiet Luhansk, den die ukrainischen Truppen zuletzt noch gehalten haben. In der vergangenen Woche hatte das ukrainische Militär die nur durch einen Fluss von Lyssytschansk getrennte Großstadt Sjewjerodonezk aufgeben müssen.

Indes berichtet die ukrainische Zeitung Kyiv Independent von Raketenangriffen auf die südukrainische Stadt Mykolajiw und beruft sich dabei auf Angaben des südlichen Operationskommandos der Ukraine. Demnach habe Russland zehn Onyx-Raketen auf die Stadt abgefeuert und dabei gezielt den Hafen und die industrielle Infrastruktur der Stadt ins Visier genommen. Diese Angaben konnten zunächst nicht von unabhängiger Seite verifiziert werden.

Russland konzentriert sich auf den Donbass - Angriffe dauern auf breiter Front an

Update vom 2. Juli, 10.50 Uhr: Russland konzentriert sich im Ukraine-Krieg vermehrt auf den Osten des Landes. Kiew berichtetvon Angriffen auf breiter Front, etwa im Raum Charkiw (siehe vorheriges Update). Im Osten der Ukraine setzt Russland nach Angaben aus Kiew seine Angriffe auf breiter Front fort.

Aus dem Raum Awdijiwka (Oblast Donezk) meldete der ukrainische Generalstab am Samstag russische Luftangriffe. Im Schwarzen Meer wiederum blockiere Russland weiterhin die Seeverbindungen der Ukraine. Der britische Geheimdienst erklärte am Vormittag, dass ukrainischen Truppen Russland weiterhin daran hindern, in die südöstlichen Außenbezirke von Lyssytschansk vorzudringen. Lyssytschansk ist der letzten von der Ukraine gehaltenen Großstadt im Gebiet Luhansk, am Freitag wehrte die Ukraine einen Angriff auf ein Gelatine-Werk ab.

Update vom 2. Juli, 7.23 Uhr: In der Ost- und in der Südukraine sind Stellungen der ukrainischen Armee entlang der ganzen Frontlinie von russischen Truppen mit Artillerie beschossen worden. Dutzende Orte in den Gebieten Charkiw, Donezk, Luhansk, Saporischschja, Mykolajiw und Cherson wurden am Freitag in dem bei Facebook veröffentlichten Bericht des ukrainischen Generalstabs aufgezählt.

Vereinzelt seien auch Angriffe von Flugzeugen und Hubschraubern geflogen worden, hieß es weiter. Ukrainische Einheiten hätten einen russischen Angriff bei einem Gelatine-Werk bei der Industriestadt Lyssytschansk im Gebiet Luhansk abgewehrt. Die Berichte können nicht unabhängig geprüft werden.

Ukraine wirft Russland Einsatz von Phosphorbomben auf der Schlangeninsel vor

Erstmeldung vom 1. Juli: Kiew – Die Ukraine wirft Russland den Einsatz von Phosphorbomben bei den Kämpfen um die Schlangeninsel im Schwarzen Meer vor. Die russischen Truppen hätten am Freitagabend „zweimal einen Luftangriff mit Phosphorbomben ausgeführt“, schrieb der Oberkommandeur der ukrainischen Streitkräfte, Walerij Saluschny, via Telegram. Am gestrigen Donnerstag hatte die russische Armee-Führung angekündigt, sich von der Insel zurückzuziehen. Moskau hatte von einer „Geste des guten Willens“ gesprochen.

Dieses Satellitenbild von Maxar Technologies zeigt einen Überblick über die Schlangeninsel im Schwarzen Meer.
Die Ukraine hat Russland den Einsatz von Phosphorbomben auf der Schlangeninsel im Schwarzen Meer vorgeworfen. © Maxar Technologies /dpa

Ukraine-Krieg: Oberkommandeur präsentiert Videos von Angriff mit Phosphorbomben

Die Bomben seien demnach von Kampfflugzeugen vom Typ Su-30 abgeworfen worden, die von der Krim aus gestartet waren, so Saluschny. Dazu präsentierte der 48-Jährige eine Videoaufnahme, welche die Bombardierung belegen soll. „Das Einzige, worin der Gegner konsequent ist, ist die unveränderte ‚Treffgenauigkeit‘“, betonte er ironisch mit Hinweis auf anscheinend verfehlte Abwürfe. Die Informationen lassen sich aktuell jedoch nicht unabhängig überprüfen.

Ukraine-News: Ukraine meldet Angriff auf Schlangeninsel mit Phosphorbomben

Die Schlangeninsel liegt knapp 35 Kilometer vor dem Donaudelta und war schon vor Kriegsbeginn als Grenzaußenposten militärisches Sperrgebiet. Es ist nicht das erste Mal, dass Kiew den Einsatz von Phosphorbomben durch russische Truppen im Ukraine-Krieg vermeldet. Phosphorbomben erzeugen bei der Explosion Temperaturen von bis zu 1300 Grad Celsius. Die dadurch entstehenden Brände lassen sich nicht mit Wasser löschen und die Dämpfe sind hochgiftig.

Der allgemeine Einsatz von Waffen mit weißem Phosphor ist laut den Genfer Konventionen jedoch nicht verboten. Ein Einsatz von Phosphorbomben gegen Zivilisten verbieten jedoch die Zusatzprotokolle der Genfer Abkommen aus dem Jahre 1977. Der Einsatz der Waffen wird jedoch von vielen Organisationen verurteilt. (fd mit dpa)

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